Hurrikan Lala: 155 Jahre nach dem letzten Treffer
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Hurrikan Lala: 155 Jahre nach dem letzten Treffer

Hurrikan Lala hat als Kategorie-1-Sturm Hawaiis Big Island getroffen und rund 76.000 Haushalte ohne Strom hinterlassen. Nach Angaben von Meteorologen ist es der erste direkte Hurrikaneinschlag auf der Insel seit mehr als 155 Jahren.

Quellen (10)
  1. Hawaii Tribune-Herald: Lala makes landfallhawaiitribune-herald.com
  2. CBS News: Hurricane Lala Category 1cbsnews.com
  3. CNN: Lala lashes Hawaii's Big Islandcnn.com
  4. KHON2: Hurricane Lala hits Hawaiikhon2.com
  5. Al Jazeera: Storm Lala strengthensaljazeera.com
  6. Hawaii Governor's Office: Emergency Proclamationgovernor.hawaii.gov
  7. Hawaii News Now: Governor urges preparationshawaiinewsnow.com
  8. ABC News: Hurricane Lala closes in on Hawaiiabcnews.com
  9. US News: Big Island lashed by rain and windusnews.com
  10. Hawaii Tribune-Herald: Lala forecast trackhawaiitribune-herald.com
16. August 2026, 7:03 Uhr810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

155 Jahre lang war Hawaiis Big Island von einem direkten Hurrikaneinschlag verschont geblieben. Am Samstag endete das: Hurrikan Lala fegte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern über die Insel, riss 76.000 Haushalte vom Netz und löste einen staatlichen Notstand aus. Gouverneur Josh Green mobilisierte 180 Mitglieder der Hawaii National Guard; in den Bergen drohten lebensbedrohliche Sturzfluten.

Phase 1: Vom Tropensturm zum Hurrikan

Noch am Freitag, dem 14. August, galt Lala als Tropensturm, der die hawaiianischen Inseln streifen könnte, aber möglicherweise an Kraft verlieren würde. Das Nationale Hurrikanzentrum der USA (NHC) korrigierte seine Prognosen mehrfach nach oben, als Lala über ungewöhnlich warmes Pazifikwasser nördlich der Inseln zog. Am Samstagmorgen verstärkte sich der Sturm unmittelbar vor der Küste der Big Island zum Hurrikan, mit maximalen anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 75 mph, umgerechnet rund 120 km/h, was die Untergrenze der Kategorie-1-Skala markiert.

Gouverneur Josh Green unterzeichnete bereits am Freitag eine Notstandsproklamation. „Das ist ein sehr ernsthafter Sturm“, sagte Green nach Angaben von Hawaii News Now. „Bitte nehmen Sie die Warnungen ernst.“ 180 Mitglieder der Hawaii National Guard wurden in Position gebracht. Für die Küstengebiete der Big Island und Maui galten Flutwarnstufen der höchsten Kategorie.

Phase 2: Landfall und erste Schäden

Bis zum Samstagmorgen hatte Lala ungewöhnliche Regenmengen gebracht. Im windward, also dem windexponierten Osten der Big Island, fielen bis zum Landfall rund 33 Zentimeter Regen; in den höheren Berglagen des Mauna Loa und Mauna Kea wurden bis zu 63 Zentimeter erwartet. Der windward-Bereich der Insel registrierte zeitweise Niederschlagsraten von knapp vier Zentimetern pro Stunde, ein Niveau, bei dem Straßen innerhalb von Minuten überfluten.

Nach Angaben des Energie-Tracking-Portals PowerOutage.us hatten am Samstagmorgen rund 76.000 Haushalte in Hawaii keinen Strom, rund 15 Prozent aller Einwohner des Bundesstaates. Die Hawaii Emergency Management Agency meldete umgestürzte Bäume und gerissene Stromleitungen auf der ganzen Big Island. Mehrere Küstenstraßen waren für den Verkehr gesperrt. Die staatliche Stromversorgungsgesellschaft Hawaiian Electric schätzte, dass die Wiederherstellung der Versorgung für alle betroffenen Haushalte nach dem Sturmdurchzug mehrere Tage in Anspruch nehmen dürfte. Über Todesopfer oder Schwerstverletzte lagen bis Redaktionsschluss keine bestätigten Berichte vor.

