Deutsche Bahn: Erstmals seit sieben Jahren wieder Gewinn
Wirtschaft

Deutsche Bahn: Erstmals seit sieben Jahren wieder Gewinn

Die Deutsche Bahn weist für das erste Halbjahr 2026 erstmals seit 2019 einen Gewinn von 147 Millionen Euro aus. Gleichzeitig wuchsen die Schulden um eine Milliarde, die Infrastruktursparte schreibt weiter Verluste und Fernzüge kommen nur zu 59 Prozent pünktlich an.

Quellen (10)
  1. Deutsche Bahn Pressemitteilungdeutschebahn.com
  2. ZDF heutezdfheute.de
  3. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  4. WirtschaftsWochewiwo.de
  5. Onvista (Minister und Gewerkschaft kritisch)onvista.de
  6. Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
  7. Transport Online (Sternbrücke Hamburg)transport-online.de
  8. taz (DB Schenker Verkauf)taz.de
  9. DB Schenker Verkauf abgeschlossen (DB)deutschebahn.com
  10. Verkehrsrundschauverkehrsrundschau.de
2. August 2026, 0:40 Uhr730 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Zum ersten Mal seit 2019 schreibt die Deutsche Bahn schwarze Zahlen. Konzernchefin Evelyn Palla präsentierte am 30. Juli einen Halbjahresgewinn von 147 Millionen Euro nach Steuern. Gleichzeitig schoben sich in Hamburg 3.700 Tonnen Stahl auf 1.088 Rädern durch den Altonaer Stadtteil: Die neue Sternbrücke rollte übers Wochenende an ihre endgültige Position. Ein Sinnbild für den Stand des Konzerns in der Bilanz vorne, auf der Baustelle noch mitten im Umbau.

Sieben Jahre im Minus

Das letzte echte Betriebsplus der Deutschen Bahn datiert auf 2019, das letzte Jahr vor Corona. Danach folgten Pandemie, Rekordzinsen, GDL-Streikwellen, explodierende Baukosten bei der Riedbahn-Generalsanierung und ein Schuldenberg, der 2023 auf 34 Milliarden Euro gewachsen war.

Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete der Konzern minus 760 Millionen Euro nach Steuern. Das Gesamtjahr 2025 brachte nach Steuern minus 2,3 Milliarden Euro, auch wenn der Buchwert durch den Verkauf der Logistiktochter DB Schenker an den dänischen Konzern DSV für 14,3 Milliarden Euro rechnerisch auf plus 5,3 Milliarden Euro gedreht wurde. GDL-Chef Mario Reiß nennt das im Rückblick "Tafelsilber veräußern": Das profitabelste Tochterunternehmen wurde abgestoßen, um Schulden zu drücken. Palla übernahm unter diesen Vorzeichen im Oktober 2025.

Was die 147 Millionen trägt

Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich laut Pressemitteilung der Deutschen Bahn um 650 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro. Der Konzernumsatz stieg um 1,8 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro. Besonders deutlich drehte DB Fernverkehr: von minus 59 Millionen im ersten Halbjahr 2025 auf plus 148 Millionen. DB Regio erzielte plus 89 Millionen Euro. DB Cargo schrieb minus 1 Million, die Infrastruktursparte InfraGO minus 66 Millionen.

Drei Faktoren erklärt die Bahn selbst als Treiber: Erstens, steigende Kraftstoffpreise trieben Pendler aus dem Auto in den Nahverkehr. Im Gesamtkonzern wurden 960 Millionen Fahrgäste befördert, 17 Millionen mehr als im Vorjahr. Zweitens, neue Ticketformate griffen an: Das Last-Minute-Ticket verzeichnete 600.000 Nutzer, das Familienticket 200.000, die kostenlose Jugend-BahnCard 50.000 Nutzer. Drittens, Personalabbau in Konzernleitung und internen Dienstleistern senkte die Fixkosten. Das ursprünglich für 2028 angepeilte Stellenabbauziel ist laut Bahn bereits zu 30 Prozent erfüllt.

Schulden wachsen, Pünktlichkeit stagniert

Trotz des Gewinns wuchsen die Netto-Finanzschulden von rund 20,6 auf 21,6 Milliarden Euro. Der Grund: Die Bruttoinvestitionen stiegen auf 8,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr, plus 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Geld fließt zu einem erheblichen Teil in das Schienennetz, das weiterhin auf Bundesmittel angewiesen ist. InfraGO, die Netzsparte, machte minus 66 Millionen Euro und kann damit ihre Infrastrukturaufgabe nicht aus eigener Kraft finanzieren.

Bei der Pünktlichkeit zeigt sich wenig Fortschritt. Im Fernverkehr kamen im Juni 2026 nur 52,6 Prozent der Züge in weniger als sechs Minuten Verspätung an. Im Halbjahresschnitt lag die Quote bei 59 Prozent. Zum Vergleich: Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB erreichten zuletzt Pünktlichkeitswerte über 90 Prozent. Palla hat das 80-Prozent-Ziel im Fernverkehr informell in die 2030er-Jahre verschoben und erklärte, erst zufrieden zu sein, wenn "auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt".

Bilger mahnt, GDL bleibt skeptisch

Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nannte die Halbjahresergebnisse erfreulich, ließ es dabei aber nicht bewenden. "Stand jetzt muss ich feststellen, dass die Korridorsanierungen nicht das Ergebnis gebracht haben, das man sich erhofft hat", sagte Bilger. Das Verfahren, Strecken für Monate vollzusperren und anschließend komplett saniert wiederzueröffnen, sollte die Pünktlichkeit strukturell verbessern. Im Halbjahresschnitt liegt der Fernverkehr trotzdem unter 60 Prozent.

GDL-Chef Mario Reiß äußerte sich zurückhaltend. Die schwarzen Zahlen "dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die betriebliche Realität weiter von erheblichen Qualitätsproblemen geprägt ist". Gleichzeitig kritisierte er, dass "Tafelsilber veräußert und Personal in erheblichem Umfang abgebaut" worden sei. Was auf dem Papier nach Trendwende aussieht, ist aus Gewerkschaftssicht zu einem Teil Konsolidierung durch Substanzabbau.

Zwölf Monate bis zur nächsten Bewährungsprobe

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Bahn mit einem operativen Ergebnis von rund 600 Millionen Euro und einem Umsatz von rund 28 Milliarden Euro. Palla formuliert das Ziel nüchtern: "Liefern wir jetzt Schritt für Schritt, was wir versprochen haben." Für dauerhaft zuverlässige Verbindungen brauche der Konzern noch rund zehn Jahre, so die Bahnchefin unter dem Programm "DB 2035".

Die Hamburger Sternbrücke, die im Wochenendmodus an ihre Position gerollt ist, liefert den konkreten Maßstab: Wenn der Stahlbau am 31. August 2026 planmäßig wieder Zugverkehr aufnimmt, haben Ingenieure und Bautrupps Wochen mit Präzisionsarbeit hinter sich. 14.000 der geplanten 28.000 Baustellen hat die Deutsche Bahn im ersten Halbjahr 2026 fertiggestellt. Ob das Halbjahresplus von 147 Millionen Euro eine echte Wende markiert oder nur ein günstiger Zwischenstand ist, entscheidet sich weniger an der Jahresprognose als an den Verspätungsminuten des täglichen Betriebs.

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