FIFA-Krise: Norwegen fordert Infantinos Rücktritt
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FIFA-Krise: Norwegen fordert Infantinos Rücktritt

Norwegen fordert als erster nationaler Verband FIFAs Präsident Gianni Infantino zum sofortigen Rücktritt auf. Der Telegraph veröffentlichte Vorwürfe aus Infantinos UEFA-Zeit, die FIFA schoss mit einem Desinformations-Vorwurf zurück und England, Schweden, Wales und Serbien zogen ihre Unterstützungsschreiben zurück.

Quellen (8)
  1. t-online: Norwegen fordert Infantino-Rücktrittt-online.de
  2. Sportbible: FIFA-Statement August 2026sportbible.com
  3. ZDF: FIFA setzt auf Attackezdfheute.de
  4. Deutschlandfunk: FIFA stärkt Infantino den Rückendeutschlandfunk.de
  5. Frankfurter Rundschau: FIFA verteidigt Infantinofr.de
  6. FAZ: FIFA gegen neue Vorwürfefaz.net
  7. laola1: Norwegen fordert Rücktrittlaola1.at
  8. web.de: FIFA Gegenangriffweb.de
10. August 2026, 3:40 Uhr783 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Lise Klaveness stellte sich am 7. August vor die Kameras und formulierte das Verdikt des norwegischen Fußballverbandes: „Das Vertrauen ist nun endgültig weg. Für Infantino gibt es kein Zurück mehr.“ Damit wurde Norwegen der erste nationale Verband, der FIFA-Präsident Gianni Infantino ausdrücklich zum Rücktritt auffordert. England, Schweden, Wales und Serbien zogen kurz darauf ihre offiziellen Unterstützungsschreiben zurück. Die größte Krise in Infantinos zehn Jahren an der FIFA-Spitze hat sich innerhalb weniger Tage dramatisch zugespitzt.

Telegraph-Bericht und FIFAs Gegenangriff

Am 7. August veröffentlichte die britische Zeitung The Telegraph Vorwürfe aus Infantinos Zeit als Generalsekretär des europäischen Fußballverbandes UEFA. Laut dem Bericht erhielt eine ehemalige Mitarbeiterin Ende 2011 eine sechsstellige Abfindung sowie Studienfinanzierung. Sie war zuvor rasch in eine besser bezahlte Führungsposition aufgestiegen. The Telegraph legt einen persönlichen Einfluss Infantinos nahe, der die Karriereschritte begünstigt habe. FIFA und Infantino bestritten alle Vorwürfe als „kategorisch unwahr“.

Einen Tag später, am 8. August, schlug die FIFA zurück. Per Mitteilung auf X erklärte der Verband, es werde „immer deutlicher“, dass „einige Akteure gezielt und fortlaufend“ versuchten, die FIFA und ihren Präsidenten zu schwächen. „Unbelegte Behauptungen und nachweislich falsche Aussagen“ würden verbreitet; die FIFA werde unzutreffenden Berichten „unmittelbar und energisch“ entgegentreten.

Das Statement verfing sich in seinem eigenen Widerspruch: Es erhöhte die Aufmerksamkeit für genau jene Vorwürfe, die es als haltlos abtun wollte. Kritiker, darunter der norwegische Verband, interpretierten den Angriff auf die Presse als weiteren Beleg für mangelnde Bereitschaft zur Selbstkritik.

Norwegen spricht aus, was Europa denkt

Klaveness, Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes, betonte nach einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag, das Vertrauen sei schon länger im Schwinden, aber die jüngsten Ereignisse hätten „außerordentliche Maßnahmen“ erforderlich gemacht. Norwegen hatte von Anfang an kein Unterstützungsschreiben für Infantino ausgestellt.

Die nationalen Verbände von England, Schweden, Wales und Serbien gingen einen Schritt weiter: Sie zogen öffentlich bereits ausgestellte Unterstützungsschreiben zurück. Das ist in der FIFA-Governance eine seltene, institutionell gewichtige Geste. Sie signalisiert nicht nur Misstrauen, sondern auch Bereitschaft, dieses Misstrauen offiziell zu hinterlegen.

Hintergrund dieser Eskalation ist das gescheiterte Investorenprojekt FIFA Forward Enterprise (FFE). Infantino hatte geplant, kommerzielle Rechte an FIFA-Turnieren für externe Privatinvestoren zu öffnen. Das 20-Milliarden-Dollar-Vorhaben scheiterte an der geschlossenen Ablehnung durch UEFA, den asiatischen Verband AFC und die nordamerikanisch-karibische CONCACAF. Infantino erklärte das Projekt Anfang August offiziell für beendet, doch der Vertrauensschaden blieb.

UEFA erklärt den Boykott

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin hatte Infantinos Investorenplan als „Abkommen im Verborgenen, durchgeführt von gesichtslosen Unbekannten“ bezeichnet und ihm vorgeworfen, „eigenmächtig, intransparent und letztlich unverantwortlich“ zu handeln. Jetzt folgte der nächste Schritt: Die UEFA drohte mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben, falls Infantino nicht zurücktritt. UEFA-Vertreter erklärten, man habe „jegliches Vertrauen“ in Infantino verloren.

Ein solcher Boykott hätte erhebliche kommerzielle Konsequenzen. Europa stellt nicht nur die meisten der weltweit stärksten Nationalmannschaften und Vereinsklubs, sondern auch den Großteil der Fernsehrechte und Sponsoringeinnahmen der FIFA. Turniere ohne europäische Verbände verlieren einen wesentlichen Teil ihres Marktwertes.

Infantinos globale Mehrheit hält vorerst

Trotz der europäischen Front hat Infantino eine strukturelle Absicherung: Der afrikanische Dachverband CAF und der südamerikanische CONMEBOL stützen ihn weiterhin. Das FIFA-Wahlrecht ist nicht nach wirtschaftlicher Gewichtung strukturiert: Jeder der 211 Mitgliedsverbände hat eine Stimme, unabhängig von Größe oder Beitragsvolumen. Afrika allein stellt 54 Verbände, Europa 55. Für eine Mehrheit benötigt Infantino rechnerisch 106 Stimmen und diese Mehrheit liegt außerhalb Europas.

Diese Arithmetik erklärt, warum frühere Krisen um Infantino nicht in einem Rücktritt endeten. Er hat in seinen zehn Amtsjahren systematisch Förder- und Entwicklungsprogramme für kleinere Verbände ausgebaut, die eine strukturelle Abhängigkeit von FIFA-Geldern erzeugen. Wer auf FIFA Forward Programme angewiesen ist, stimmt tendenziell für den Präsidenten, der sie verwaltet.

Präsidentenwahl im März 2027

Die nächste ordentliche FIFA-Präsidentenwahl ist für März 2027 angesetzt. Victor Montagliani, Präsident der CONCACAF und langjähriger FIFA-Vizepräsident, sondiert seit Wochen eine Kandidatur. Er wäre das profilierteste Gesicht einer möglichen oppositionellen Kandidatur.

Montagliani müsste Verbände aus Afrika und Asien für sich gewinnen, die bisher Infantino unterstützen. Das ist strukturell schwierig, aber nicht unmöglich: Ein Skandal, der sich über Monate hält und durch juristische Nachforschungen ausgeweitet wird, könnte die Loyalitäten verschieben. Ob Norwegen und die UEFA letztlich in ihrer Drohposition bleiben oder nachgeben, wird in den nächsten Monaten darüber entscheiden, ob Infantino tatsächlich bis zur Wahl bleibt.

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