Russlands Basen in Syrien werden Trainingszentren
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Russlands Basen in Syrien werden Trainingszentren

Russland gibt die exklusive Kontrolle über seine einzigen Mittelmeerstützpunkte auf, nennt das Ergebnis aber einen Erfolg. Hmeimim und Tartus werden unter syrischer Mitsprache zu gemeinsamen Trainingszentren, der Übergang soll in drei Monaten abgeschlossen sein.

Quellen (8)
  1. Al Jazeeraaljazeera.com
  2. Gulf Newsgulfnews.com
  3. ORForf.at
  4. Kyiv Independentkyivindependent.com
  5. The Nationalthenationalnews.com
  6. Middle East Monitormiddleeastmonitor.com
  7. CNNcnn.com
  8. Washington Postwashingtonpost.com
10. August 2026, 10:02 Uhr758 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Anderthalb Jahre nach dem Sturz von Bashar al-Assad hat Damaskus eine Einigung mit Moskau über die Zukunft der beiden wichtigsten russischen Militärbasen im Land erzielt. Der Luftwaffenstützpunkt Hmeimim und der Marinestützpunkt Tartus sollen künftig als gemeinsame Ausbildungszentren für Kapazitätsaufbau dienen. Russland gibt damit seine Rolle als Besatzungsmacht auf und behält eine symbolische Präsenz, die das Scheitern verdeckt.

Was sind Tartus und Hmeimim eigentlich?

Tartus an der syrischen Westküste ist der einzige russische Marinehafen außerhalb der ehemaligen Sowjetunion, der direkten Zugang zum Mittelmeer bietet. Er ermöglicht Russland seit den 1970er Jahren Schiffsrotationen und Nachschub für seine Mittelmeerstaffel, ohne auf den Bosporus oder andere fremde Meerengen angewiesen zu sein. Der Luftwaffenstützpunkt Hmeimim bei Latakia wurde nach Russlands Intervention im syrischen Bürgerkrieg ab 2015 zur operativen Basis für Tausende Luftangriffe und war Ausgangspunkt für die Verstärkung von Assads Truppen in den kritischen Jahren 2015 bis 2018.

Beide Stützpunkte sind nicht nur militärische Einrichtungen. Sie sind der materielle Beweis, dass Russland ein Akteur im Nahen Osten und Mittelmeerraum ist. Der Verlust beider Basen wäre nicht nur eine geografische, sondern eine strategische Zäsur für Moskau. Dass die Einigung diese Basen nicht streicht, sondern umwidmet, war für Russland eine Bedingung für jede Kooperation.

Warum die Einigung jetzt kommt

Als Ahmed al-Scharaa im Dezember 2024 mit seinen HTS-Kämpfern Damaskus übernahm und Assad nach Moskau fliehen ließ, war Russlands Lage in Syrien unmittelbar prekär. Die neue syrische Führung hatte jahrelang gegen russisch unterstützte Kräfte gekämpft. Ein formeller Rauswurf war möglich. Dass er ausblieb, lag am pragmatischen Kalkül beider Seiten: Syrien brauchte keine offene Feindschaft mit einer Atommacht, Russland brauchte Zeit für geordneten Rückzug statt Vertreibung.

Im Januar 2026 traf Präsident Wladimir Putin den syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa in Moskau. Das Treffen war die eigentliche Weichenstellung. Putin akzeptierte die Existenz der neuen syrischen Regierung de facto, al-Scharaa akzeptierte Russlands Anwesenheit als temporäre Realität. Die 18 Monate Verhandlungen seitdem galten der konkreten Ausgestaltung: Welche Anlagen werden übergeben? Welche bleiben? Unter welcher Flagge operieren die Truppen?

Was konkret vereinbart wurde

Laut der syrischen Staatsagentur Sana ist eine Absichtserklärung unterzeichnet worden. Die militärischen Anlagen beider Stützpunkte werden in gemeinsame Ausbildungszentren für Kapazitätsaufbau umgewandelt, die nach eigenen Angaben den Interessen beider Länder dienen sollen. Die zivile Infrastruktur geht in syrische Hände: der Flughafen Khmeimim in der Nähe von Latakia und die kommerziellen Kaianlagen des Tartushafens werden an Damaskus übergeben. Der Übergang soll innerhalb von höchstens drei Monaten abgeschlossen sein.

Das ist eine erhebliche Verschiebung. Russland verliert die exklusive Kontrolle über strategisch wichtige Häfen und Flugplätze. Was bleibt, sind gemeinsame Einrichtungen unter syrischer Mitsprache. Die russische Truppenzahl an beiden Standorten war zuletzt auf einige Hundert Soldaten reduziert worden, deutlich unter dem Niveau von 2015 bis 2019. Wie viele nach der Umstrukturierung bleiben und unter welchen Statuten, ist in der Absichtserklärung nicht spezifiziert.

Die ungeklärte Forderung: Assad in Moskau

Damaskus fordert seit dem Sturz die Auslieferung von Bashar al-Assad, der sich mit seiner Frau Asma in Moskau aufhält. Russland hat diese Forderung bislang nicht erfüllt. Die Absichtserklärung zu den Militärbasen löst diesen Konflikt nicht. Diplomatische Kreise berichten, dass Moskau eine Auslieferung ablehnt, um den Eindruck zu vermeiden, ehemalige Verbündete an Gerichte zu übergeben.

Für al-Scharaa bleibt Assad ein innenpolitisches Problem: Solange er in Moskau sitzt, ist die Rechenschaft, die viele Syrer erwarten, unvollständig. Die neue syrische Führung hat den Internationalen Strafgerichtshof um Ermittlungen gebeten, ein Verfahren, das Russlands Mitarbeit voraussetzte. Durch die Einigung über die Basen setzt Damaskus einen Akzent: Pragmatismus in der Sicherheitspolitik, Beharrlichkeit bei der Forderung nach Gerechtigkeit.

Drei Monate bis zur Übergabe

Die vereinbarte Übergangsfrist von drei Monaten bedeutet, dass Hmeimim und Tartus spätestens im November 2026 unter der neuen Vereinbarung betrieben werden müssen. Für die regionale Machtbalance ist die Einigung vielschichtig: Die Türkei, die enge Beziehungen zur neuen syrischen Führung aufgebaut hat, beobachtet, ob Russlands reduzierte Präsenz die Spielräume für türkischen Einfluss in Nordsyrien erweitert. Israel, das seit Assads Sturz Dutzende Angriffe auf syrische Militäranlagen geflogen hat, interessiert sich für das Verbleiben oder Verschwinden russischer Waffensysteme.

Für Syrien selbst ist die Einigung ein Schritt zur tatsächlichen Souveränität über das eigene Territorium, der erste, der formell mit Moskau ausgehandelt wurde. Ob die Absichtserklärung in ein verbindliches Abkommen mündet, hängt vom Verlauf der nächsten drei Monate ab. Die Erfahrungen anderer Verhandlungen mit Russland lehren, dass Absichtserklärungen nicht automatisch zu Vollzug führen.

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