
IAEA findet in Syrien Tonnen undeklariertes Uran
Quellen (8)
- RTE: Tonnes of nuclear material found at Syria site, IAEA saysrte.ie
- Al Jazeera: Syria opens Assad-era nuclear programme to UN probealjazeera.com
- The National: IAEA and Syria hail progress on Assad's nuclear secretsthenationalnews.com
- HNGN: Syria keeps nuclear material under IAEA safeguardshngn.com
- Deutschlandfunk: IAEA entdeckt Nuklearmaterial in Syriendeutschlandfunk.de
- Spiegel Ausland: IAEA entdeckt Nuklearmaterial aus Assad-Äraspiegel.de
- FDD: Syria agrees to turn over Assad-era nuclear materialfdd.org
- The National: IAEA to visit Syria over nuclear material left by Assadthenationalnews.com
Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, wählte vorsichtige Worte für einen außergewöhnlichen Befund. "Wir sprechen von einigen Tonnen Nuklearmaterial, das zu schlechten Zwecken genutzt werden könnte", sagte er nach seinem Besuch in Damaskus am 18. August. Das Material liege aber sicher und werde unter internationale Kontrolle gebracht. Was Grossi nicht sagte: Syrien besaß dieses Material seit Jahrzehnten undeklariert. Erst der Sturz Assads machte es möglich, dass die Welt davon erfährt.
2007: Der unsichtbare Reaktor
Syriens atomare Ambitionen sind älter als die Bürgerkriegsgeneration. In der Nacht vom 6. September 2007 griffen israelische Kampfjets eine Anlage in der Provinz Deir ez-Zur an, bekannt als Al-Kibar. Die US-Geheimdienste hatten Satellitenbilder ausgewertet, die einem nordkoreanischen Reaktortyp verblüffend ähnelten. 2008 beschuldigten US-Offizielle Syrien offiziell, mit nordkoreanischer Hilfe einen Gasgrafit-Reaktor zu bauen, geeignet zur Plutoniumproduktion für Atomwaffen.
Syrien unter Assad bestritt alles. Die IAEA erhielt keinen vollständigen Zugang zu Al-Kibar und anderen verdächtigen Standorten. Was das Regime tatsächlich angehäuft hatte, blieb im Verborgenen, einschließlich einer weiteren Anlage, die intern als Site 99 bezeichnet wird und Yellowcake enthält, ein Uranpulver, das für den Bau einer schmutzigen Bombe genutzt werden kann.
2024: Das Ende des Regimes und das atomare Erbe
Im Dezember 2024 fiel Assad. In den letzten Stunden des Regimes bombardierte Israel die Eingänge von Site 99, um den Zugang zum Yellowcake zu sperren und damit die Weitergabe an unkontrollierte Akteure zu verhindern. Israel drohte mit weiteren Schlägen, sollte das Material nicht gesichert werden. Der Standort blieb monatelang ein ungelöstes Problem: zu heiß für Plünderung, aber zu undokumentiert für internationale Kontrolle.
Syriens neue Übergangsregierung entschied sich für einen anderen Weg als ihre Vorgänger in Libyen und Irak: Transparenz statt Verleugnung. Am 17. Juli 2026 sandte Außenminister Asaad al-Shaibani einen offiziellen Brief an die IAEA und deklarierte freiwillig das Nuklearmaterial an einem undeklarierten Standort. "Wir haben das aus eigenem Antrieb getan", sagte al-Shaibani. "Als Teil der umfassenden nationalen Bemühungen, die Hinterlassenschaft des alten Regimes transparent aufzuarbeiten."
2026: Was die IAEA-Inspektoren fanden
Grossi besuchte Damaskus am 18. August, besichtigte die Standorte persönlich und bestätigte den Fund: mehrere Tonnen Nuklearmaterial an dem undeklarierten Standort sowie eine separate Anlage in Deir ez-Zur, an der bereits in früheren Untersuchungen Uranpartikel nachgewiesen worden waren. Das genaue Material und die genauen Mengen gab die IAEA nicht bekannt. Bekannt ist der Charakter: Yellowcake ist kein Kernbrennstoff, kein waffenfähiges Uran, aber es ist der erste Schritt in einer Anreicherungskette und bei direkter Verbrennung ein radiologisches Risiko.
Grossi lobte Syriens Entscheidung als "mutig": "Es ist keine leichte Entscheidung, die Hinterlassenschaft eines früheren Regimes offenzulegen." Die IAEA und syrische Experten werden gemeinsam an der sicheren Lagerung arbeiten. Das Material bleibt vorerst in syrischer Obhut, wird aber durch das internationale Safeguards-System der IAEA überwacht. Eine Überführung ins Ausland oder eine Vernichtung vor Ort wurde bislang nicht angekündigt.
Kooperation mit Vorbehalt: Deir ez-Zur bleibt ungeklärt
Der syrische Schritt ist ohne direktes Vorbild: Kein anderes Regime, das in der Vergangenheit ein verdecktes Atomprogramm betrieb, hat dessen Hinterlassenschaft nach einem Machtwechsel freiwillig deklariert. Libyen übergab nach dem Qadhafi-Abkommen 2003 sein Programm unter massivem US-Druck. Syriens neue Führung handelte nach eigenem Bekunden ohne äußeren Zwang.
Das ändert nichts daran, dass offene Fragen bleiben. War Al-Kibar der einzige Reaktorstandort oder gab es weitere? Welche anderen nuklearen Aktivitäten hat das Assad-Regime betrieben? Die IAEA-Untersuchung zu Deir ez-Zur läuft seit 2008 formal noch, weil Syrien nie abschließend Klarheit geschaffen hat. Die neue Kooperation eröffnet erstmals die Chance, genau das nachzuholen, wenn die Übergangsregierung stabil genug bleibt, um die Zusammenarbeit fortzuführen.
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