
BRICS Gipfel: Einigung nach Verhandlungen bis 4 Uhr
Quellen (6)
- Berliner Zeitung: BRICS Gipfel Streitberliner-zeitung.de
- Berliner Zeitung: Delhi-Erklärungberliner-zeitung.de
- Handelsblatt: BRICS Einigunghandelsblatt.com
- Tagesschau: BRICS Gipfeltagesschau.de
- klajoo: BRICS Delhi-Erklärungklajoo.com
- it-boltwise: BRICS Kritikit-boltwise.de
Die Nacht vor der Abschlusserklärung des 18. BRICS-Gipfels in Neu-Delhi dauerte bis vier Uhr morgens. Der Knackpunkt: Iran wollte eine namentliche Verurteilung der USA und Israels im Westasien-Krieg, die Vereinigten Arabischen Emirate verlangten eine gleichwertige Verurteilung iranischer Angriffe. Am Sonntag, den 13. September 2026, präsentierten die elf Mitgliedstaaten dennoch eine gemeinsame Delhi-Erklärung. Der Kompromiss nennt keine Namen.
Ein Bündnis der Widersprüche
Die BRICS-Gruppe hat sich seit ihrer Gründung grundlegend verändert. Die ursprünglichen fünf Mitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sind seit der Erweiterung 2024 und dem Beitritt Indonesiens im Januar 2025 auf elf gewachsen: Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Saudi-Arabien, Äthiopien und Indonesien sind hinzugekommen. Die Gruppe repräsentiert laut Berliner Zeitung heute rund 49,5 Prozent der Weltbevölkerung, 40 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und 26 Prozent des Welthandels.
Genau diese Heterogenität macht Konsens schwierig. Indien ist demokratischer Rechtsstaat und gleichzeitig strategischer Partner Russlands. China und Indien haben seit 2020 Grenzspannungen im Himalaya. Der Iran kämpft einen Krieg, an dem sein Mitglied VAE indirekt beteiligt ist. Saudi-Arabien und Iran sind regionale Rivalen, die im selben Bündnis sitzen.
Der Streit um Westasien
Den Gipfel an den Rand des Scheiterns brachte die Frage, wie die Abschlusserklärung den Krieg in Westasien bewertet. Iran forderte eine klare Verurteilung der USA und Israels. Die VAE verlangten eine symmetrische Formulierung, die auch iranische Angriffe auf Golfstaaten benennt. Beide Positionen sind mit einer gemeinsamen Erklärung nicht vereinbar.
Der Ausweg war sprachliche Enthaltung: Die Delhi-Erklärung äußert sich "ernsthaft besorgt" über die Eskalation in Westasien und fordert "größtmögliche Zurückhaltung" von allen Parteien, ohne diese zu benennen. Die Formulierung "Verletzung von zivilen und friedlichen Nuklearanlagen" ist eine verdeckte Anspielung auf iranische Atomanlagen, die im Krieg angegriffen wurden, ohne Verantwortliche zu nennen. Die Erklärung bekräftigt die Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt und verurteilt erzwungene Vertreibungen palästinensischer Bevölkerung.
Xi und Modi: Xis erste Indien-Reise seit 2019
Das bilateral bedeutsamste Ereignis des Gipfels war das Gespräch zwischen Chinas Staatschef Xi Jinping und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi. Es war Xis erste Reise nach Indien seit 2019, nachdem Grenzspannungen im Himalaya die Beziehungen jahrelang belastet hatten. Xi reiste mit einer 67-köpfigen Delegation an und hielt sich genau 24 Stunden in Indien auf.
Das Gespräch dauerte laut indischem Außenministerium zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Konkrete Vereinbarungen wurden nicht bekannt. Dass Xis Reise nach Indien stattfand, gilt Diplomaten bereits als Signal: Die Normalisierung der chinesisch-indischen Beziehungen ist im Gange, auch wenn sie langsam verläuft.
Was beschlossen wurde und was nicht
Modi kündigte bei der Abschlusspressekonferenz drei konkrete Initiativen an: einen Fahrplan für die Reform globaler Institutionen wie IWF und Weltbank, ein Hilfsnetzwerk für Seeleute in Krisengebieten und ein Programm zur Stärkung der Verhandlungskompetenz von Ländern des Globalen Südens in internationalen Handelsabkommen.
Was der Gipfel nicht beschloss: eine gemeinsame BRICS-Währung. Das Thema war in der Vorbereitungsphase kursiert, scheiterte aber schon im Vorfeld an den unterschiedlichen Vorstellungen der Mitglieder. Russland und China hatten ein Interesse, der Dollar-Abhängigkeit zu entkommen. Brasilien und Indien sahen darin mehr Risiko als Nutzen.
Symbolischer Konsens, strategische Offenheit
Kritiker werten die Delhi-Erklärung als Erfolg auf dem Papier, ohne strategische Substanz. Das Ifo-Institut wies darauf hin, dass Investoren bei Standortentscheidungen nicht nach geopolitischen Symbolen, sondern nach Rechtssicherheit und wirtschaftlicher Planbarkeit urteilen. Die gemeinsame Erklärung vor dem Gipfel hatte bereits auf den Konflikt zwischen den Mitgliedern hingewiesen und ihn als bewältigbar dargestellt.
Der nächste BRICS-Gipfel 2027 wird von China ausgerichtet. Das Gastgeberland gilt als moderater Spieler, der weder an einer Anti-USA-Koalition noch an einer chinesischen Dominanz interessiert ist. Ob die Gruppe bis dahin kohärenter wird oder weiter auseinanderdriftet, hängt vor allem davon ab, wie sich der Westasien-Krieg entwickelt und ob die VAE und Iran ihre Differenzen beilegen können.
Aktualisierungen
Korrektur 17. September, 19:43 Uhr: Eine Angabe berichtigt. Xi und Modi hatten sich zuletzt 2024 in Kasan und 2025 in Tianjin getroffen; neu war Xis erste Reise nach Indien seit 2019.
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