Chinas Emissionen sinken erstmals durch saubere Energie
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Chinas Emissionen sinken erstmals durch saubere Energie

Chinas CO₂-Emissionen sind 2025 zum ersten Mal gesunken, nicht wegen einer Wirtschaftskrise, sondern weil Wind und Solar strukturell Kohlestrom verdrängen. Was der Rückgang bedeutet und warum er 2026 bereits wieder unter Druck steht.

25. Juli 2026, 9:03 Uhr 763 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Chinas CO₂-Emissionen sind 2025 erstmals gesunken, nicht weil die Wirtschaft eingebrochen wäre wie während der Coronapandemie 2022, sondern weil erneuerbare Energie fossile Kraftwerke strukturell verdrängt. Die Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) zeigt einen Rückgang um 0,3 Prozent. Im Stromsektor, der mehr als die Hälfte aller chinesischen Emissionen verursacht, fielen die Emissionen sogar um 1,5 Prozent. Es ist der erste Rückgang dieser Art: getrieben von Sonnenkraft und Wind, nicht von Schließungen oder Nachfrageeinbrüchen.

Kapazität wird zur Wirklichkeit

Seit Jahren verfolgen Energieanalysten Chinas Boom bei erneuerbaren Energien vor allem an einer Zahl: der installierten Kapazität. Ende 2025 hatte China nach Angaben der nationalen Energiebehörde 1.840 Gigawatt an Wind- und Solarkapazität installiert. Zum Vergleich: Die gesamte thermische Kraftwerkskapazität Chinas, also Kohle, Gas und Öl zusammen, liegt bei 1.539 Gigawatt. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein einzelnes Land mehr Wind- und Solarkapazität betreibt als seine gesamte fossile Stromerzeugungsinfrastruktur.

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Dieser Punkt beantwortet die Frage, die Analysten lange offenließen: Wann hört die wachsende Kapazität auf, eine Zahl auf dem Papier zu sein und beginnt, echte Emissionen zu senken? Lauri Myllyvirta vom CREA, der die chinesischen Energiedaten für Carbon Brief auswertet, bezeichnet den Rückgang als strukturellen Wendepunkt, ausgelöst durch saubere Energie, nicht durch wirtschaftliche Schwäche.

Die Zahlen hinter dem Rückgang

Im Jahr 2025 installierte China rund 434 Gigawatt neue Wind- und Solarkapazität: etwa 315 Gigawatt Photovoltaik und 119 Gigawatt Windkraft. Das Gesamtvolumen erneuerbarer Energien stieg damit auf 2.340 Gigawatt, was laut offiziellen Angaben mehr als 60 Prozent der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität des Landes entspricht.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen erreichte 2025 rund vier Billionen Kilowattstunden, mehr als der gesamte Stromverbrauch der 27 EU-Staaten. Dieser Zuwachs verdrängte Kohleverstromung in einem Maße, das erstmals ausreichte, die Emissionen im Sektor zu drücken. Der Rückgang von 1,5 Prozent im Stromsektor klingt bescheiden, ist aber historisch: Er bedeutet, dass Chinas Kraftwerke 2025 mehr sauberen Strom ins Netz eingespeist haben, als das Wachstum der Stromnachfrage verursachte.

Im Vergleich: Was dieser Rückgang global bedeutet

China ist für rund 30 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Zum Vergleich: Großbritannien hat seit 1990 seine Emissionen um rund 54 Prozent gesenkt und gilt damit als beispielhaft für eine große Industrienation. China hat diesen Rückgang in einer Volkswirtschaft erreicht, die viermal so groß ist und dreimal so viel Strom verbraucht.

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Was diesen Wendepunkt von früheren Rückgängen unterscheidet: 2009 sanken Chinas Emissionen kurz wegen der Finanzkrise, 2022 wegen Coronalockdowns. Der Rückgang 2025 ist der erste, der durch Kapazitätsausbau entsteht. Die Internationale Energieagentur IEA hat in mehreren Berichten dokumentiert, dass neue Solar- und Windkapazität in den meisten Märkten günstiger ist als bestehende Kohlekraftwerke zu betreiben. In China werden diese Preissignale inzwischen real.

Das Gegenbild: China genehmigt parallel Rekord-Kohlekraftwerke

Die Nachricht hat eine Kehrseite. Laut Carbon Brief und Global Energy Monitor wurden 2025 in China rund 78 Gigawatt neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen, der höchste Wert seit einem Jahrzehnt. Genehmigungsanträge für weitere 161 Gigawatt wurden gestellt.

Das klingt paradox: Weniger Emissionen und gleichzeitig mehr Kohlekapazität. Der Hintergrund liegt in Chinas Energiepolitik: Regionen in Nordchina, die bislang von Kohlestrom abhingen, bauen neue Kapazitäten auf, obwohl Wind und Solar national bereits ausreichen. Hinzu kommt, dass der Chemiesektor 2025 zwölf Prozent mehr Emissionen verursachte als im Vorjahr, getrieben durch höheren Kohle- und Ölverbrauch in der Grundstoffindustrie. Der Rückgang im Stromsektor wird also durch Mehremissionen anderswo teilweise aufgewogen.

CO₂-Rebound 2026: Drei Bedingungen für dauerhaften Rückgang

Der Wendepunkt von 2025 steht bereits unter Druck. Nach Daten von Carbon Brief stiegen Chinas CO₂-Emissionen in den ersten Monaten 2026 wieder um rund zwei Prozent. Die Ursache ist technischer Natur: Curtailment. Wind- und Solaranlagen erzeugen im Norden und Nordwesten Chinas Strom, den die bestehenden Hochspannungsnetze nicht in die bevölkerungsreichen Küstenregionen transportieren können. Fertig installierte Anlagen arbeiten unter Kapazität, während Kohlekraftwerke einspringen. Wind und Solar erzeugen trotz 47 Prozent installierter Kapazität erst rund 22 Prozent des tatsächlich erzeugten Stroms.

Chinas Emissionen werden erst dauerhaft sinken, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Netzausbau in die Industriezentren, verlangsamter Bau neuer Kohlekraftwerke und steigende Effizienz im Chemie- und Schwerindustriesektor. Alle drei Entwicklungen laufen derzeit, aber nicht schnell genug, um den Zuwachs der Stromnachfrage vollständig durch erneuerbare Energie zu decken. Der Rückgang von 2025 zeigt, was möglich ist. Dass er bereits 2026 wieder unter Druck steht, zeigt, was noch fehlt.

Quellen (10)

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