
CXMT-Führung plante Technologiediebstahl von Samsung
Quellen (8)
- TechSpot: Chinese memory firm CXMT relied on leaked Samsung technologytechspot.com
- Tom's Hardware: CXMT planned to use stolen Samsung IP to develop DRAMtomshardware.com
- Golem: CXMT plante Technologiediebstahl statt Eigenentwicklunggolem.de
- SamMobile: Top China memory firm wanted to use stolen Samsung secretssammobile.com
- SammyFans: Samsung might get CXMT DRAM banned in the USsammyfans.com
- Cryptopolitan: Former Samsung staff among 10 indicted for leaking chip tech to Chinacryptopolitan.com
- CNBC: CXMT blockbuster debut in Shanghaicnbc.com
- The GeoStrata: How CXMT Turned US Export Controls Uselessthegeostrata.com
Als Jeon 2016 nach fast drei Jahrzehnten Samsung verließ, nahm er nicht nur sein Wissen mit. Er brachte den Führungskräften von ChangXin Memory Technologies (CXMT) einen Fertigungsplan mit rund 600 Prozessschritten für Samsungs modernste 18-Nanometer-DRAM-Technologie. Aktuelle Zeugenaussagen vor einem südkoreanischen Gericht belegen, dass CXMTs CEO und CTO diesen Diebstahl von Beginn an geplant hatten. Das Unternehmen, das heute Chinas größter Speicherchiphersteller ist, wollte nie eine eigene Prozesstechnologie entwickeln.
600 Schritte, eine Milliarde Dollar Forschung
Samsung investierte nach Angaben im laufenden Verfahren mehr als fünf Jahre und über eine Milliarde Dollar in die Entwicklung seiner 18-Nanometer-DRAM-Fertigungstechnologie. Das Ergebnis dieser Arbeit fasste ein sogenannter Process Recipe Plan (PRP) zusammen: rund 600 aufeinander aufbauende Schritte, die präzise beschreiben, wie aus rohen Siliziumwafern Speicherchips entstehen. Wer dieses Dokument besitzt, kann eine Produktionslinie aufbauen, ohne die zugrunde liegende Grundlagenforschung selbst durchgeführt zu haben.
Jeon hatte 28 Jahre lang bei Samsung gearbeitet und dabei tiefes Wissen über die 18-Nanometer-Prozessarchitektur aufgebaut. Als er 2016 zu CXMT wechselte, brachte er diesen PRP mit. Im April 2026 verurteilte ihn ein südkoreanisches Gericht wegen Diebstahls von Handelsgeheimnissen zu sieben Jahren Haft. Insgesamt wurden zehn Personen wegen des Technologiediebstahls zugunsten von CXMT angeklagt. Die Verfahren laufen noch.
Von 40.000 auf 240.000 Wafer
Die Produktionszahlen zeigen CXMTs rasantes Wachstum seit der Gründung: Als das Unternehmen 2016 gegründet wurde, war es ein Startup ohne nennenswerte Fertigungskapazität. Die monatliche Waferproduktion wuchs auf 40.000 Einheiten, dann bis Ende 2025 auf rund 240.000 Wafer pro Monat. Im Jahr 2023 begann CXMT mit der Massenproduktion im 18-Nanometer-Knoten, jenem Knotenmaß, das Samsung jahrelang entwickelt hatte.
Der Aufstieg hat den globalen DRAM-Markt nach Einschätzung von Branchenanalysten strukturell verändert. Jahrzehntelang teilten Samsung, SK Hynix und Micron den Markt für Arbeitsspeicherchips unter sich auf. CXMT hat sich zur ernsthaften Konkurrenz für die etablierten DRAM-Anbieter entwickelt. Am 27. Juli 2026 legte der Kurs an der Shanghaier STAR-Börse am ersten Handelstag um 466 Prozent zu. Für die globale Lieferkette bedeutet mehr CXMT-Kapazität mehr Wettbewerb im DRAM-Markt, der jahrzehntelang von drei Anbietern dominiert wurde.
Geplant, nicht improvisiert
Der Fall wäre ein klassischer Industriespionagefall, wenn er nur den verurteilten Ingenieur beträfe. Aktuelle Gerichtsaussagen beschreiben aber ein anderes Bild. Zeugen erklären, dass CXMTs CEO und CTO den Erwerb von Samsungs IP durch Diebstahl statt durch eigenständige Forschung von Beginn an beabsichtigt hatten. Das Unternehmen habe nie geplant, eine eigene Prozesstechnologie zu entwickeln. Stattdessen sei der gezielte Abwerbeplan für erfahrene Samsung-Ingenieure Teil der Gründungsstrategie gewesen.
Das verändert die juristische Bewertung erheblich. Wenn das zutrifft, war Jeon kein Einzeltäter, sondern Teil eines geplanten Rekrutierungsprogramms auf Vorstandsebene. Für Samsung stellt sich dann die Frage, ob neben den individuellen Tätern auch das Unternehmen selbst zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das südkoreanische Verfahren erfasst bisher zehn Personen, darunter den verurteilten Jeon.
Der Fall steht für ein Muster, das die südkoreanische Staatsanwaltschaft seit Jahren beobachtet. In einem Bericht über CXMTs Verhältnis zu US-Exportkontrollen analysiert The GeoStrata, wie CXMT durch Fokus auf weniger regulierte Technologiebereiche US-Exportkontrollanforderungen ausweicht.
Samsungs Klage vor der ITC und der Druck auf Apple
Die strafrechtliche Aufarbeitung in Seoul ist für Samsung nur ein Teil der Antwort. Das Unternehmen erwägt laut Branchenberichten, die eidlichen Gerichtsaussagen der US International Trade Commission (ITC) vorzulegen. Die ITC hat nach US-Handelsrecht die Befugnis, den Import von Produkten, die unter Verletzung von Handelsgeheimnissen entstanden sind, vollständig vom US-Markt auszuschließen.
Für CXMT käme ein solches Verfahren zu einem kritischen Zeitpunkt. Das Unternehmen befindet sich mitten in einer Expansion auf westliche Märkte. Apple prüft nach Medienberichten CXMT-Chips für das iPhone 19 Pro Max und kommende Macs. Sieben US-Senatoren beider Parteien verlangten von Apple bis zum 21. August schriftlich zu erklären, keine Chips der Pentagon-gelisteten Hersteller CXMT und YMTC in Apple-Produkte zu verbauen. Zeitgleich legen Gerichtsaussagen nahe, dass CXMTs Technologie auf gestohlenen Samsung-Daten beruht.
Für den DRAM-Markt, der ohnehin unter hohen Preisen durch die KI-Nachfrage leidet, würde ein US-Importverbot für CXMT die Knappheit deutlich verschärfen. Ein formeller ITC-Antrag wäre frühestens 2027 oder 2028 entschieden. SK Hynix und Micron, die ihre eigenen Kapazitäten gerade ausbauen, könnten von einem solchen Ausschluss CXMTs direkt profitieren. Wie Samsung nach dem Abschluss des südkoreanischen Verfahrens weiter vorgeht, ist noch offen.
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