155 Jahre: Warum Hawaii selten direkt getroffen wird

Dass Hurrikanlandfälle auf Hawaii so selten sind, hat meteorologische Gründe. Der sogenannte Pacific High, ein stabiles Hochdrucksystem nördlich des Archipels, lenkt tropische Stürme in der Regel um die Inseln herum oder lässt sie vor den Küsten abschwächen. Auch die Wassertemperaturen nördlich und westlich von Hawaii sind für Wirbelstürme oft zu niedrig. Der letzte nachgewiesene direkte Hurrikaneinschlag auf die Big Island liegt nach Aufzeichnungen der US-Wetterbehörde NOAA mehr als 155 Jahre zurück.

In einem sich erwärmenden Pazifik verändern sich diese Parameter. Das Meerwasser vor Hawaii ist in den vergangenen Jahrzehnten im Schnitt um rund 0,6 Grad Celsius wärmer geworden. Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der University of Hawaii warnen seit Jahren, dass die Schutzwirkung des Pacific High nachlassen könnte, wenn Wassertemperaturen weiter steigen und tropische Sturmbahnen sich verschieben. Lala allein ist kein Beweis für diesen Trend. Aber er ist ein Anschauungsbeispiel für das, was in einem wärmeren Pazifik möglich wird.

Für Hawaiis Bevölkerung hat das konkrete Konsequenzen: Notfallpläne, Evakuierungsrouten und Infrastruktur wurden jahrzehntelang nicht für direkte Hurrikaneinsätze ausgelegt. Die Erfahrungen mit Lala dürften die Debatte über Katastrophenvorsorge auf dem Archipel neu befeuern.

Wirtschaft unter Druck: Kaffee, Macadamia und Tourismus

Die Big Island gehört zu den landwirtschaftlich bedeutendsten Inseln Hawaiis. Die Kona-Region im Westen ist weltweit für ihren Kaffee bekannt; Macadamia-Nüsse und Tropenfrüchte sind weitere wichtige Exportgüter. Für die laufende Erntesaison sind Qualitätseinbußen und Ertragsausfälle wahrscheinlich, deren Ausmaß sich erst nach dem Sturmdurchzug abschätzen lässt.

Die Tourismusbranche, die sich von den Nachwehen des verheerenden Maui-Brandes vom August 2023 noch nicht vollständig erholt hat, sieht sich erneut mit einer schweren Extremwetterlage konfrontiert. Stornierungen und Buchungsrückgänge werden in den nächsten Tagen ein deutlicheres Bild der wirtschaftlichen Folgen zeichnen. Die Tourismusbehörde Hawaiis riet bestehenden Besuchern, ihren Aufenthalt auf der Big Island zu verschieben oder die Anweisungen der lokalen Behörden strikt zu befolgen.

Bis Montag: Was nach Lala kommt

Das Nationale Hurrikanzentrum prognostizierte, dass Lala im Verlauf des Sonntags an Stärke verlieren würde, sobald er über kühleres Wasser nördlich der Inseln zieht. Für Montag war eine Stabilisierung der Lage erwartet. Die größte Gefahr bleibt das Wasser. Sturzfluten in Bergregionen entstehen auf Hawaii oft erst Stunden nach dem Sturmdurchzug, wenn aufgestaute Regenmassen die Hänge hinabschießen. Gouverneur Green bat die Bevölkerung, auch nach Abzug des Hauptsturms in Sicherheit zu bleiben.

Wie groß der Sachschaden letztlich ausfällt, war am Samstagmorgen noch nicht abzuschätzen. Der ungewöhnliche Landfall eines Hurrikans auf der Big Island nach 155-jähriger Pause wird nicht nur in den Wetterarchiven einen Eintrag hinterlassen, sondern auch die Katastrophenvorsorge des Bundesstaates dauerhaft verändern.

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