Digitaler Euro: EU-Ausschuss gibt grünes Licht
Bezahlen wie mit Bargeld, aber digital: ohne Bank, direkt von Zentralbank zu Zentralbank. Diese Idee steckt hinter dem digitalen Euro und am Dienstag hat der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments (ECON) mit 43 zu 14 Stimmen und einer Enthaltung den Entwurf des Rechtsrahmens gebilligt. Das ist kein Startschuss für die Einführung, aber ein klares Signal, dass das Projekt nach jahrelangen Streitigkeiten in die entscheidende Phase geht.
Was ist der digitale Euro eigentlich?
Beim digitalen Euro handelt es sich um eine digitale Form des gesetzlichen Zahlungsmittels der Eurozone, ausgegeben direkt von der Europäischen Zentralbank. Im Unterschied zu einer Banküberweisung oder einem PayPal-Transfer steht dahinter kein privates Institut als Zwischenhändler, sondern die Zentralbank selbst. Das Ziel: eine öffentliche, staatlich garantierte Alternative zu kommerziellen Zahlungsdiensten wie Visa, Mastercard oder Apple Pay, deren Infrastruktur sich außerhalb europäischer Kontrolle befindet.
Der digitale Euro soll sowohl online als auch offline funktionieren. Offlinezahlungen sollen nach den aktuellen Plänen vollständig anonym sein, ähnlich wie Münzen oder Geldscheine. Bei Onlinezahlungen ist eine begrenzte Anonymität bis zu bestimmten Tagesbeträgen vorgesehen. Das Haltelimit für das Euroguthaben einer Person ist noch nicht endgültig festgelegt: Die EZB prüft Szenarien zwischen 500 und 3.000 Euro. Verteilt werden soll der digitale Euro nicht direkt von der EZB, sondern über Banken, Post, E-Geld-Anbieter und zugelassene Kryptowährungsdienstleister. Grundlegende Dienste sollen kostenlos sein.
Warum jetzt und was der Ausschuss eigentlich entschieden hat
Die ECON-Abstimmung vom 23. Juni ist ein legislativer Zwischenschritt. Mit ihr ermächtigt das Ausschussplenum die Parlamentsdelegation, Trilogverhandlungen mit EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission aufzunehmen. Erst wenn diese drei Seiten sich einigen, gibt es ein fertiges Gesetz. Bis dahin kann sich an den Eckdaten noch viel ändern.
Den politischen Handlungsdruck erklärt Euronews mit einem doppelten Motiv: US-Konzerne wie Visa, Mastercard und PayPal haben im europäischen Zahlungsmarkt eine Dominanz erreicht, die als strategische Schwachstelle gilt. Gleichzeitig zeigt Chinas digitaler Yuan, dass Zentralbankwährungen politische Realität werden. Europa will nicht Nachzügler sein. Die EZB arbeitet seit 2021 an den technischen Grundlagen und erklärte im März 2026, die Infrastruktur sei weitgehend fertig. Was fehlte, war der rechtliche Rahmen, den das Parlament jetzt erarbeiten soll.
Was Verbraucher, Banken und Datenschützer befürchten
Wer das heutige Zahlungssystem nutzt, zahlt für Bequemlichkeit mit Daten. Der digitale Euro verspricht Abhilfe, liefert sie aber nur bedingt. Bei Online-Zahlungen erfährt die EZB nicht, wofür jemand Geld ausgibt, wohl aber Zeitpunkt und Höhe einer Transaktion. Ob das ausreicht, ist unter Datenschützern strittig.
Die Datenschutzbehörden Frankreichs (CNIL) und Deutschlands (Bundesbeauftragter für den Datenschutz) haben gewarnt, dass der digitale Euro gesellschaftliche Akzeptanz nur dann finden werde, wenn er technisch die Anonymität von Münzen und Scheinen repliziere. Konkret verlangen sie, dass nicht nur Offlinetransaktionen, sondern auch Online-Zahlungen unterhalb eines Schwellenwerts ohne Identifizierung möglich sind. Kritiker von Netzpolitik.org weisen darauf hin, dass ohne klare gesetzliche Datenschutzgarantien Versprechungen der EZB nicht ausreichten.
Europäische Banken begegnen dem Projekt mit struktureller Skepsis. Ihr Argument: Wenn Verbraucher größere Geldmengen in digitale Euro umschichten, fließen Einlagen ab, die Banken für die Kreditvergabe nutzen. Das Haltelimit soll genau das verhindern. Für kleinere Institute und Sparkassen, deren Geschäftsmodell stark auf Einlagen beruht, bleibt die Unsicherheit aber hoch.
2027 Pilotbetrieb, 2029 mögliche Einführung für alle
Wenn die Trilogverhandlungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu einem Ergebnis führen, könnte ab Mitte 2027 ein Pilotbetrieb mit ausgewählten Marktteilnehmern starten. Eine allgemeine Einführung für Verbraucher gilt frühestens 2029 als realistisch.
Ob dieser Zeitplan hält, ist offen. Der ursprüngliche Kommissionsvorschlag zum digitalen Euro stammt aus dem Jahr 2023. Streitigkeiten über Anonymitätsfragen und Haltelimits haben den Prozess mehrfach verzögert. Die Abstimmung vom 23. Juni ist deshalb ein wichtiges, aber kein abschließendes Signal. Die EZB betont weiterhin, der digitale Euro werde Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ob das die Bürger überzeugt, hängt letztlich davon ab, was in den kommenden Trilogwochen aus dem Datenschutz gemacht wird.
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