US-Veteran Gilman nach vier Jahren aus Russland frei
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US-Veteran Gilman nach vier Jahren aus Russland frei

Robert Gilman, ehemaliger US-Marine, ist nach mehr als vier Jahren aus russischer Haft entlassen worden. Er war zuletzt katatonisch und litt an schwerer Lungenentzündung. Trump sagt: Russland forderte keinen Tausch. Ein anderer Amerikaner wartet weiter.

Quellen (8)
  1. Berliner Zeitungberliner-zeitung.de
  2. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  3. ABC Newsabcnews.com
  4. CNNcnn.com
  5. RTÉ Newsrte.ie
  6. Radio Free Europerferl.org
  7. Yahoo News (Fogel)yahoo.com
  8. Fox News (Hubbard)foxnews.com
13. August 2026, 4:04 Uhr700 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Als Robert Gilman am Abend des 11. August am Dulles-Flughafen in Washington ankam, konnte er kaum noch sprechen. Rund 50 Tage vor seiner Freilassung hatten russische Ärzte ihm die Diagnose dissociative stupor gestellt: nicht ansprechbar, nicht in der Lage zu essen, katatonisch. Dazu litt er an einer schweren Lungenentzündung. Der 32-jährige ehemalige US-Marine hatte viereinhalb Jahre in einer russischen Strafkolonie verbracht. US-Präsident Donald Trump verkündete seine Rückkehr auf Truth Social und erklärte, Wladimir Putin habe der Entlassung ohne Forderungen zugestimmt.

Eine Festnahme an einem Bahnhof in Woronesch

Gilman wurde im Januar 2022 in Woronesch festgenommen. Russische Behörden warfen ihm vor, betrunken an einem Bahnhof einen Polizeibeamten getreten zu haben. Sein Vater bestritt diese Darstellung öffentlich in einem Gastbeitrag. Ein russisches Gericht verurteilte Gilman zu dreieinhalb Jahren Haft in einer Strafkolonie. Im weiteren Verlauf der Inhaftierung wurden weitere Anklagen wegen angeblicher Übergriffe auf Gefängnispersonal erhoben; die Gesamtstrafe stieg nach russischen Medienberichten auf rund zehn Jahre an.

Das US-Außenministerium stufte Gilman offiziell als zu Unrecht inhaftiert ein, eine Klassifizierung, die den Staat verpflichtet, aktiv diplomatisch für die Freilassung einzutreten. Diese Einstufung signalisiert, dass Washington die Inhaftierung nicht als reguläre Strafverfolgung, sondern als politisches Instrument Russlands bewertet. Das Außenministerium führt weltweit Dutzende solcher Fälle, verhandelt sie aber nicht öffentlich.

Trump: Kein Tausch, kein Preis

Trump schrieb auf Truth Social, Putin habe der Entlassung auf humanitärer Basis zugestimmt, nachdem er persönlich darum gebeten habe. Russland habe keine Gegenleistung verlangt, kein Austausch habe stattgefunden, erklärte der Präsident. Senator Edward Markey, der Gilmans Fall öffentlich verfolgt hatte, sagte, die Freilassung sei erst nach intensivem Druck und nach konkreten Belegen über Gilmans Gesundheitszustand möglich geworden. Außenminister Marco Rubio begrüßte die Nachricht, verwies aber sofort auf Stephen Hubbard, einen pensionierten Englischlehrer aus Michigan, der 2024 in Russland zu fast sieben Jahren Strafkolonie verurteilt wurde, weil er angeblich als Söldner in einer ukrainischen Territorialverteidigungseinheit gedient hatte. Hubbard bestritt die Vorwürfe.

Zwei Freilassungen ohne formale Gegenleistung

Gilmans Entlassung ist die zweite ihrer Art unter Trump. Sondergesandter Steve Witkoff hatte Anfang 2025 die Freilassung von Marc Fogel ausgehandelt, einem amerikanischen Lehrer, der 2021 am Moskauer Flughafen mit einer kleinen Menge Marihuana festgenommen und zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden war. Auch bei Fogel bestätigte Washington keine formale Gegenleistung.

Das steht im Widerspruch zu fast drei Jahrzehnten Praxis. 2022 kam der Waffenhändler Viktor Bout im direkten Tausch gegen die Basketballspielerin Brittney Griner frei. 2024 erhielten der russische Dissident Wladimir Kara-Mursa und der Journalist Evan Gershkovich im Rahmen eines mehrseitigen Austausches die Freiheit zurück, während westliche Regierungen russische Agenten entließen. Kritikerinnen und Kritiker, die Trumps Beziehung zu Putin skeptisch beäugen, bezweifeln, dass Russland mehrfach hintereinander auf Gegenleistungen verzichtet, ohne etwas zu erhalten. Konkrete Belege für verdeckte Abmachungen liegen nicht vor.

Russland lässt den Katatonischen frei: eine Kalkulation

Der Zeitpunkt der Freilassung ist kaum Zufall. Russland befreite Gilman genau dann, als dessen medizinische Situation öffentlich bekannt wurde und ein möglicher Tod im Gefängnis drohte. Ein amerikanischer Ex-Marine, der katatonisch in einer russischen Strafkolonie stirbt, wäre international schwerer zu rechtfertigen als eine als humanitär gerahmte Freilassung. Russland schloss hier ein Problem, bevor es größer werden konnte.

Senator Markey sagte, er habe das Weiße Haus monatelang mit konkreten medizinischen Unterlagen zu Gilmans Zustand versorgt. Ohne diesen Druck, so Markeys Einschätzung, wäre Gilman wahrscheinlich noch immer in Russland. Ob Trumps persönliches Engagement bei Putin entscheidend war oder ob Russland die Freilassung ohnehin erwogen hatte, lässt sich von außen nicht beurteilen. Beides ist möglicherweise wahr: Trump nutzte die Gelegenheit, Russland schloss ein Problem.

Warum Hubbard wartet

Für Stephen Hubbard und andere in Russland inhaftierte Amerikaner mit Ukrainekriegsbezug zeigt der Gilman-Fall eine strukturelle Grenze. Weder Gilman noch Fogel hatten etwas mit dem Ukrainekrieg zu tun. Hubbard hingegen wurde von Russland explizit als Kombattant klassifiziert, der gegen russische Streitkräfte in der Ukraine gefochten haben soll. Eine humanitäre Rahmung wäre für Moskau innenpolitisch schwierig, weil sie implizit die Legitimität seiner Ukrainekriegserzählung infrage stellen würde.

Rubio kündigte an, die Bemühungen um die verbleibenden inhaftierten Amerikaner würden nicht enden. Was das für Hubbard konkret bedeutet, ist offen. Gilman kommt jetzt in San Antonio in einer Rehabilitationseinrichtung zur Genesung. Er wollte nach der Landung einen guten Cheeseburger, wie Trump auf Truth Social schrieb. Hubbard wartet weiter in Russland auf ein Signal, das sich noch nicht abzeichnet.

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