
Wien über 41 Grad: Europa schwitzt im Rekordmonat
Quellen (13)
- Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
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- Frankfurter Rundschaufr.de
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- onvistaonvista.de
- t-onlinet-online.de
- t-onlinet-online.de
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- 5min.at5min.at
- Salzburg24salzburg24.at
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- tauernwetter.attauernwetter.at
In Wien-Stammersdorf zeigte das Thermometer am Dienstagnachmittag um 14:45 Uhr erstmals 40,8 Grad Celsius: Österreichs Allzeitrekord, der seit 2013 in Bad Deutsch-Altenburg mit 40,5 Grad gestanden hatte, war gebrochen. Am Abend überschritt die Temperatur im Osten des Landes zum ersten Mal in der österreichischen Messgeschichte die 41-Grad-Marke. Noch ungewöhnlicher ist der Kontext: Im Sommer 2026 wurden in Österreich in allen drei Monaten Juni, Juli und August Temperaturen über 40 Grad gemessen, was in der Aufzeichnungsgeschichte des Landes nie zuvor vorkam.
Der Sommer der gebrochenen Schwellen
Vier der fünf heißesten jemals gemessenen Tage in der österreichischen Klimageschichte fallen in den Sommer 2026. GeoSphere Austria, die österreichische Wetter- und Klimabehörde, hatte für Dienstag und Mittwoch für Wien, das nördliche Burgenland und den Nordosten Niederösterreichs die höchste Hitzewarnungsstufe Rot ausgegeben. Die aktuelle Hitzewelle, die dritte intensive dieses Sommers, ist die bisher heftigste.
In Deutschland zieht die Hitze über die großen Flusssysteme ins Bewusstsein. Am Messpunkt Kaub im Rheingau, der engsten und für die Binnenschifffahrt kritischsten Passage des Rheins, fiel der Pegel am Dienstag auf 24 Zentimeter. Das ist ein neuer Rekordtiefstand: Der bisherige Tages-Tiefstwert lag bei 25 Zentimetern, gemessen am 22. Oktober 2018. Selbst diese Marke wurde nun unterboten. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt prognostiziert für Samstag einen weiteren Rückgang auf möglicherweise 17 Zentimeter.
Was das für den Rhein als Wirtschaftsachse bedeutet, lässt sich schlicht ausrechnen: Frachtschiffe können bei diesen Pegelständen nur noch auf etwa ein Fünftel ihrer normalen Kapazität beladen werden. Viele Transporte, die aus rein nautischen Gründen noch möglich wären, rechnen sich wirtschaftlich nicht mehr. Die Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt eG hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, die Lage sei die schlimmste seit 45 Berufsjahren des Vorsitzenden. Für die Versorgung mit Kohle, Chemikalien und Rohstoffen für die Rhein-Ruhr-Industrie ist das eine ernste Einschränkung.
Italien: Rotes Alarm für alle 27 Großstädte
Auf der Apenninenhalbinsel tritt die Hitzewelle in eine neue Phase: Das italienische Gesundheitsministerium hat für Donnerstag die höchste Warnstufe Rot für alle 27 Großstädte des Landes ausgerufen. Das ist in dieser Breite beispiellos. Der Rote Alarm signalisiert ein ernstes Gesundheitsrisiko für die gesamte Bevölkerung, ausdrücklich auch für junge und gesunde Menschen, nicht nur für vulnerable Gruppen wie Ältere oder Kranke.
Besonders betroffen sind die Poebene und der Süden. Meteorologen erwarten für Donnerstag und Freitag Höchstwerte von bis zu 42 Grad in Teilen Sardiniens und Siziliens. Das Rote Kreuz in der Lombardei hat Kühlstationen geöffnet, Städte wie Mailand und Bologna haben Nothilfepläne aktiviert. In Rom gilt seit Montag ein Verbot für Outdoor-Arbeiten in den Mittagsstunden.
Kraftwerke unter Druck, Schifffahrt im Stresstest
Die Niedrigwasser-Lage betrifft auch die Energieversorgung. In Österreich und der Donauregion mussten mehrere Laufwasserkraftwerke ihre Produktion drosseln, da der Wasserdurchfluss zu gering für den Volllastbetrieb ist. Das ungarische Kernkraftwerk Paks hatte bereits Anfang August wegen des Donau-Niedrigwassers die Produktion einschränken müssen, weil die Kühlwasserversorgung nicht mehr im erforderlichen Umfang gewährleistet war. In Frankreich standen im Juli einzelne Gaskraftwerke still, weil die Flusstemperaturen für die Ableitung von Kühlwasser zu hoch waren.
Für die Binnenschifffahrt auf dem Rhein ist die Situation strukturell anders als in früheren Dürresommern. Bereits in der dritten Julihälfte hatte ThyssenKrupp Steel mitgeteilt, wegen eingeschränkter Rohstoffversorgung über die Wasserstraße einen Hochofenbetrieb zu drosseln und eigene Barkentransporte eingestellt zu haben. Ein Pegel von 17 Zentimetern bei Kaub würde bedeuten, dass der Engpass auch für flachgehende Spezialschiffe zur realen Bedrohung wird.
Bis Samstag entscheidet sich die Tiefe des Rekords
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hat ausdrücklich auf die Ungewöhnlichkeit des frühen Zeitpunkts hingewiesen: Niedrigwasserphasen auf dem Rhein sind eigentlich ein Phänomen des Spätsommers und des Herbstes. Dass die kritischsten Werte schon Anfang August erreicht werden, hat mit dem extrem heißen und regenarmen Juli zu tun. Die Hitzewelle selbst dürfte nach meteorologischen Prognosen zum Wochenende hin nachlassen, wenn ein atlantisches Tief Feuchtigkeit nach Mitteleuropa bringt. Ob der Pegel bei Kaub damit schnell steigt, hängt von den Niederschlägen in den Alpen und im Schwarzwald ab, den wichtigsten Einzugsgebieten des Rheins. Vorerst gilt: Was bis Samstag fällt, fällt auf historisches Terrain.
Für die österreichischen Klimastatistiken ist der Dienstag bereits jetzt ein Datum: Die vier heißesten Tage der Messgeschichte in einem einzigen Sommer, erstmals über 41 Grad und der erste Sommer, in dem alle drei Sommermonate die 40-Grad-Marke übertrafen. Ob das noch Ausnahme oder schon Norm ist, werden die kommenden Jahre zeigen. Das Ergebnis dieser Hitzewelle macht die Frage dränglicher.
Aktualisierungen
Update 5. August, 16:00 Uhr: Am Mittwochnachmittag fiel Österreichs Allzeitrekord erneut: In Bad Deutsch-Altenburg, Niederösterreich, wurden um 15:40 Uhr lokaler Zeit 41,2 Grad Celsius gemessen, womit der Vortagesrekord von 41,0 Grad aus Wien-Stammersdorf um weitere 0,2 Grad übertroffen wurde. Insgesamt brachen 27 Messstationen am 5. August ihre jeweiligen Stationsrekorde. Erstmals in der österreichischen Messgeschichte lagen drei aufeinanderfolgende Tage (3., 4. und 5. August) bei oder über 40 Grad. GeoSphere Austria bezeichnete die dreitägige Hitzewelle als beispiellos. Am Abend des 5. August begann sich der Hochdruckkeil langsam abzuschwächen, für den 6. August wurden in Ostösterreich noch Höchstwerte knapp unter 40 Grad erwartet.
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