3,7 Millionen Kinder: Hungerkatastrophe in Afghanistan
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3,7 Millionen Kinder: Hungerkatastrophe in Afghanistan

Das Welternährungsprogramm muss 2026 drei von vier unterernährten Kindern in Afghanistan abweisen. 3,7 Millionen sind lebensgefährlich mangelernährt. Das WFP-Budget ist seit 2024 auf ein Drittel geschrumpft.

Quellen (8)
  1. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  2. ZDFzdfheute.de
  3. UN/Yahoo Newsyahoo.com
  4. Welthungerhilfewelthungerhilfe.de
  5. AOL/APaol.com
  6. WFP Afghanistanwfp.org
  7. Wikipedia Hungerkriseen.wikipedia.org
  8. ORForf.at
6. August 2026, 3:52 Uhr656 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Jeden Tag kommen Mütter mit ihren Kindern in Behandlungszentren des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen und drei von vier müssen wieder umkehren, weil das Geld fehlt. Für 2026 geht das WFP von 3,7 Millionen Kindern aus, die in Afghanistan von akuter Mangelernährung betroffen sind, hinzu kommen 1,2 Millionen schwangere und stillende Frauen. Das Budget des Programms ist seit 2024 auf ein Drittel geschrumpft. WFP-Landesdirektor John Aylieff nennt es den höchsten Anstieg der Mangelernährung, der je in Afghanistan verzeichnet wurde.

Fünf Jahre Taliban: Hilfe bricht weg, Hunger steigt

Im August 2021 übernahmen die Taliban die Macht. Was folgte, war nicht nur die weitgehende Abschottung von Frauen aus Bildung und Arbeit, sondern auch ein drastischer Rückzug internationaler Hilfsgelder. Der UN-Nothilfeplan für Afghanistan ist 2026 erst zu rund 25 Prozent finanziert. Mehr als 2,8 Millionen vulnerable Menschen haben im ersten Halbjahr 2026 keine der geplanten Nahrungsmittelhilfen erhalten.

Aylieff, der nach eigenen Angaben über 30 Jahre im humanitären Bereich tätig ist, sagt, er habe Ähnliches nie erlebt: 3,7 Millionen Kinderleben stehen auf dem Spiel. Das WFP-Budget, das 2024 noch 600 Millionen Dollar betrug, sank 2025 auf 300 Millionen und wird 2026 voraussichtlich 200 Millionen erreichen. Pro betroffenes Kind steht weniger als ein Zehntel des notwendigen Betrages zur Verfügung.

Warum sich mehrere Krisen überlagern

Die Hungerkrise ist das Ergebnis übereinanderschichtender Katastrophen, die sich gegenseitig verstärken. Vier Jahrzehnte Krieg haben die Wirtschaft zerstört und institutionelle Kapazitäten ausgehöhlt. Wiederkehrende Dürren und Überschwemmungen belasten die Landwirtschaft. Zwei schwere Erdbeben Ende 2025 zerstörten Infrastruktur in entlegenen Provinzen.

Hinzu kommt die Rückkehrwelle: Mehr als 5,3 Millionen Afghanen wurden seit Ende 2023 aus Pakistan und dem Iran ausgewiesen. Sie kommen ohne Ersparnisse, ohne Unterkunft und ohne Arbeit in ein Land zurück, das kaum in der Lage ist, die bestehende Bevölkerung zu ernähren. Taliban-Verbote, die Frauen und Witwen aus dem Erwerbsleben ausschließen, treffen rund 30 Prozent der mangelernährten Schwangeren und Stillenden direkt. In Regionen, in denen Frauen die einzigen Familienernährerinnen waren, sind die Auswirkungen existenziell.

Die USA ziehen ab, Europa stockt nicht auf

Die US-Regierung unter Donald Trump hat die Nahrungsmittelhilfe für Afghanistan eingestellt. Das war der entscheidende Einbruch: Die USA waren bis 2024 der größte Einzelgeber für das WFP in Afghanistan. Ihr Rückzug reißt eine Lücke, die andere Geber bisher nicht geschlossen haben.

Die Deutsche Welthungerhilfe, seit 1980 in Afghanistan tätig, spricht von einer strukturellen Unterfinanzierung. Die verbleibenden Mittel konzentrieren sich auf humanitäre Akutversorgung, während langfristige Entwicklungsprogramme für klimaresistente Landwirtschaft, Wassermanagement und lokale Märkte weitgehend zum Erliegen gekommen sind. Solange diese Strukturprogramme nicht laufen, wiederholt sich jede Dürre als neue Katastrophe.

Konflikte zwischen Pakistan und Afghanistan an der Grenze erschweren zudem die Versorgung abgelegener Gebiete. Hilfskonvois werden immer häufiger aufgehalten oder umgeleitet.

Winter 2026 als kritische Schwelle

Bereits in den Sommermonaten verzeichnet das WFP mehr als 500 Kindestode in den registrierten Behandlungsprogrammen. Mit Beginn der Wintermonate wird die Lage nach Einschätzung von Hilfsorganisationen weiter eskalieren: Schnee isoliert abgelegene Dörfer in den Hochlagen, Transporte werden teurer und unzuverlässiger, Kinder kommen in bereits geschwächtem Zustand in die Kälte.

Eine politische Lösung ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Die Taliban erkennen Frauenrechte nicht an, was die Wiederherstellung westlicher Regelfinanzierung de facto ausschließt. Die UN suchen nach einem Mittelweg: Humanitäre Hilfe für Kinder, ohne das Taliban-Regime durch direkte Partnerschaft formal aufzuwerten. Dieser Ansatz reduziert das Dilemma, löst es aber nicht. Solange der UN-Hilfsplan zu 75 Prozent unterfinanziert bleibt, werden drei von vier Kindern weiterhin an der Tür der Hilfszentren abgewiesen.

Update 8. August, 10:12 Uhr: Die UN warnen in einer neuen Einschätzung vor einer weiteren Verschärfung der Hungerkrise. Laut UN-Welternährungsprogramm waren im ersten Quartal 2026 rund 47 Prozent aller Minderjährigen in Afghanistan unterernährt, also fast jedes zweite Kind. WFP-Afghanistan-Direktor John Aylieff bezeichnete die Situation als die schwerste, die seine Organisation in Afghanistan je gemessen habe. Das WFP könne derzeit nur eines von neun unterernährten Kindern im Land versorgen. Zwei Drittel des Landes gelten als von sehr schwerer oder kritischer akuter Mangelernährung betroffen. Die UN riefen die internationale Gemeinschaft zu dringenden Zusatzmitteln auf.

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