Pentagon schreibt Testosterontests für Soldaten vor
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Pentagon schreibt Testosterontests für Soldaten vor

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schreibt jährliche Testosteron-Screenings für alle Soldaten ab 30 Jahren vor. Die Behandlung bleibt freiwillig, doch Mediziner warnen vor Massendiagnosen ohne Krankheitswert und Politikerinnen ziehen die Parallele zu verbotener Hormontherapie für Transgender-Personen.

16. Juli 2026, 4:41 Uhr 758 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wer als US-Soldat das dreißigste Lebensjahr vollendet, muss künftig einmal im Jahr seinen Testosteronspiegel testen lassen. Verteidigungsminister Pete Hegseth hat am Mittwoch per Direktive angeordnet, dass aktive Soldaten ab diesem Alter im Rahmen ihrer regulären Gesundheitsuntersuchungen auf Testosteronmangel geprüft werden. Die Behandlung bleibt offiziell freiwillig. Politisch und medizinisch ist der Befehl hochumstritten.

Was der Befehl konkret regelt

Das Screening gilt für aktive Soldaten ab 30 Jahren als Pflicht und wird in bestehende jährliche Gesundheitsuntersuchungen integriert. Soldaten unter 30 können sich freiwillig testen lassen. Wenn ein Truppenarzt nach dem Test eine Testosteronersatztherapie (TRT) empfiehlt, soll diese dem Soldaten zugänglich sein, bleibt aber laut Hegseth optional.

Das Pentagon nannte das Programm «Forged by the T». Hegseth begründete die Maßnahme in einem Video auf Social Media: «Das moderne Schlachtfeld ist brutal und unerbittlich. Es erfordert maximale psychologische und mentale Bereitschaft. Indem wir diese Gesundheitsmarker frühzeitig ansprechen, halten wir euch an der Spitze der Schlagkraft.»

Offengelassen hat das Pentagon entscheidende Details: Kein Startdatum, keine Kostenabschätzung und keine Klärung, ob ein Testergebnis unter dem Zielwert Auswirkungen auf Karriere oder Stationierung haben kann. US-Streitkräfte beschäftigen rund 1,3 Millionen Aktive in Army, Navy, Air Force, Marine Corps und Space Force.

Testosteron als Trump-Agenda

Hegseths Befehl steht nicht für sich allein. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und andere Kabinettsmitglieder der Trump-Regierung betreiben seit Monaten eine Lockerung der Verschreibungsbeschränkungen für Testosteronpräparate. Die FDA prüft, ob Gele, Tabletten, Pflaster und Injektionen leichter verschreibbar werden sollen.

Hintergrund ist die «Make America Healthy Again»-Bewegung (MAHA), die Testosteron als Mittel gegen Erschöpfung, Muskelabbau und mentale Schwäche propagiert. Im Militär ist die Debatte nicht neu: Als 2022 ein Navy-SEAL-Rekrut während des Trainings starb, brachte die Untersuchung ans Licht, wie verbreitet Testosteron und ähnliche leistungssteigernde Substanzen unter Spezialeinheiten waren. Das neue Screening gibt dem Pentagon nun ein institutionelles Vehikel, TRT in die Breite zu bringen.

Duckworths Ironie und die Parallele zu Transgender-Verboten

Die schärfste politische Reaktion kam von Senator Tammy Duckworth, Irak-Veteranin und Mitglied des Streitkräfteausschusses, die im Irak beide Beine durch einen Raketentreffer verlor: «Das klingt für mich wie geschlechtsanpassende Fürsorge.» Der Satz zielt präzise auf einen Widerspruch. Die Trump-Regierung hat staatlich finanzierte Hormontherapien für Transgender-Personen im Militär verboten und als ideologisch motivierte Verzerrung des Körpers bezeichnet. Testosterongaben an cis-Männer sind ebenfalls eine Hormontherapie, wenn auch in umgekehrter Richtung.

Abgeordnete Chrissy Houlahan ergänzte, die Ankündigung beweise, dass Hegseth «Anweisungen aus den entlegensten Ecken der Manosphere» befolge. Im Kongress ist bislang keine Abstimmung über das Programm geplant, da es formal eine exekutive Direktive ist. Die Oversight-Funktion liegt beim Streitkräfteausschuss des Senats, dem Duckworth angehört.

Was Mediziner warnen

Die American Urological Association empfiehlt ausdrücklich kein Routine-Screening auf Hypogonadismus in der allgemeinen männlichen Bevölkerung. Helen Bernie, Urologin und Direktorin der Abteilung für Sexualmedizin und Reproduktionsmedizin an der Indiana University, erklärte zu Hegseths Ankündigung: Ein einzelnes niedriges Testergebnis solle nicht direkt zu Diagnose oder Behandlung führen. Testosteronwerte müssten zweimal frühmorgens gemessen und im Kontext von Symptomen sowie möglichen Grunderkrankungen bewertet werden.

Dr. Haleem Mohammad, Internist und Experte für Hormonmedizin, warnte im Fachmedium Inc., der Rückgang des Testosteronspiegels nach dem 30. Lebensjahr sei ein Trend auf Bevölkerungsebene, kein Beweis für eine individuelle Hormonstörung. Bei einem 30-Jährigen sei ein niedriger Testosteronwert wahrscheinlicher auf Übergewicht, Schlafstörungen, Medikamente oder chronische Krankheiten zurückzuführen als auf ein primäres Hormonproblem. Die zentrale medizinische Unterscheidung: Testosteronmangel ist ein klinischer Befund, niedriges Testosteron allein ist ein Laborwert.

Ein Massenscreening ohne individuelle Symptomabklärung produziert viele falsch-positive Befunde: Tausende Soldaten könnten einen Laborwert erhalten, der formal als behandlungsbedürftig gilt, obwohl sie keine klinischen Beschwerden haben. Ob und wie das ihre Karriereplanung beeinflusst, hat das Pentagon nicht geklärt.

Herbstanhörungen im Kongress als erster Prüfstein

Die drei offenen Fragen, die das Pentagon beantworten muss: Wann genau startet das Screening in allen fünf Teilstreitkräften? Wie hoch sind die Kosten für Tests und mögliche TRT-Versorgung auf breiter Basis? Und wie werden Testergebnisse dokumentiert, wer hat Zugang dazu und haben sie Karriereauswirkungen?

Senator Duckworth hat bereits angekündigt, diese Details in den Anhörungen des Streitkräfteausschusses im Herbst 2026 zu hinterfragen. Bis dahin ist «Forged by the T» ein Programm, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet. Und ein Spiegel für die Widersprüche einer Regierung, die Hormongabe gleichzeitig verbietet und vorschreibt, je nachdem, wessen Körper betroffen ist.

Quellen (10)

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