
G20 Asheville: Trump sperrt NYT und Bloomberg aus
Quellen (9)
- CNBCcnbc.com
- The Wrapthewrap.com
- WRALwral.com
- First Amendment Watchfirstamendmentwatch.org
- Committee to Protect Journalistscpj.org
- PBS NewsHourpbs.org
- First Amendment Center MTSUfirstamendment.mtsu.edu
- Asheville Watchdogavlwatchdog.org
- Al Mayadeenenglish.almayadeen.net
Jim Tankersley ist Berliner Bürochef der New York Times und sollte beim G20-Finanzministertreffen in Asheville keine Akkreditierung bekommen. Dann intervenierte das Bundesfinanzministerium in Berlin direkt beim US-Finanzministerium. Plötzlich durfte er doch rein. Für seinen Kollegen Alan Rappeport, der seit 2017 über das US-Finanzministerium berichtet, blieb die Tür zu. CNBC berichtete als erstes über die Verweigerung der Credentials für NYT, Wall Street Journal und Bloomberg. Welche Regierung lobbyierte, entschied wer reinkommt.
Asheville, 31. August: Akkreditierung verweigert, Erklärung ausgeblieben
Das G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs fand am 31. August und 1. September 2026 in Asheville, North Carolina statt. Zu den nicht akkreditierten Journalisten zählt Alan Rappeport von der New York Times, der das Finanzministerium und Treffen dieser Art seit 2017 verfolgt. Bloomberg berichtete, dass mehrere seiner Journalisten keine Credentials erhalten hatten, darunter Reporter aus den USA, Frankreich, Italien, Japan und China. Auch das Asheville Watchdog, die Lokalzeitung der Gastgeberstadt, wurde abgewiesen.
The Wrap und WRAL berichten, dass das Finanzministerium keine Erklärung für die Entscheidungen lieferte. Finanzminister Scott Bessent sagte der Associated Press lediglich, die Entscheidung habe nichts mit dem redaktionellen Standpunkt der betroffenen Medien zu tun. Einen konkreten Grund nannte er nicht.
Die Ausnahme: Wessen Regierung lobbyierte, kam rein
Dass die Entscheidung politisch war, zeigt ein Detail, das wenig Aufmerksamkeit bekam: Jim Tankersley, der Berliner Bürochef der New York Times, wurde zunächst ebenfalls abgewiesen. Er erhielt seine Akkreditierung erst, nachdem das Bundesfinanzministerium in Berlin beim US-Finanzminister persönlich intervenierte. Derselbe Mann, der für andere NYT-Reporter die Türen geschlossen hielt, öffnete sie auf Bitte einer ausländischen Regierung.
Das ist kein diplomatisches Kuriosum. Es belegt, dass die Credentials-Entscheidung nicht nach sachlichen Kriterien wie Sicherheitsüberprüfung oder Platzmangel getroffen wurde, sondern nach politischem Ermessen. First Amendment Watch bezeichnete die Ausnahme als weiteres Indiz für selektive Mediensteuerung durch das Finanzministerium.
Reaktionen: Versuch, öffentliche Kontrolle zu unterlaufen
Die New York Times erklärte, die Sperrung sei nicht nur ein weiterer beunruhigender Versuch, unabhängigen Journalismus zu unterminieren, sondern ein offensichtlicher Versuch, öffentliche Kontrolle zu umgehen. Bloomberg nannte die Entscheidung einen Eingriff, der Medienfreiheit und öffentliche Rechenschaftspflicht untergräbt. Der Chefredakteur des Asheville Watchdog, Michael Stowe, sagte: Ausgewählte Journalisten von einem G20-Gipfel fernzuhalten sei ein weiteres Beispiel dafür, wie diese Administration versuche, Berichterstattung zu kontrollieren und Nachrichtenorganisationen für zutreffende, durch den First Amendment geschützte Berichterstattung zu bestrafen.
Das Committee to Protect Journalists (CPJ) und Reporter ohne Grenzen (RSF) wandten sich gemeinsam mit 19 weiteren Organisationen an die G20-Staaten und forderten, Journalisten freien Zugang zu Beratungen der weltgrößten Volkswirtschaften zu gewähren. Das internationale Gewicht dieser Reaktion ist bemerkenswert: Die Pressefreiheitsorganisationen wandten sich nicht an das US-Finanzministerium allein, sondern an alle G20-Regierungen.
Das Muster hinter der Einzelentscheidung
Die Asheville-Sperrung ist kein Einzelfall. Die Trump-Administration hat seit Januar 2025 systematisch Medienakkreditierungen als politisches Instrument eingesetzt. Das Weiße Haus schloss die Associated Press zunächst aus dem Oval Office und von Air Force One aus. Das Justizministerium richtete Vorladungen gegen NYT-Reporter, die ein Bundesrichter scharf kritisierte. Das Pentagon erließ Richtlinien zur Begleitung von Militäroperationen, die ein Bundesgericht Anfang 2026 für verfassungswidrig erklärte, nachdem die NYT geklagt hatte. PBS News dokumentiert die Entwicklung dieser Restriktionen seit Amtsantritt.
Was in Asheville passierte, fügt sich in dieses Muster ein: Regierungszugang wird gezielt an Medien vergeben, die weniger kritisch berichten und verweigert an Redaktionen, die Wirtschafts- und Haushaltspolitik intensiv prüfen. NYT, WSJ und Bloomberg gehören zu den Medien, die Treasurys Entscheidungen am genauesten untersuchen. Dass genau diese drei von einem G20-Treffen ferngehalten wurden, ist kaum zufällig.
Klagen als nächsten Schritt geprüft
Die betroffenen Redaktionen haben noch keine Klage eingereicht, Vertreter aller drei Häuser signalisierten jedoch, rechtliche Schritte zu prüfen. Der Erste Zusatzartikel zur US-Verfassung schützt die Pressefreiheit, enthält aber keine explizite Garantie des Zugangs zu Regierungsveranstaltungen. US-Gerichte haben in der Vergangenheit unterschiedlich entschieden: Bei formalisierten Akkreditierungssystemen wie dem Weißen-Haus-Pressepool haben Gerichte tendenziell zugunsten der Medien geurteilt, wenn die Vergabe erkennbar diskriminierend war.
Das Finanzministerium hat kein formalisiertes G20-Akkreditierungssystem veröffentlicht. Das schwächt die Rechtsposition der Kläger, weil es schwerer zu beweisen ist, dass ein willkürlicher Standard angewandt wurde. Die Tatsache aber, dass das Bundesfinanzministerium eine Ausnahme erwirken konnte, könnte als Beleg dienen, dass die Entscheidungen nicht auf objektiven Kriterien basierten. Das First Amendment Center der Universität Tennessee kommentierte, die Lobby-Ausnahme für Tankersley sei das rechtlich interessanteste Detail des gesamten Vorfalls.
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