Ostprovinz Ruanda: 44.000 Hektar Dürregebiet begrünt
Good News

Ostprovinz Ruanda: 44.000 Hektar Dürregebiet begrünt

Das TREPA-Projekt hat 73 Prozent seines Ziels erreicht: 43.800 Hektar degradiertes Dürregebiet in Ruandas Ostprovinz wurden restauriert. 236.000 Kleinbauern haben neue klimaresistente Praktiken übernommen.

28. Juli 2026, 16:40 Uhr 771 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wer Mangoschatten und Avocadoernte will, schneidet den Baum nicht ab. Dieses wirtschaftliche Grundprinzip trägt das TREPA-Projekt durch Ruandas trockene Ostprovinz: Bäume werden direkt in bestehende Farmflächen integriert, nicht auf abgetrennten Parzellen angepflanzt, weil Bauern, die unmittelbar von den Bäumen profitieren, sie auch pflegen. Die unabhängige Halbzeitevaluation vom November 2025 bestätigt, dass der Ansatz funktioniert: 43.800 Hektar restauriert, 73 Prozent des Gesamtziels von 60.000 Hektar.

2021: Grünes Licht aus Genf für die trockenste Provinz Ruandas

Die Ostprovinz ist Ruandas größtes Agrargebiet und gleichzeitig seine verwundbarste Region. Die Regenzeiten werden kürzer und intensiver, Dürren häufiger. Kleinbauern, die ausschließlich vom Regenfeldbau abhängig sind, verlieren ihre Ernte, wenn die Niederschläge ausbleiben. Kahle Hügel und ausgelaugte Böden kennzeichnen weite Teile der sieben Bezirke. Flächenbrände, Erosion und Übernutzung haben die Landschaft in Jahrzehnten ausgemergelt.

ruanda

2021 genehmigte der Grüne Klimafonds der Vereinten Nationen (Green Climate Fund, GCF) 33,8 Millionen US-Dollar für TREPA. Die Implementierung übernahm die Weltnaturschutzunion IUCN gemeinsam mit der Rwanda Forestry Authority (RFA), dem internationalen Agrarforschungszentrum CIFOR-ICRAF, der belgischen Entwicklungsagentur Enabel, Cordaid und World Vision. Das Ziel: 60.000 Hektar degradierter Landschaft in den sieben Bezirken Bugesera, Gatsibo, Kayonza, Kirehe, Ngoma, Nyagatare und Rwamagana in klimaresistente Ökosysteme umwandeln und gleichzeitig die Lebensgrundlagen von 75.000 Kleinbauernfamilien stärken.

2022 bis 2023: Die erste große Pflanzwelle

Im Januar 2023 fand in Kigali der formelle technische Projektstart statt, an dem Vertreter der Ostprovinz, der nationalen Umweltbehörden und der internationalen Partner teilnahmen. In der Pflanzsaison 2023 bis 2024 brachte das Projekt mehr als 18.000 Hektar einheimischer Baumarten in die Erde. Das entspricht etwa der Fläche der Städte Frankfurt am Main und Darmstadt zusammengenommen.

TREPA setzt dabei auf vier Maßnahmentypen gleichzeitig: Aufforstung mit einheimischen Baumarten auf degradierten Flächen, Agroforstsysteme auf Farmland (wo Bäume und Nutzpflanzen gemeinsam angebaut werden), Silvopastorale Systeme auf Weideland (Bäume zwischen Weidegras) sowie Erosionsschutzmaßnahmen an gefährdeten Hanglagen. Der Ansatz unterscheidet TREPA von reinen Aufforstungsprogrammen: Bäume werden in bestehende Agrarflächen integriert, nicht auf separaten Flächen angepflanzt. Das erhöht die Überlebensrate, weil Bauern ein wirtschaftliches Interesse an den Bäumen haben.

