Pogačar stürzt: Knochenbrüche, Saison wohl vorbei
Gesellschaft

Pogačar stürzt: Knochenbrüche, Saison wohl vorbei

Tadej Pogačar stürzte auf der 8. Etappe der Vuelta a España 2026 und musste aufgeben. Diagnose: Schlüsselbeinbruch, Halswirbelfraktur, Gehirnerschütterung. Der Slowene führte die Gesamtwertung mit 3:50 Minuten Vorsprung. Seine Saison ist wahrscheinlich beendet.

Quellen (11)
  1. Eurosport (Vuelta-Sturz)eurosport.de
  2. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  3. ZEIT Onlinezeit.de
  4. Tagesspiegeltagesspiegel.de
  5. Die Weltwelt.de
  6. Cycling Weekly (Verletzungsdiagnose)cyclingweekly.com
  7. Velo/Outside (Diagnose)velo.outsideonline.com
  8. Cyclingnews (Mas ohne Trikot)cyclingnews.com
  9. Radsportaktuell (Gesamtwertung)radsportaktuell.de
  10. Euronews (Pogačar gibt auf)euronews.com
  11. n-tvn-tv.de
31. August 2026, 1:11 Uhr795 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Auf dem Siegerpodium der 8. Etappe legte Enric Mas das rote Trikot des Gesamtführenden auf den Tisch. Er zog es nicht an. „Ich denke, das ist eine Geste des Respekts ihm gegenüber“, sagte er. Auf der Flachetappe von Pucol nach Xeraco hatte 33 Kilometer vor dem Ziel ein Schultercheck genügt: Tadej Pogačar, der die Vuelta a España 2026 mit 3:50 Minuten Vorsprung und drei Etappensiegen dominierte, verlor die Kontrolle über den Lenker, schlug auf dem Asphalt auf und wurde per Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Schlüsselbein gebrochen, Fraktur des siebten Halswirbels, Gehirnerschütterung. Es ist das erste Mal in seiner Karriere, dass der Slowene eine Grand Tour nicht zu Ende fahren konnte.

Die 8. Etappe und der Moment des Sturzes

Die Strecke führte am 29. August von Pucol nach Xeraco, 156,8 Kilometer, flaches Terrain. Ausgerechnet eine Flachetappe, auf der Rennfahrer normalerweise keine entscheidenden Kräfte verlieren, wurde für den Gesamtführenden zur Katastrophe. Pogačar geriet Schulter an Schulter mit einem anderen Fahrer, verlor die Kontrolle über den Lenker und stürzte. Er versuchte aufzustehen und aufs Rad zu steigen, schrie aber vor Schmerzen auf. Der Krankenwagen brachte ihn ins Krankenhaus.

Den Etappensieg holte Bryan Coquard (Cofidis) vor Mads Pedersen, der größte Sieg von Coquards Karriere, der im Schatten des Dramas kaum wahrgenommen wurde. Dass ausgerechnet der führende Fahrer des Gesamtrennens auf einer solchen Etappe ausfällt, ist eine Erinnerung an die Unberechenbarkeit des Profiradfahrens: Die meisten schweren Sturze passieren nicht am Berg, sondern auf den Flachetappen, wo Windkanten und enge Feldformationen das Risiko erhöhen.

Diagnose: drei Verletzungen, eine Operation

Teamarzt Dr. Adrian Rotunno bestätigte die Diagnose: eine dislozierte Fraktur der linken Klavikula (Schlüsselbein), eine stabile Fraktur des siebten Halswirbels (C7) sowie eine Gehirnerschütterung. Die Schlüsselbeinoperation wurde zunächst verschoben, bis die Gehirnerschütterung abgeklungen ist. Das ist medizinisches Standardprotokoll: Eine Vollnarkose nach Schädel-Hirn-Trauma erhöht die Komplikationsrisiken erheblich. Die Halswirbelfraktur ist stabil und ohne neurologischen Schaden, ein wichtiger Befund, der das Worst-Case-Szenario ausschließt.

Dennoch: Eine Schlüsselbeinoperation bedeutet mindestens sechs Wochen Pause für jeden Sportler. Die Halswirbelfraktur erfordert darüber hinaus eine sorgfältige Beobachtungsphase. Für Pogačar, 27, beginnt nun eine längere Rekonvaleszenz.

Was Pogačar jetzt verliert

Pogačar ist der dominierende Radsportler seiner Generation. Er gewann 2024 und 2025 die Tour de France sowie den Giro d'Italia 2024. Bei dieser Vuelta zeigte er sich in einer Form, die selbst für seine Standards außergewöhnlich war: drei Etappensiege, ein Vorsprung von 3:50 Minuten nach nur acht Etappen. Kein Gesamtführender hatte nach acht Etappen je einen so großen Vorsprung aufgebaut.

Was nun wegfällt: die UCI Straßen-Weltmeisterschaft in Montreal, die in etwa einem Monat stattfindet. Pogačar hatte dort seinen Weltmeistertitel zum zweiten Mal in Folge verteidigen wollen. Das ist unrealistisch. Die Saison 2026 ist für ihn aller Wahrscheinlichkeit nach beendet. Es ist der erste echte Rückschlag in einer bis dahin nahezu unaufhaltsamen Karriere.

Mas übernimmt das rote Trikot und zieht es nicht an

Das Rote Trikot des Gesamtführenden fiel durch Pogačars Aufgabe an Enric Mas (Movistar), der als Zweiter der Gesamtwertung mit 3:50 Rückstand gelegen hatte. Bei der Siegerehrung nach der 8. Etappe zog Mas das Trikot nicht an. Auf die Frage nach dem Grund antwortete er: „Ich denke, das ist eine Geste des Respekts ihm gegenüber.“ Hinter Mas liegt Felix Gall auf Platz zwei (+1:11) und Primž Roglič auf Platz drei (+1:33).

Die verbleibenden Etappen der Vuelta werden von Bergankünften dominiert. Das Rennen ist damit offen: Ohne Pogačars überragende Dominanz werden die Abstände kleiner sein und Roglič, der die Vuelta dreimal gewonnen hat, gilt als einer der Favoriten für einen späten Angriff.

Wann Pogačar zurückkommt

Der gravierendste Unfall der jüngeren Radsportgeschichte traf Chris Froome im Juni 2019 beim Critérium du Dauphiné: gebrochenes Oberschenkelbein, Rippen, Ellenbogen, Lungenkollaps. Froome überlebte, kehrte aber nie auf sein früheres Niveau zurück. Pogačars Verletzungen sind weniger lebensbedrohlich, kein inneres Trauma, keine größere neurologische Beteiligung.

Medizinische Experten gehen davon aus, dass Pogačar sich vollständig erholen wird. Wann er wieder Rennen fährt, hängt vom Heilungsverlauf der Halswirbelfraktur ab, die bei falscher Belastung zu einer langfristigen Verletzung werden kann. Realistisch ist ein Comeback frühestens Anfang 2027. Der Saisonstart wird zeigen, wie gut die Rehabilitation funktioniert hat.

Kommentare