Fed unter Warsh: Signal steht auf Erhöhung
Wirtschaft

Fed unter Warsh: Signal steht auf Erhöhung

Kevin Warsh hielt bei seiner ersten Sitzung als Fed-Chef die Zinsen bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die Fed-Inflationsprognose stieg von 2,7 auf 3,6 Prozent, angetrieben durch den Irankrieg. Neun der 18 Mitglieder des Offenmarktausschusses erwarten bis Ende 2026 eine Zinserhöhung.

18. Juni 2026, 0:38 Uhr 810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Donald Trump hatte seit Monaten Zinssenkungen gefordert und Kevin Warsh als seinen Fed-Chef durchgesetzt. Am Mittwoch lieferte Warsh bei seiner ersten FOMC-Sitzung genau das Gegenteil: unveränderte Zinsen, ein Aufwärtssignal der Mehrheit seiner Kollegen und seine Weigerung, einen eigenen Zinspfad zu prognostizieren. Trumps Kommentar auf dem G7-Gipfel in Frankreich: 'Whatever.'

Was die einstimmige Entscheidung verdeckt

Das Votum war eindeutig: 12 zu 0 für einen unveränderten Leitzins. Dahinter liegt ein verändertes wirtschaftliches Umfeld. Die Fed revidierte ihre Prognose für die Inflation bei persönlichen Konsumausgaben (PCE) von 2,7 Prozent im März auf 3,6 Prozent am Jahresende 2026. Hauptursache ist der Irankrieg: Höhere Energiepreise haben die Inflation zurück nach oben gedrückt, weit weg vom Zwei-Prozent-Ziel, das die Fed anstrebt.

Kevin Warsh übernahm den Fed-Vorsitz im Mai von Jerome Powell, den Trump öffentlich für zu langsame Zinssenkungen kritisiert hatte. Warsh, der von 2006 bis 2011 schon einmal dem Fed-Gouverneursrat angehörte, war für seine eher vorsichtige Haltung in Inflationsfragen bekannt. Drei Monate zuvor hatte die durchschnittliche FOMC-Projektion noch eine Zinssenkung im laufenden Jahr vorgesehen. Inzwischen zeigt eine Mehrheit der Mitglieder in die entgegengesetzte Richtung.

Warsh verweigert seinen eigenen Dot

Der sogenannte Dot Plot, in dem die FOMC-Mitglieder anonym ihre jeweiligen Zinserwartungen einzeichnen, ist eines der wichtigsten Kommunikationsinstrumente der Fed. Kevin Warsh machte bei seiner ersten Sitzung klar, wie er dieses Instrument bewertet: Er gab keinen eigenen Dot ab. 'I did not submit a dot for me. It's not helpful in the conduct of policy', sagte er auf der Pressekonferenz.

Die übrigen Mitglieder zeigten klare Richtung: Neun der 18 FOMC-Mitglieder erwarten eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte vor Ende 2026, sechs davon sogar zwei Erhöhungen. Wenn die Projektionen eintreten, könnte der Leitzins Ende 2026 bei 4,0 bis 4,25 Prozent liegen. Gleichzeitig bekräftigte Warsh das Zwei-Prozent-Inflationsziel: 'The commitment to deliver is strong, unanimous, and unambiguous.'

Durch die Weigerung, seinen eigenen Dot abzugeben, schafft Warsh bewusste Ambiguität über seine persönliche Präferenz. Der Markt weiß, was seine Kollegen denken. Er selbst bleibt eine offene Variable.

Kürzeres Statement, fünf Taskforces

Warsh nutzte seinen ersten Auftritt für eine symbolische Neuausrichtung der Fed-Kommunikation. Das Begleitstatement der Sitzung umfasste nur 130 Wörter, verglichen mit 341 Wörtern bei der letzten Powell-Sitzung im April. Die traditionelle Forward Guidance, mit der die Fed bisher andeutete, in welche Richtung die Zinsen tendieren könnten, fehlt. 'A bit shorter, a bit simpler, and it dispenses with some older language', beschrieb Warsh das neue Format.

Zudem kündigte der neue Fed-Chef fünf interne Taskforces an, die grundlegende Aspekte der Notenbankpraxis überprüfen sollen: Kommunikation, Bilanzverwaltung, Datenbasis, Produktivität und Arbeitsmarkt sowie das Inflationsframework. Jede Gruppe kombiniert interne Fed-Mitarbeiter mit externen Experten. Empfehlungen werden bis Ende 2026 erwartet. Für Kapitalmärkte, die seit Jahren an Fed-Formulierungen hängen wie Barometer, entzog Warsh damit einen ihrer wichtigsten Anhaltspunkte.

Trumps 'Whatever' und das strukturelle Dilemma

Trump hatte seit Monaten aggressivere Zinssenkungen gefordert. Auf dem G7-Gipfel in Évian-les-Bains reagierte er auf die Entscheidung mit demonstrativer Gelassenheit: 'It's all right. Whatever.' Auf die Frage, ob er eine Zinserhöhung noch 2026 für möglich halte, antwortete Trump: 'It could happen. It's hard to believe. It just keeps a country down. It's so unusual. But we have a very good guy over there now, so I'm guided by what he wants.'

Kurz zuvor hatte Trump auf NBC betont, es gebe 'no reason' für Zinserhöhungen und Warsh gleichzeitig gelobt. Warsh hatte Trump vor seiner Ernennung signalisiert, keine bedingungslose Zinssenkungspolitik zu betreiben. Die Spannung ist strukturell: Er ist mit Trumps Rückendeckung ins Amt gelangt, muss aber die institutionelle Unabhängigkeit der Fed wahren, um glaubwürdig zu bleiben. Eine PCE-Inflation von 3,6 Prozent lässt wenig Spielraum für politische Zugeständnisse.

Das Ergebnis ist ein Balanceakt. Warsh signalisiert keine blindlings Trump-hörige Geldpolitik. Er signalisiert aber auch nicht offen die Konfrontation. Die Weigerung, seinen eigenen Dot abzugeben, ist kein Zufall, sondern Methode.

Bis zur Juli-Sitzung: Energiepreise als Schlüsselvariable

Die nächste FOMC-Sitzung findet Ende Juli statt. Ob tatsächlich eine Mehrheit für eine Zinserhöhung stimmt oder ob ein weiterer Halt überwiegt, hängt maßgeblich an einer Variable: dem Ölpreis.

Brent Crude lag am Mittwoch bei rund 83 Dollar je Barrel, nachdem es während des Irankriegs auf 109 Dollar gestiegen war. Der Rückgang nach dem Hormus-Abkommen hat die kurzfristigen Inflationserwartungen gedämpft. Hält der niedrige Preis bis Juli, könnte das den PCE-Inflationsdruck abschwächen und Argumente für eine Erhöhung schwächen. Eine erneute Eskalation im Persischen Golf hätte das Gegenteil zur Folge.

Die PCE-Inflation liegt derzeit knapp doppelt so hoch wie das Zwei-Prozent-Ziel. Neun FOMC-Mitglieder sehen diesen Abstand als Handlungsbedarf. Warsh hat sein eigenes Urteil bewusst offengelassen.

Quellen (14)

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