Weltweit 21 Prozent weniger Verkehrstote
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Weltweit 21 Prozent weniger Verkehrstote

Trotz einer Milliarde mehr Fahrzeuge auf den Straßen ist die weltweite Zahl der Verkehrstoten seit 2011 um 21 Prozent gesunken. Die WHO nennt das einen historischen Fortschritt, warnt aber: In Afrika stiegen die Todesfälle um 17 Prozent und auch Deutschland ging 2025 in die falsche Richtung.

Quellen (9)
  1. WHO: Road deaths fall 21% globally, July 2026who.int
  2. PAHO/WHO: Road deaths fall 21% globallypaho.org
  3. Down to Earth: Regionale WHO-Analysedowntoearth.org.in
  4. Destatis: Verkehrstote Deutschland 2025destatis.de
  5. FERSI: EU-Jahresbericht Straßensicherheit 2026fersi.org
  6. Safe Road: Europäische Lage 2026saferoad.com
  7. ITF OECD: Schweden Länderprofil Straßensicherheititf-oecd.org
  8. UN Pressemitteilung: GA12772 Road Safety Declarationpress.un.org
  9. Colorado DOT: WHO Bericht Zusammenfassungcodot.gov
23. August 2026, 6:20 Uhr561 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Zwischen 2011 und 2025 ist die Zahl der tödlichen Straßenverkehrsunfälle weltweit um 21 Prozent gesunken, gleichzeitig wurden in diesem Zeitraum mehr als eine Milliarde Fahrzeuge weltweit neu zugelassen. Das belegt ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der am 20. Juli 2026 beim Hochrangigen UN-Treffen zur Straßenverkehrssicherheit in New York präsentiert wurde. Trotz des Rückgangs sterben nach WHO-Daten noch immer 1,16 Millionen Menschen jährlich im Straßenverkehr und Verkehrsunfälle bleiben weltweit die häufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 29 Jahren.

Ein Jahrzehnt technischer und rechtlicher Reformen

Der globale Rückgang spiegelt Maßnahmen wider, die in vielen Ländern parallel greifen. Das Anlegen von Sicherheitsgurten, welches das Risiko tödlicher Verletzungen um rund 50 Prozent senkt, strengere Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie verschärfte Gesetze gegen Alkohol am Steuer und verbesserte Fahrzeugsicherheitsstandards. Auf europäischer Ebene ist Alkohol nach Angaben der Europäischen Kommission für rund 25 Prozent aller Straßentoten verantwortlich, was allein auf EU-Ebene rund 6.500 vermeidbaren Todesfällen pro Jahr entspräche, wenn alle Fahrer die geltenden Promillegrenzen einhalten würden.

Wo der Fortschritt wirkt und wo er fehlt

Der Rückgang ist global, aber ungleich verteilt. Die stärkste Reduktion verzeichnet die WHO-Europaregion, wo Straßentodesfälle im Berichtszeitraum um 36 Prozent sanken. Im westpazifischen Raum waren es minus 15 Prozent. Südostasien schaffte nur 2 Prozent Rückgang, die Amerikaregion verzeichnete keine Verbesserung und in Afrika stieg die Zahl der Straßentoten um 17 Prozent.

Auch innerhalb Europas gibt es Ausreißer. Deutschland verzeichnete 2025 laut Statistischem Bundesamt 2.832 Verkehrstote, 62 mehr als im Vorjahr und damit entgegen dem europäischen Trend. Auf EU-Ebene kamen 2025 rund 19.400 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, 3 Prozent weniger als 2024. Damit bewegt sich die EU in die richtige Richtung, liegt aber weit abseits des Kurses zu ihrem 2030-Ziel: Seit 2019 sanken die Todesfälle um rund 15 Prozent, nötig wären kumulativ mindestens 31 Prozent.

Im Vergleich: Schweden und die Lücke zum Rest der Welt

Als Maßstab gilt Schweden, das 1997 als erstes Land weltweit das Konzept Vision Zero gesetzlich verankerte: die Überzeugung, dass kein Straßentod unvermeidlich ist. Die Folge war eine systematische Überarbeitung von Straßeninfrastruktur, Fahrzeugvorschriften und Verkehrsrecht. Für 2025 weist Schweden 208 Straßenverkehrstote aus, weniger als halb so viele wie 1997 zum Zeitpunkt der Gesetzgebung. Gemessen an der Einwohnerzahl entspricht das 20 Todesfällen pro Million Einwohner, einem der niedrigsten Werte in der gesamten OECD.

Zum Vergleich: Die EU lag 2025 bei rund 43 Todesfällen pro Million Einwohner, mehr als doppelt so viel wie Schweden. Länder wie Rumänien und Bulgarien liegen nach EU-Straßensicherheitsberichten deutlich über dem EU-Schnitt. Das zeigt, dass der WHO-Rückgang von 21 Prozent nicht das Ende des Möglichen markiert, sondern bestenfalls den Anfang.

Drei Voraussetzungen für das 50-Prozent-Ziel bis 2030

Die Vereinten Nationen haben beim New Yorker Gipfel eine neue Erklärung zur Straßenverkehrssicherheit verabschiedet, die eine Halbierung der Todesfälle und Schwerverletzten bis 2030 im Vergleich zum Stand von 2021 anstrebt. Damit das gelingt, müssen nach WHO-Einschätzung drei Bedingungen erfüllt sein.

Erstens: Stärkere Verkehrsgesetzgebung in Regionen mit hohen Sterblichkeitsraten, insbesondere in Subsahara-Afrika und Südostasien, wo schlechte Infrastruktur, fehlende Helmpflichten für Motorräder und schwache Vollzugsmechanismen die Sterblichkeit treiben. Zweitens: Globale Mindeststandards für Fahrzeugsicherheit, die verhindern, dass in einkommensschwachen Ländern Fahrzeugmodelle verkauft werden, die in Europa oder Nordamerika nicht mehr zugelassen sind. Drittens: Investitionen in sichere Fußgängerinfrastruktur und Radwege. Die WHO-Daten zeigen, dass Fußgänger und Fahrradfahrende in einkommensschwachen Ländern überproportional von den steigenden Unfallzahlen betroffen sind.

Der Fortschritt der vergangenen 14 Jahre belegt, dass internationale Koordination Menschenleben rettet. Wie viele bis 2030 gerettet werden können, hängt davon ab, ob die Länder mit dem höchsten Nachholbedarf die notwendigen Ressourcen erhalten.

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