PISA 2025: Jeder dritte Schüler scheitert am Mindeststandard
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PISA 2025: Jeder dritte Schüler scheitert am Mindeststandard

Die OECD hat am 8. September 2026 die schwächsten PISA-Ergebnisse für Deutschland seit Beginn der Studien vor 25 Jahren vorgelegt. Rund ein Drittel der 15-Jährigen verfehlt beim Lesen und Rechnen das Mindestniveau und der Abstand zwischen armen und reichen Schülern wächst, während er im OECD-Schnitt gesunken ist.

Quellen (7)
  1. Deutsches Schulportal: PISA 2025 Ergebnissedeutsches-schulportal.de
  2. Tagesspiegel: Reaktionen PISA-Studietagesspiegel.de
  3. Bildungsserver: PISA 2025 Pressedossierbildungsserver.de
  4. sozial.de: PISA Ergebnisse inakzeptabelsozial.de
  5. ZDF: Reaktionen Pisa-Studiezdfheute.de
  6. Frankfurter Rundschau: PISA-Schockfr.de
  7. Profiling-Institut: PISA 2025 Überblickprofiling-institut.de
16. September 2026, 3:41 Uhr701 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Deutschlands 15-Jährige lesen schlechter als je zuvor gemessen, rechnen schlechter als je zuvor gemessen und kommen in Naturwissenschaften kaum über den OECD-Durchschnitt hinaus. Am 8. September 2026 veröffentlichte die OECD in Paris die Ergebnisse von PISA 2025 und damit die niedrigsten Werte für Deutschland in der 25-jährigen Geschichte der Studie. Überraschend ist das nicht, schockierend dennoch.

Was ist PISA und was wurde gemessen?

Die OECD führt seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre die PISA-Studie durch. Befragt und getestet werden 15-jährige Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Die Studie erfasst in 91 Ländern jeweils mehr als 760.000 Jugendliche. In Deutschland wurden die Ergebnisse vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) präsentiert, gemeinsam mit Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Karin Prien und der Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz.

Die Punktzahlen für Deutschland im Überblick, laut Deutschem Schulportal:

  • Mathematik: 464 Punkte (minus 11 gegenüber 2022, OECD-Schnitt: 463)
  • Lesen: 465 Punkte (minus 15 gegenüber 2022, OECD-Schnitt: 461)
  • Naturwissenschaften: 486 Punkte (minus 6 gegenüber 2022, OECD-Schnitt: 482)

Deutschland liegt damit in allen drei Bereichen nur noch auf OECD-Durchschnitt. Noch in der PISA-Studie 2000 hatte Deutschland mit 490 Punkten in Mathematik unter dem damaligen OECD-Schnitt von 500 Punkten gelegen. Seit 2015 ist der Abstand zur Weltspitze, die von Singapur und ostasiatischen Regionen angeführt wird, gewachsen.

Warum jetzt: Das Jahrzehnt des Rückgangs

Die Ergebnisse von 2025 setzen einen Trend fort, der sich seit 2015 abzeichnet. Seit 2015 brachte jede PISA-Runde für Deutschland schlechtere Werte. Der Bildungsserver dokumentiert: Die Kompetenzwerte 2025 liegen in allen drei Bereichen unter dem Niveau der allerersten PISA-Studie von 2000.

Rund ein Drittel der deutschen 15-Jährigen verfehlt beim Lesen und in Mathematik das sogenannte Kompetenzstufe-2-Niveau, das als Mindeststandard für eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe gilt. In den Naturwissenschaften liegt dieser Anteil bei gut einem Viertel. Ein Jugendlicher, der Kompetenzstufe 2 nicht erreicht, kann einem einfachen Sachtext keine Kernaussage entnehmen oder eine Dreisatzaufgabe lösen.

Ein weiterer Befund: Rund ein Drittel der Schüler berichtet laut PISA 2025, dass digitale Ablenkung den Naturwissenschaftsunterricht störe. Diese digitale Ablenkung korreliert in der Studie mit durchschnittlich acht Punkten schlechterer Leistung in Naturwissenschaften.

Was das konkret bedeutet: Die soziale Schere

Das strukturell bedeutsamste Ergebnis ist nicht der Rückgang als solcher, sondern die wachsende Ungleichheit. In Deutschland liegt der Unterschied zwischen sozial begünstigten und benachteiligten Schülerinnen und Schülern in den Naturwissenschaften bei 125 Punkten. Der OECD-Durchschnitt beträgt 85 Punkte. Deutschland hat damit eine der stärksten sozialen Selektivitäten im Bildungssystem aller Industriestaaten.

Das Problem ist bekannt: Schon nach PISA 2000 war die soziale Herkunft in Deutschland so stark mit schulischen Leistungen korreliert wie kaum in einem anderen Land. 25 Jahre und mehrere Bildungsreformen später hat sich daran wenig geändert.

Positiv fiel auf: Rund 74 Prozent der deutschen Schüler fühlen sich mit ihrer Schule verbunden, etwas weniger als im OECD-Schnitt von 76 Prozent. Das Interesse an Naturwissenschaften ist im Jahrzehntsvergleich leicht gestiegen.

Die politische Reaktion: Eintracht über die Diagnose, Streit über die Therapie

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete die Ergebnisse als "dramatisch" und forderte mehr frühkindliche Förderung, bessere Lehrerausbildung und Altersbeschränkungen für soziale Medien. Das Startchancen-Programm, das Schulen mit hohem Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler stärken soll, nannte sie als laufende Reformmaßnahme.

Die SPD zog andere Schlüsse: Saskia Esken (SPD), Vorsitzende des Bildungs- und Familienausschusses, forderte laut Tagesspiegel höhere Besteuerung von Millionenvermögen und großen Erbschaften zur Bildungsfinanzierung sowie schrittweise Gebührenfreiheit für Kitas. Ohne mehr Mittel seien strukturelle Veränderungen nicht zu finanzieren.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger verlangte verbindlichere nationale Bildungsstandards und regelmäßige Lernstandserhebungen. Das Ifo-Institut warnte vor volkswirtschaftlichen Schäden in Billionenhöhe, sollten die strukturellen Probleme ungelöst bleiben. Die Linke-Co-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek forderte eine grundlegende Überarbeitung des Bildungssystems und benannte die soziale Spaltung als Kernproblem.

Was in der Debatte fehlt

Die öffentliche Diskussion nach PISA-Veröffentlichungen folgt seit 2000 einem bekannten Muster: Empörung, Forderungen, dann schleichende Rückkehr zur Normalität. Der Sozialverband VdK weist darauf hin, dass strukturelle Armutsbekämpfung und frühe Sprachförderung wirksamer sind als einzelne Schulprogramme. Bildungsforscher betonen seit Jahren, dass der frühe Übergang auf unterschiedliche Schulformen in Deutschland die soziale Ungleichheit zementiert.

Die nächste PISA-Studie erscheint 2030

Ob die angekündigten Reformschritte bis dahin Wirkung zeigen, ist ungewiss. Bildungsreformen brauchen in der Regel acht bis zehn Jahre, bis sie in PISA-Ergebnissen messbar werden. Das bedeutet: Die Entscheidungen, die jetzt getroffen oder unterlassen werden, werden frühestens um 2034 sichtbar sein. Bundesbildungsministerin Prien räumte ein, dass schnelle Verbesserungen nicht zu erwarten seien.

Korrektur 17. September, 19:37 Uhr: Zwei Angaben berichtigt. Karin Priens Amtstitel lautet Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Startchancen-Programm wählt Schulen nach dem Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler aus, nicht nach der Lage in sozialen Brennpunkten.

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