
BC ruft Waldbrandnotstand aus: 35.000 auf der Flucht
Quellen (11)
- CBC Newscbc.ca
- Regierung British Columbianews.gov.bc.ca
- Al Jazeeraaljazeera.com
- Globe and Mailtheglobeandmail.com
- Gulf Newsgulfnews.com
- World Weather Attributionworldweatherattribution.org
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
- Die Weltwelt.de
- n-tvn-tv.de
- tagesschautagesschau.de
- ZDF heutezdfheute.de
Als das Bald-Range-Feuer in der Nacht auf Samstag die Gemeinde Summerland im Okanagan-Tal erfasste, wuchs es so schnell, dass Einsatzkräfte die rund 12.000 Einwohner innerhalb weniger Stunden evakuieren mussten. Bis Samstagnachmittag hatte der Brand rund 9.500 Hektar vernichtet, eine Fläche fast so groß wie die Insel Sylt. Premier David Eby rief am 8. August den provinzweiten Notstand für British Columbia aus. Mehr als 35.000 Menschen haben bis Sonntag ihre Häuser verlassen müssen.
Das Bald-Range-Feuer im Okanagan-Tal
Das Okanagan-Tal ist das Herzstück des britisch-kolumbianischen Weinbaus: 80 Prozent der gesamten BC-Weinproduktion kommen aus dieser Region, die zugleich Kanadas zweitgrößtes Weinanbaugebiet ist. In diesem Tal zwischen den Städten Kelowna im Norden und Osoyoos im Süden begann am Freitag, dem 7. August, ein Feuer, das zunächst als Routine-Waldbrandmeldung in die Lageberichte des BC Wildfire Service einging.
Starke Windböen trieben die Flammen über Nacht auf Faulder zu und anschließend auf Summerland. Premier Eby zitierte auf einer Pressekonferenz einen Feuerwehroffizier: Bäume von 30 Metern Höhe hätten Flammen von 60 Metern Höhe darüber gezeigt. Forests Minister Ravi Parmar beschrieb, die Ausbreitung erinnere an eine Explosion. Bis in den frühen Morgen des 8. August ordneten die Behörden die vollständige Evakuierung Summerlands an. Peachland und weitere Gemeinden am Westufer des Okanagan Lake folgten im Verlauf des Samstags.
Forests Minister Parmar meldete, dass 18 Löschflugzeuge im Einsatz waren und über 50 in der Feuerzone eingeschlossene Personen per Luftrettung evakuiert wurden. In Summerland brach die Stromversorgung zusammen und eine Trinkwasserwarnung trat in Kraft, weil ungeklärtes Wasser ins Leitungsnetz gelangt war. Wie viele Gebäude zerstört wurden, konnten die Behörden zunächst nicht beziffern, weil Ermittler das aktive Feuergebiet nicht betreten konnten. Die Bundespolizei RCMP bestätigte die Untersuchung eines möglichen Todesfalles in Zusammenhang mit dem Feuer.
104 Brände gleichzeitig und der provinzweite Notstand
Das Bald-Range-Feuer ist der gefährlichste, aber nicht der einzige Brand in British Columbia. Zum Stand des 8. August zählte der BC Wildfire Service 104 aktive Brände in der Provinz, von denen fast die Hälfte außer Kontrolle war. Die Gesamtzahl der in dieser Saison gemeldeten Feuer liegt bei 889.
Premier Eby rief den Notstand auf Grundlage des Emergency Program Act aus. Damit erhält die Provinzregierung erweiterte Vollmachten, sie kann Unterkünfte requirieren, Zufahrtsbeschränkungen verhängen und Ressourcen landesweit koordinieren. Gleichzeitig bat die Provinz den Bund um Unterstützung, die Canadian Armed Forces wurden im Rahmen der Operation LENTUS für Logistik und Evakuierungskoordination angefordert.
Internationale Hilfe ist unterwegs: Premier Eby kündigte an, Teams aus Mexiko, Australien und Neuseeland würden in British Columbia eintreffen. Rund 1.500 Feuerwehrleute sind insgesamt in der Provinz im Einsatz. Die Behörden hatten zum Stand Samstag 39 Evakuierungsbefehle und 49 Evakuierungsalerts für verschiedene Gemeinden ausgesprochen, wobei sich die Zahl der betroffenen Personen laut späteren Berichten auf über 35.000 verdoppelte.
Kanada 2026: 2,1 Millionen Hektar in einem Sommer
British Columbia brennt nicht allein. Für ganz Kanada summiert sich die in diesem Jahr verbrannte Fläche auf über 3,7 Millionen Hektar, wobei der überwiegende Teil in Ontario und den Northwest Territories verbrannte. 94 Prozent davon gingen laut Forschungsberichten in nur fünf Wochen zwischen Ende Juni und Ende Juli verloren.
Historisch gilt 2023 als das schlimmste Brandjahr in der Geschichte British Columbias: Damals verbrannten allein in der Provinz 2,84 Millionen Hektar, ein Wert, der den bis dahin geltenden Rekord von 2018 verdoppelte. Superintendent Neal McLoughlin vom BC Wildfire Service stuft die Dürrebedingungen 2026 als vergleichbar mit oder schlimmer als 2017, 2018 und 2021 ein, allesamt Jahre mit außergewöhnlicher Zerstörung.
Die Klimawissenschaftsorganisation World Weather Attribution, ein Forschungsverbund unter Beteiligung des Imperial College London, untersuchte die Bedingungen der Brandsaison 2026 in Kanada. Das Ergebnis: Die durch fossile Brennstoffe verursachte Erwärmung mache heiße, trockene und windige Bedingungen, wie sie 2026 in Kanada herrschen, etwa doppelt so wahrscheinlich wie in einer Welt ohne menschlichen Klimaeinfluss. Extremes Feuerwetter in Kanada sei, so die Forscher, kein Ereignis mehr, das alle 40 Jahre eintritt.
Wein, Obst und Tourismus: Was im Okanagan auf dem Spiel steht
Für die Bewohner der Region geht es um ihre Häuser und ihre Sicherheit. Für die britisch-kolumbianische Wirtschaft steht darüber hinaus eine ganze Anbauregion auf dem Spiel. Das Okanagan zieht im Sommer hunderttausende Touristen an, die Weinbaubetriebe und Obstplantagen der Gegend ernten im August und September ihre Haupternte.
Selbst wenn Flammen Weinberge verschonen, kann Waldbrandrauch den Jahrgang beeinflussen: Brände setzen Aromen frei, die sich als Rauchton im Traubenfleisch ablagern und Weine unverkäuflich machen können. Für die Tourismuswirtschaft bedeutet die Evakuierung ganzer Gemeinden faktisch den Ausfall des wirtschaftlich wichtigsten Monats.
Was der September bringen muss
Der BC Wildfire Service geht davon aus, dass die Brandsaison 2026 weit in den Herbst hineinreichen wird. Für die nächsten Tage werden keine wesentlichen Niederschläge erwartet, Trockenblitze sind angekündigt, die neue Brandpunkte auslösen könnten. Die Temperaturen bleiben deutlich über dem saisonalen Durchschnitt.
Ob internationale Unterstützung rechtzeitig eintrifft, um das Bald-Range-Feuer einzuschließen, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Bis dahin stehen Summerland und die angrenzenden Gemeinden unter dem Bann eines Sommers, der Kanada an etwas erinnert: Was 2023 als Ausnahmerekord galt, ist 2026 schon der Maßstab für das Normale.
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