
Grönlands Arktis-Deal: Was die USA wirklich bekommen
Quellen (14)
- Statsministeriet – Vertragstext des Abkommens (dänisch, PDF)stm.dk
- Weißes Haus – President Trump Inks Historic Arctic Security Agreementwhitehouse.gov
- The Center Square (via Yahoo News) – Trump's 'no cost' Greenland deal has no price tagyahoo.com
- CBS News – Trump signs Greenland dealcbsnews.com
- ZDF Heute – USA, Dänemark, Grönland: Abkommenzdfheute.de
- SRF – Streit um Grönland beendetsrf.ch
- ArcticToday – Kritik an Trumps „piece of ice“arctictoday.com
- Al Jazeera – 'Not for sale': Greenland premier tells US envoyaljazeera.com
- GEUS – Rare Earth Element exploration potential in Greenlandpub.geus.dk
- Altinget – Überblick über den Blockzuschussaltinget.dk
- KNR – Was Experten im neuen Abkommen beobachtenknr.gl
- ArcticToday – Greenland deal's real test comes after the signingarctictoday.com
- taz – Grönland-Abkommen unterzeichnettaz.de
- ORF – Neue US-Basen und Raketenabwehr: Abkommen unterzeichnetorf.at
Trump drohte monatelang, Grönland zu kaufen oder zu annektieren. Im April nannte er die Insel ein „schlecht verwaltetes Stück Eis“. Jetzt hat er bekommen, was er strategisch wollte: dauerhaften US-Militärzugang zur Arktisinsel, ohne formale Annexion. Am 18. September 2026 verkündeten die USA, Dänemark und Grönland eine Einigung. Am 22. September 2026 wurde das Abkommen am Rande der UN-Generalversammlung in New York unterzeichnet. In Kraft tritt es erst, wenn die parlamentarischen Verfahren in Dänemark und Grönland abgeschlossen sind.
Was das Abkommen Washington gibt
Das Abkommen ändert den Verteidigungsvertrag von 1951. Laut dem vom dänischen Staatsministerium veröffentlichten Vertragstext dürfen die USA die Pituffik Space Base modernisieren und ausbauen sowie neue Verteidigungsgebiete bei Narsarsuaq und Mestersvig einrichten. Weitere Stützpunkte kann jede Partei vorschlagen, beschlossen werden sie im gegenseitigen Einvernehmen. US-Flugzeuge dürfen überall in Grönland überfliegen und landen, US-Schiffe erhalten Zugang zu den Hoheitsgewässern, auch unter Wasser. Die Präambel nennt ausdrücklich die Errichtung eines Raketenabwehrsystems „Golden Dome“ als Zweck.
Staaten außerhalb der NATO dürfen keine eigenen Militäreinrichtungen in Grönland errichten, sofern die drei Parteien nichts anderes vereinbaren. Investoren aus Staaten, die weder NATO-Mitglied, NATO-Partner noch EU-Mitglied sind, dürfen in besonders sensiblen Sektoren wie kritischer Infrastruktur und Rohstoffabbau keine Kontrolle erlangen, es sei denn, alle Parteien stufen das als ungefährlich ein. Die dänischen Behörden müssen sich dabei eng mit den amerikanischen abstimmen.
Was das Abkommen nicht enthält: eine Übertragung der Souveränität an die USA. Der Vertrag bekräftigt die Souveränität des dänischen Königreichs und das Selbstbestimmungsrecht der Grönländer. Er hat aber kein Enddatum und kann nur im gegenseitigen Einvernehmen geändert werden. Wird Grönland unabhängig, müssen Kopenhagen und Nuuk sicherstellen, dass der neue Staat in der NATO bleibt und alle Rechte und Pflichten aus dem Abkommen übernimmt.
US-Außenminister Marco Rubio nannte das Abkommen einen „großen Gewinn“ für die USA, der die amerikanischen Sicherheitsinteressen ohne Kosten für die Steuerzahler sichere. Ein Preisschild gibt es allerdings nicht: Weder Weißes Haus noch Kriegsministerium konnten dem Nachrichtendienst The Center Square sagen, was der Bau der zwei neuen Stützpunkte kostet. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach von einer Vereinbarung, die „gut für die Nato und Europa“ sei. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erklärte, das Abkommen erkenne „Grönlands Interessen und unseren Platz in der internationalen Zusammenarbeit an“.
