Solarkanäle in Kalifornien liefern erste ermutigende Messwerte
Good News

Solarkanäle in Kalifornien liefern erste ermutigende Messwerte

Solardächer über Bewässerungskanälen sollen Strom erzeugen und Wasserverluste verringern. Erste Messungen in Kalifornien sind ermutigend, doch wie viel Wasser und Geld das Verfahren im Dauerbetrieb spart, bleibt zu prüfen.

Quellen (8)
  1. University of California: Erste Messungen bei Project Nexus, 30. April 2026universityofcalifornia.edu
  2. Turlock Irrigation District: Project Nexus, Projektstatus und FAQtid.org
  3. PPIC: Interview zu Chancen und Kosten von Solarkanälen, 11. Oktober 2023ppic.org
  4. McKuin et al.: Energy and water co-benefits from covering canals with solar panels, 2021nature.com
  5. Kalifornien: Abschlussfeier und öffentliche Förderung, 29. April 2026gov.ca.gov
  6. US Army Corps of Engineers: Gila River, 22. Dezember 2025spl.usace.army.mil
  7. Fraunhofer ISE: Agrophotovoltaik in Heggelbach, 12. April 2019ise.fraunhofer.de
  8. California Solar Canal Initiative: Forschungsvorschlag bei der Energy Commission, 2025efiling.energy.ca.gov
13. September 2026, 0:45 Uhr767 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Über Bewässerungskanälen in Kalifornien wird inzwischen Solarstrom erzeugt. Erste Untersuchungen von Project Nexus melden unter den Solardächern bis zu 70 Prozent weniger Verdunstung und 85 Prozent weniger Wachstum von Wasserunkraut. Die University of California veröffentlichte diese Angaben am 30. April 2026 ausdrücklich als frühe Messergebnisse. Sie sprechen dafür, dass sich Stromproduktion und ein sparsamerer Umgang mit Wasser auf derselben Fläche verbinden lassen.

Die Prozentwerte brauchen ihren Bezug: Gemeint sind untersuchte Bedingungen an beschatteten Kanalabschnitten, nicht 70 Prozent weniger Wasserverbrauch in der Landwirtschaft. „Bis zu“ bezeichnet zudem einen berichteten Spitzenwert, keinen Jahresdurchschnitt für alle Kanäle. Die Universität kündigt weitere Messungen an. Die bisherige Mitteilung liefert damit einen ermutigenden Zwischenstand, aber noch keine abgeschlossene Bilanz über Wasser, Strom und Wirtschaftlichkeit im langfristigen Betrieb.

solarenergie

Ein vorhandener Kanal bekommt eine zweite Aufgabe

Der Betreiber Turlock Irrigation District, kurz TID, versorgt die Region sowohl mit Bewässerungswasser als auch mit Elektrizität. Nach seiner Projektbeschreibung waren beide Standorte bis August 2025 fertiggestellt und in Betrieb genommen. Die Abschlussfeier im April 2026 war also nicht der erstmalige Betriebsstart. TID nennt insgesamt 1,6 Megawatt installierte Leistung: ein konkretes Pilotprojekt, aus dem noch kein flächendeckendes System geworden ist.

Die Überdachung bietet eine zusätzliche Nutzung für eine bereits bestehende Infrastruktur. Zugleich beschattet sie das Wasser. Weniger Pflanzenwachstum könnte den Aufwand für die Reinigung senken. Michelle Reimers, damals TID-Geschäftsführerin, erklärte dem Public Policy Institute of California 2023, dass Pflanzen unter anderem an Verschlüssen Probleme verursachen. Sie nannte rund eine Million Dollar jährliche Reinigungskosten im gesamten Bezirk. Diese historische Gesamtsumme ist ausdrücklich keine bereits nachgewiesene Einsparung durch Nexus.

Die große Wasserzahl stammt aus einem Modell

Hinter dem Pilot steht eine 2021 veröffentlichte Modellstudie. Das Forschungsteam berechnete mögliche Effekte für rund 6.350 Kilometer kalifornischer Kanäle. Für die vermiedene Verdunstung ergab sich ein jährlicher Modellwert von 39.000 Kubikmetern je Kilometer, mit einer angegebenen Unsicherheit von 12.000 Kubikmetern. Das entspricht rechnerisch ungefähr 39 Millionen Litern, ist aber keine an einem realen Kanal gemessene Jahresersparnis.

