Rumäniens AKW Cernavodă: Beide Reaktoren offline
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Rumäniens AKW Cernavodă: Beide Reaktoren offline

Rumäniens einziges Atomkraftwerk Cernavodă steht seit dem 13. August komplett still: Auch Block 2 musste wegen des historisch niedrigen Donauwasserstands abgeschaltet werden. Selbst Sprengungen im Flussbett konnten das nur um wenige Tage verzögern.

Quellen (9)
  1. DKKV: Rumänien sprengt Felsen zur Sicherung der Kühlwasserversorgungdkkv.org
  2. ZDF heute: AKW Cernavoda – Donau-Sprengung wegen Dürrezdfheute.de
  3. IT-Boltwise: Donau-Wasserknappheit zwingt Rumänien zur Abschaltungit-boltwise.de
  4. IT-Boltwise: Cernavodă komplett abgeschaltetit-boltwise.de
  5. Euronews: Romania shuts off second reactor at Cernavodăeuronews.com
  6. Rhein-Zeitung: Niedrige Donau – Rumänien schaltet AKW komplett abrhein-zeitung.de
  7. Deutsche Wirtschafts-Nachrichten: Cernavodă wegen Wassermangel abdeutsche-wirtschafts-nachrichten.de
  8. Energynewsmagazine: Rumänien schaltet AKW Cernavodă wegen Niedrigwasser abenergynewsmagazine.at
  9. Correctiv: Kernkraftwerke in Frankreich wegen Wassermangel – Faktencheck 2022correctiv.org
15. August 2026, 7:03 Uhr629 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Seit der Inbetriebnahme des ersten Reaktors im Jahr 1996 musste Rumänien sein Atomkraftwerk Cernavodă noch nie komplett vom Netz nehmen. Am 13. August 2026 war es so weit. Der Auslöser war kein technischer Defekt, sondern ein Fluss: Die Donau führte an diesem Tag 1.370 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, den niedrigsten je an diesem Abschnitt gemessenen Abfluss. Nicht einmal ein Eingriff mit Sprengstoff hatte das aufhalten können. Rumänien fehlen nun schlagartig 20 Prozent seiner Stromerzeugungskapazität.

Zwei Reaktoren, ein Fluss

Das Kernkraftwerk Cernavodă liegt im Osten Rumäniens, rund 150 Kilometer östlich von Bukarest, an einem Donauarm nahe dem gleichnamigen Ort. Seine zwei Reaktoren nach kanadischem CANDU-Design wurden 1996 und 2007 in Betrieb genommen. Beide nutzen Donauwasser zur Kühlung: Ohne ausreichenden Durchfluss steigt die Kühlwassertemperatur über die zulässigen Grenzwerte, der Betrieb muss eingestellt werden.

Block 1 war bereits Ende Juli abgeschaltet worden, als die Donau auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren fiel. Damals rechnete der Betreiber Nuclearelectrica noch damit, Block 2 am Netz halten zu können. Das gelang zunächst, aber nur mit einem ungewöhnlichen Eingriff.

Die Sprengung bei Izvoarele

Rund 50 Kilometer flussaufwärts von Cernavodă, nahe dem Ort Izvoarele, sprengten Ingenieure Anfang August einen Felsblock aus dem Bett eines Donauarms. Dieser Fels hatte bislang den Wasserstrom in den Hauptarm umgelenkt, sodass weniger Wasser in den Nebenarm floss, der das Kraftwerk versorgt. Durch die Sprengung sollte mehr Durchfluss in Richtung Cernavodă entstehen.

Die Schuttmassen wurden per Frachtschiff abtransportiert und an einer strategischen Stelle im Flusslauf versenkt, um den Wasserspiegel lokal anzuheben. Der Plan ging zunächst auf: Block 2 konnte einige Tage länger produzieren als geplant. Dann sank die Donau erneut, diesmal auf ihren historisch niedrigsten gemessenen Abfluss von 1.370 Kubikmetern pro Sekunde. Am 13. August begann Nuclearelectrica den geregelten Abschaltvorgang. Gegen 10 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit war das Werk komplett offline.

Zwanzig Prozent weg, Wasserkraft auch schwächer

Für Rumänien bedeutet der Komplettausfall von Cernavodă eine doppelte Belastung. Das Werk lieferte in normalen Jahren rund 20 Prozent des nationalen Strombedarfs. Gleichzeitig schwächt der niedrige Donaustand die Wasserkraftwerke des Landes, die ihrerseits Flusswasser für ihre Turbinen benötigen. Die Dürre trifft damit zwei der wichtigsten Erzeugungsquellen in Rumäniens Strommix gleichzeitig.

Das Land muss nun Strom über internationale Leitungsverbindungen aus Bulgarien, Serbien und Ungarn importieren. Diese Nachbarländer stehen ihrerseits unter erhöhter Sommerlast. Das Energieministerium in Bukarest teilte mit, man beobachte die Situation stündlich und stehe in Kontakt mit europäischen Partnern. Für Privathaushalte werden kurzfristig keine Versorgungsunterbrechungen erwartet. Großen Industrieverbrauchern drohen dagegen Einschränkungen ihrer zugesicherten Liefermenge.

Europa kennt ähnliche Szenarien. Im Sommer 2022 musste Frankreich fünf seiner Kernkraftwerke, darunter Tricastin und Golfech, drosseln, weil das Kühlwasser in Rhône und Garonne zu warm wurde. Die Jahresproduktion der französischen Kernkraft fiel auf den niedrigsten Stand seit 1988. Der strukturelle Unterschied zur Situation in Cernavodă heute: 2022 war das Kühlwasser zu warm. Diesmal ist schlicht zu wenig davon vorhanden.

Abhängig von Regen, der ausbleibt

Nuclearelectrica geht von einer Abschaltdauer von mindestens zwei Wochen aus. Wann das Werk wieder angefahren werden kann, hängt ausschließlich vom Niederschlag im Donaueinzugsgebiet ab, das sich über mehr als 15 Länder in Mitteleuropa und Osteuropa erstreckt. Erst wenn signifikante Regenfälle in den österreichischen Alpen, in Teilen Bayerns, der Slowakei und auf dem Balkan den Abfluss wieder anheben, dürfen die Reaktoren erneut den Betrieb aufnehmen. Meteorologische Prognosen für die zweite Augusthälfte zeigen kaum Niederschlag in den relevanten Quellgebieten. Eine Verlängerung über den genannten Mindestzeitraum hinaus gilt als wahrscheinlich.

Was der vollständige Ausfall von Cernavodă langfristig zeigt, ist unbequem für Länder, die auf Kernkraft als klimaneutrale und verlässliche Grundlastquelle setzen: Kernkraftwerke sind nicht wetterunabhängig. Sie sind nicht abhängig von Wind und Sonne, aber sie sind abhängig von Kühlwasser aus Flüssen, deren Regime durch die beschleunigten Klimaveränderungen unter Druck geraten. Wie Anlagen für extremere Dürrebedingungen ausgelegt und abgesichert werden sollen, ist eine Frage, die sich nicht nur in Rumänien stellt.

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