Amazonas-Abholzung auf Tiefstand seit elf Jahren
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Amazonas-Abholzung auf Tiefstand seit elf Jahren

5.796 Quadratkilometer Regenwald gingen im Amazonas 2025 verloren: der niedrigste Wert seit elf Jahren. Brasiliens Regierung unter Lula zeigt, dass konsequente Strafverfolgung und indigener Landrechtsschutz wirken, aber zwei Risiken bedrohen den Erfolg.

1. Juli 2026, 17:14 Uhr 721 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Unter Jair Bolsonaro verlor der brasilianische Amazonas 2022 noch 11.568 Quadratkilometer Regenwald: knapp das Doppelte des heutigen Werts. Im Messjahr 2024/2025 waren es 5.796 Quadratkilometer, der niedrigste Wert seit elf Jahren und ein Fünftel des Rekordjahres 2004 mit 27.772 Quadratkilometern. Hinter der Trendwende steht kein technologischer Durchbruch und keine Wirtschaftskrise, sondern konsequentere Strafverfolgung illegaler Rodung und der Schutz indigener Territorien.

Vom Rekordjahr 2004 zum Hoch unter Bolsonaro

Das brasilianische PRODES-System erfasst die Amazonas-Entwaldung über Satellitenbilder seit 1988. Den höchsten Jahreswert registrierten die Forscher 2004: 27.772 Quadratkilometer, eine Fläche etwas größer als Hessen. Unter dem damals eingeführten nationalen Aktionsplan PPCDAm zur Verhinderung und Kontrolle der Entwaldung kombinierte die Regierung Satelliten-Überwachung mit Kreditrestriktionen für Gemeinden auf einer Schwarzen Liste der schlimmsten Täter. Das Ergebnis: Die Rodung sank bis 2012 auf 4.571 Quadratkilometer, ein Rückgang von 84 Prozent in acht Jahren.

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Dann kehrte sich der Trend um. Unter Präsident Jair Bolsonaro (2019 bis 2022) stiegen die Rodungszahlen wieder an. IBAMA, Brasiliens Bundesumweltbehörde, wurde in seiner Durchsetzungsarbeit geschwächt, Strafen blieben aus, illegale Siedler drangen in Schutzgebiete vor. Das letzte vollständige Bolsonaro-Jahr 2022 verzeichnete laut PRODES rund 11.568 Quadratkilometer Entwaldung, knapp das Doppelte des heutigen Werts.

Was Lulas Regierung anders macht

Seit Luiz Inácio Lula da Silva im Januar 2023 sein Amt antrat, verfolgt die Regierung zwei Ansätze gleichzeitig.

Erstens schärfere Strafverfolgung. IBAMA verdoppelte im ersten Amtsjahr die Zahl der Bußgeldbescheide gegen illegale Rodung verglichen mit dem Vierjahresdurchschnitt der Vorgängerregierung. Umweltministerin Marina Silva hob zudem einen Regulierungserlass Bolsonaros auf, der rund 185.000 Bußgeldbescheide mit einem Gesamtvolumen von 29 Milliarden Real faktisch amnestiert hatte. Mongabay dokumentierte im Mai 2025, dass die tatsächlich vollstreckten Bußgelder seitdem deutlich gestiegen sind.

Zweitens Schutz indigener Landrechte. Seit Amtsantritt hat die Regierung 21 indigene Territorien offiziell demarkiert. Zehn davon wurden im November 2025 auf der Klimakonferenz COP30 in Belém verkündet. Für indigene Gemeinschaften bedeutet eine Demarkierung das verfassungsrechtliche Ausschlussrecht für Rodung und Bergbau auf ihrem Land. Nicht demarkierte Gebiete hingegen bleiben für illegale Akteure deutlich leichter zugänglich.

Das INPE-Echtzeit-Warnsystem DETER zeigte im rollierenden Zwölf-Monats-Fenster bis Juni 2026 sogar nur 3.182 Quadratkilometer: den niedrigsten Wert der DETER-Messreihe seit 2014. Verglichen mit dem 2022er Niveau fiel die Entwaldung bis 2025 kumulativ um 50 Prozent.

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Was frühere Erfolge in Brasilien und Costa Rica zeigen

Brasilien hat bereits einmal bewiesen, dass dieser Hebel funktioniert. Zwischen 2004 und 2012 senkte der PPCDAm-Aktionsplan die Rodung um 84 Prozent: ein Rückgang, der bis heute als größter je durch staatliche Politik erreichter Fortschritt in der Geschichte der Regenwaldbekämpfung gilt.

Das bekannteste internationale Vergleichsbeispiel ist Costa Rica. Noch 1987 war die Waldbedeckung auf 21 Prozent der Landesfläche gesunken, nach Jahrzehnten der Abholzung für Viehwirtschaft. Die Kombination aus Nationalparks, einem nationalen Abholzungsverbot und staatlichen Zahlungen an Landbesitzer für Ökosystemleistungen trieb die Waldbedeckung bis 2020 auf fast 60 Prozent. Costa Rica gilt damit als erstes tropisches Land, dem die dauerhafte Umkehr eines Abholzungstrends gelang. Das Grundprinzip ist dasselbe wie in Brasiliens aktueller Strategie: Naturschutz wird finanziell attraktiv, Zerstörung wird teuer.

Zwei offene Risiken: Walddegradierung und politischer Rückschritt

PRODES misst vollständige Waldverluste durch Rodung. Was die offizielle Statistik nicht erfasst: Walddegradierung durch Feuer, selektiven Holzeinschlag und Klimaschäden. Phys.org berichtete im Juli 2025, dass die Walddegradierung in einem Zweijahresfenster um 163 Prozent zunahm, während die vollständige Entwaldung gleichzeitig um 54 Prozent sank. Degradierter Wald verliert seinen Kohlenstoffspeicher und seine hydrologische Funktion, erscheint aber nicht in der Entwaldungsstatistik.

Dazu kommt politischer Gegenwind. Im April 2026 brachten Abgeordnete des Agrarlobby-Blocks im brasilianischen Kongress einen Gesetzentwurf ein, der das DETER-Satellitentool abschalten soll: jenes Echtzeit-System, auf das IBAMA bei Durchsetzungsoperationen angewiesen ist. Ohne Satellitendaten ist Strafverfolgung kaum möglich. Der Entwurf scheiterte im Mai 2026 im Ausschuss, soll aber in neuer Form wiedereingebracht werden.

Wenn der aktuelle DETER-Trend anhält, könnte 2026 das Jahr mit dem historisch niedrigsten Amazonas-Entwaldungswert werden, prognostizierte Marina Silva im Februar 2026. Was dieses Ziel gefährdet, ist nicht die verfügbare Technik und nicht das bestehende Recht, sondern der politische Wille, beides zu erhalten.

Quellen (11)

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