2024 bis 2025: Die Halbzeitbilanz in Zahlen

Die unabhängige Halbzeitevaluation vom November 2025 belegt die Fortschritte konkret: 43.777 Hektar wurden restauriert, davon 28.801 Hektar Farmland durch Agroforstsysteme, 7.456 Hektar Weideland durch Silvopastoralsysteme und 6.250 Hektar Waldparzellen unter nachhaltigem Management. Insgesamt wurden 17,8 Millionen Setzlinge eingepflanzt sowie 289.339 Obstbäume an 72.334 Haushalte verteilt. Durch die Obstbäume entstehen direkte wirtschaftliche Anreize: Wer seinen Mangoschatten und seine Avocadoernte schätzt, schneidet den Baum nicht ab.

In der Pflanzsaison 2024 bis 2025 unterstützte TREPA die nationale ruandische Pflanzaktion mit über 65 Millionen Setzlingen. Die Zahl der Begünstigten, die klimaresistente Praktiken übernommen haben, lag laut dem Bericht der IUCN bei 236.695 Menschen.

aufforstung

Im Vergleich: Was andere afrikanische Restaurierungsprojekte zeigen

Ruandas Ostprovinz steht nicht allein. Die Initiative AFR100, zu der sich 34 afrikanische Länder verpflichtet haben, zielt darauf ab, bis 2030 insgesamt 100 Millionen Hektar afrikanisches Land zu restaurieren. Ruanda verpflichtete sich als eines der ersten Länder, bis 2030 zwei Millionen Hektar zu restaurieren.

Ein vergleichbares Maßstabsprojekt läuft in Äthiopien, wo das sogenannte Programm Green Legacy jährlich Milliardenmengen an Setzlingen pflanzt. Im Juli 2019 pflanzten Freiwillige nach Regierungsangaben an einem einzigen Tag 350 Millionen Bäume. Forscher des Ethiopian Environment and Forest Research Institute haben jedoch festgestellt, dass die Überlebensrate gepflanzter Setzlinge ohne systematische Nachpflege unter 50 Prozent sinken kann. Zahlen allein sagen wenig aus, wenn die Pflegestrukturen fehlen.

TREPA unterscheidet sich genau darin. Weil Bäume in bestehende Landwirtschaft integriert werden, sind die Bauern selbst die Pfleger. Die Obstbaumverteilung an mehr als 72.000 Haushalte schafft Eigentumsanreize, die reine Aufforstungsprogramme nicht haben. Das Kostenmodell des Grünen Klimafonds zielt außerdem auf Langfristigkeit: Die Finanzierung aus Genf geht nicht an einen Konzern, sondern an ein staatliches Durchführungsorgan mit IUCN als technischem Partner.

73 Prozent in Halbzeit: Die letzten 16.000 Hektar bis 2027

TREPA läuft bis 2027. Bei aktuellem Tempo reichen die verbleibenden zwei Jahre aus, um die fehlenden 16.200 Hektar zu restaurieren. Drei Bedingungen müssen dafür stimmen. Erstens müssen die Regenzeiten ausreichend bleiben, damit Setzlinge anwachsen. Die Ostprovinz hat trotz Dürrerisiken zwei reguläre Pflanzperioden pro Jahr ermöglicht. Zweitens muss die GCF-Finanzierung planmäßig weiterlaufen. Drittens müssen die Kleinbauern, auf deren privatem Land ein Großteil der Agroforstsysteme liegt, die neuen Praktiken nach Projektende weiterführen.

Für andere ostafrikanische Länder hat Ruanda mit TREPA ein Finanzierungsmodell gezeigt, das als Blaupause dienen könnte: Grüner Klimafonds als Erstfinanzierer, internationale Naturschutzorganisationen als technische Partner und staatliche Forstbehörden als Hauptakteur auf dem Boden. Uganda und Tansania diskutieren derzeit laut CIFOR-ICRAF ähnliche Strukturen für ihre degradierten Hochlandregionen. Ob diese Übertragung gelingt, hängt davon ab, ob die dortigen Regierungen ähnlich starke Durchführungskapazitäten aufbauen können wie Ruandas Rwanda Forestry Authority.

Quellen (7)

Kommentare