Warum Washington Grönland nie loslässt
Grönland liegt zwischen Nordatlantik und Arktischem Ozean. Auf der Insel steht bereits die Pituffik Space Base, der nördlichste US-Stützpunkt mit einem Frühwarnsystem gegen Raketen. Die Vertragsparteien begründen den Ausbau in der Präambel mit der zunehmenden militärischen Aktivität von Gegnern in der Arktis und dem wachsenden strategischen Interesse an der Region.
Im Hintergrund steht auch die Rohstofffrage. Der dänische geologische Dienst GEUS zählt Kvanefjeld und Kringlerne in Südgrönland zu den Lagerstätten Seltener Erden von Weltrang. Das Abkommen spart das Thema nicht aus: Rohstoffabbau gehört ausdrücklich zu den sensiblen Sektoren, in denen Investoren von außerhalb der NATO und der EU keine Kontrolle erlangen dürfen.
Grönland zwischen Unabhängigkeit und Abhängigkeit
Das Abkommen spiegelt das Dilemma, in dem Grönland seit Beginn des Streits steckt. Die Insel strebt langfristig Unabhängigkeit von Dänemark an, aber nicht als US-Territorium. Noch im Mai 2026 hatte Nielsen nach dem Treffen mit dem US-Sondergesandten Jeff Landry erklärt, die Grönländer stünden nicht zum Verkauf. An dieser Linie hält das Abkommen formal fest: Es überträgt kein Territorium.
Juristisch liegt zwischen Trumps ursprünglicher Forderung und dem Ergebnis ein großer Abstand. Strategisch ist er kleiner, als er klingt. Die USA erhalten unbefristete Stationierungsrechte, weitgehende Bewegungsfreiheit und ein Mitspracherecht bei sensiblen Investitionen, ohne dass sich an der Souveränität etwas ändert.
Grönland erkauft sich mit dem Abkommen das Ende der Annexionsdrohungen. Der Preis: Rechte ohne Enddatum, die ein unabhängiges Grönland laut Vertragstext übernehmen müsste und die sich nur mit Zustimmung Washingtons ändern lassen. Dabei ist Grönland wirtschaftlich auf den dänischen Blockzuschuss angewiesen, jährlich gut 4,5 Milliarden dänische Kronen (rund 600 Millionen Euro). Das Verhandlungsgewicht gegenüber Washington war begrenzt.
Unterzeichnet, jetzt die Parlamente
Das Abkommen wurde am 22. September 2026 in New York unterzeichnet. Laut Vertragstext tritt es in Kraft, sobald Dänemark den USA den Abschluss der parlamentarischen Verfahren im Königreich mitteilt. Dafür müssen das dänische Folketing und das grönländische Inatsisartut zustimmen. Termine für die Abstimmungen sind noch nicht bekannt. Wie lange das dauern kann, zeigt ein Präzedenzfall: Das Verteidigungsabkommen zwischen den USA und Dänemark von 2023 brauchte zwei Jahre durch das Folketing.
Aktualisierungen
Update 26. September, 01:04 Uhr: Das Sicherheitsabkommen wurde am 22. September 2026 am Rande der UN-Generalversammlung in New York von US-Präsident Donald Trump, der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen unterzeichnet. Konkrete neue Details der Vereinbarung: Die USA dürfen Militärbasen in Narsarsuaq und Mestersvig errichten sowie die bestehende Pituffik Space Base ausbauen und modernisieren. Das Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ kann auf der Insel stationiert werden. Neu ist außerdem eine NATO-Klausel: Sollte Grönland in Zukunft unabhängig werden, muss es NATO-Mitglied bleiben oder einen entsprechenden Beitrittsantrag stellen. Das Abkommen muss noch von den Parlamenten in Kopenhagen und Nuuk ratifiziert werden.
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