Solche Rechnungen helfen, Versuche zu planen. Sie ersetzen die Versuche nicht. Auch die in der Studie berechneten wirtschaftlichen Vorteile hängen von Annahmen ab, etwa von der Bauweise und dem Wert eingesparten Wassers. Die Autoren vergleichen unterschiedliche Konstruktionen mit Anlagen auf freier Fläche. Eine Übertragung ihrer Ergebnisse auf jeden Wasserkanal wäre deshalb zu weitgehend. Gerade der Abstand zwischen theoretischem Potenzial und tatsächlichem Betrieb macht die Messungen bei Nexus relevant.

Wer bezahlt und welche Kosten noch zählen

Kalifornien unterstützt das Pilotvorhaben mit 20 Millionen US-Dollar, wie die Landesregierung zur Abschlussfeier mitteilte. Öffentliche Forschungsförderung kann helfen, neue Verfahren unter realen Bedingungen zu erproben. Die Fördersumme ist für sich genommen aber weder ein marktüblicher Baupreis pro Megawatt noch ein Beleg, dass spätere Anlagen ohne Unterstützung wirtschaftlich wären. Dafür braucht es eine nachvollziehbare Aufteilung von Bau, Forschung, Betrieb und vermiedenen Kosten.

water

Auch die Rollen der Beteiligten gehören zur Einordnung: Das Unternehmen Solar Aquagrid hat nach Angaben des Betreibers die zugrunde liegende Universitätsstudie beauftragt und übernimmt das Programmmanagement. TID stellt Infrastruktur und Netzzugang bereit. Diese Zusammenarbeit macht das Vorhaben möglich, begründet aber auch ein Interesse an einer erfolgreichen Verbreitung. Betreiberberichte sind deshalb wertvoll für Projektdaten, ersetzen jedoch keine unabhängige Bewertung des Geschäftsmodells.

Im Vergleich

Bei der Gila River Indian Community in Arizona wurde im Dezember 2025 ebenfalls die Fertigstellung eines Solarkanals gefeiert. Der US Army Corps of Engineers (USACE) beschreibt für dessen erste Phase etwa 305 Meter (rund 1.000 Fuß) überdachten Kanal. Damit entsteht ein weiterer konkreter Erfahrungsfall. Seine Bauabschlussmeldung belegt jedoch nicht, dass die kalifornischen Prozentwerte dort ebenfalls erreicht werden; Standort, Konstruktion und Betrieb müssen jeweils untersucht werden.

Eine andere Form der Doppelnutzung erprobte die Hofgemeinschaft Heggelbach am Bodensee. Auf 0,3 Hektar Acker installierte das Forschungskonsortium 194 Kilowatt Solarleistung. Für 2018 berichtete Fraunhofer ISE höhere Erträge bei drei von vier Kulturen gegenüber einer unbeschatteten Referenzfläche; Kleegras lag dagegen acht Prozent darunter. Das ist keine Solarkanalstudie. Der Vergleich zeigt vielmehr, warum ein zusätzlicher Nutzen von Schatten von der konkreten Nutzung abhängt und nicht pauschal vorausgesetzt werden sollte.

Mehr Kanäle brauchen passende Standorte und vollständige Rechnungen

Ein bei der kalifornischen Energiekommission eingereichter Forschungsvorschlag zur weiteren Standortauswahl benennt die nächsten praktischen Fragen: Netzanschluss, Zugang zur Infrastruktur, Genehmigungen, Betriebskosten und mögliche Auswirkungen auf Wildtiere. Er ist ein Arbeitsprogramm, kein fertiger Nachweis der Skalierbarkeit. Auch Standorte auszusortieren, an denen die Technik wenig bringt, wird dort als sinnvoller Forschungsbeitrag beschrieben.

Für eine breitere Anwendung müsste jeder Standort deshalb Stromertrag, tatsächlich vermiedene Verdunstung und zusätzlichen Wartungsaufwand zusammen bewerten. Die vorgeschlagenen Kostenmodelle sollen auch den Wert des gesparten Wassers und der vermiedenen Flächeninanspruchnahme berücksichtigen. Erst eine solche Rechnung ermöglicht einen fairen Vergleich mit anderen Solaranlagen. Nexus hat dafür eine wichtige Voraussetzung geschaffen: Die Idee lässt sich inzwischen an gebauten Anlagen überprüfen.

Kommentare