US-Schulden bei 40 Billionen: Zinsen übertreffen Rüstungsetat
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US-Schulden bei 40 Billionen: Zinsen übertreffen Rüstungsetat

Am 20. August 2026 übertraten die US-Staatsschulden erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar, weniger als fünf Monate nach dem vorherigen Billionen-Schritt. Der jährliche Schuldendienst übersteigt mit 1,1 Billionen Dollar bereits den gesamten US-Rüstungsetat und das Haushaltsbüro des Kongresses warnt: bis 2036 könnte die Schuldenquote auf 120 Prozent des BIP steigen.

Quellen (8)
  1. Al Jazeera: US debt hits $40 trillionaljazeera.com
  2. NPR: US debt tops $40 trillionnpr.org
  3. NPR: 3 things to know about $40 trillion debtnpr.org
  4. Spectrum News: National debt tops $40 trillionspectrumlocalnews.com
  5. Washington Examiner: National debt 40 trillion grim milestonewashingtonexaminer.com
  6. ABC News: Federal debt tops $40 trillionabcnews.com
  7. CNN Business: National debt $40 trillioncnn.com
  8. Frankfurter Rundschau: 40 Billionen Dollar Schulden USAfr.de
21. August 2026, 19:11 Uhr780 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wer in den USA dieser Tage ein Haus kaufen möchte, stößt schnell auf eine Zahl: 6,7 Prozent. So hoch liegen aktuell die Zinsen für 30-jährige Hypotheken, ein Stand, der Erstkäufer mit mittlerem Einkommen in Großstädten de facto vom Markt ausschließt. Ein wesentlicher Treiber ist eine andere Zahl, die am 20. August 2026 einen historischen Meilenstein erreichte: 40 Billionen Dollar US-Staatsschulden. Der jährliche Schuldendienst übersteigt mit rund 1,1 Billionen Dollar bereits den gesamten US-Rüstungsetat und das Congressional Budget Office (CBO) warnt: bis 2036 könnte die Schuldenquote auf 120 Prozent des BIP steigen, vierzehn Prozentpunkte über dem bisherigen Rekord nach dem Zweiten Weltkrieg.

Von 39 auf 40 Billionen in knapp fünf Monaten

Das Tempo der Schuldenaufnahme ist das eigentlich besorgniserregende Signal. Im März 2026 betrugen die US-Staatsschulden noch 39 Billionen Dollar. Weniger als fünf Monate später war die nächste Billion verbraucht. Das US-Finanzministerium verzeichnete in den ersten zehn Monaten des Fiskaljahres 2026 eine Nettokreditaufnahme von 1,8 Billionen Dollar, mehr als im gesamten Vorjahr 2025.

Zum historischen Vergleich: Es dauerte knapp 200 Jahre, bis die US-Schulden 1981 erstmals die Billionen-Marke überschritten. In den vergangenen zehn Jahren haben sie sich auf 40 Billionen verdoppelt, in weniger als 20 Jahren vervierfacht. Die Schulden wachsen damit strukturell schneller als die US-Wirtschaft.

Wer die USA finanziert

Von den 40 Billionen Dollar entfallen rund 21 Billionen auf inländische Gläubiger: Die US-Notenbank Federal Reserve hält 4,5 Billionen Dollar, Investmentfonds 5,2 Billionen, Pensionsfonds 1,1 Billionen und Banken 2,1 Billionen. Die restlichen rund 11 Billionen liegen im Ausland, allen voran bei Japan mit 1,2 Billionen, gefolgt von Großbritannien mit 889 Milliarden und China mit 683 Milliarden Dollar.

Diese Gläubigerstruktur erklärt, warum ein Vertrauensverlust in US-Staatspapiere globale Konsequenzen hätte. Wenn Japan oder China signifikant verkaufen, steigen die US-Zinsen automatisch, weil das Angebot an Treasurys zunimmt und deren Preise sinken, was wiederum die Renditen treibt. Europa hält kleinere, aber relevante Bestände: Großbritannien allein finanziert mit fast 900 Milliarden Dollar einen Teil des US-Staatshaushalts.

Die Zinsmaschine frisst das Budget

Der direkte Kanal zum US-Haushalt verläuft über den Schuldendienst. 2026 fließen bereits 19 Prozent der US-Steuereinnahmen in Zinszahlungen. In dreißig Jahren könnte dieser Anteil laut CBO auf 50 Prozent steigen, die Hälfte aller Steuergelder ausschließlich für Zinsen. Analoges gilt für Auto- und Unternehmenskredite, deren Zinsen sich mit den Renditen auf US-Staatsanleihen bewegen.

Jessica Riedl von der Brookings Institution warnt vor unvermeidlichen Konsequenzen: Entweder Steuererhöhungen, Kürzungen bei Sozialleistungen oder eine Kombination aus beidem. David Ditch vom Cato Institute formulierte es gegenüber dem Washington Examiner direkter: „Es geht nicht nur darum, dass dies in absoluten Zahlen eine große Zahl ist. Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits jetzt spürbar und in Zukunft werden wir mehr davon erleben.”

Trumps Politik verschärft das Dilemma

Der politische Kontext macht eine rasche Kurskorrektur unwahrscheinlich. Seit Amtsantritt im Januar 2025 strich Trumps „Department of Government Efficiency” (DOGE) zwischen 250.000 und 350.000 Bundesstellen. Die proklamierten Einsparungen blieben jedoch weit hinter dem tatsächlichen Schuldenwachstum zurück: Das im Sommer 2025 verabschiedete Haushaltsgesetz, informell als „One Big Beautiful Bill” bekannt, verlängerte Steuersenkungen und erhöhte den Schuldenspielraum um weitere fünf Billionen Dollar.

Das Komitee für einen verantwortungsvollen Bundeshaushalt (CRFB) fordert eine überparteiliche Fiskalkommission sowie ein sofortiges Moratorium für neue Kreditaufnahmen jenseits unvermeidbarer Ausgaben. Solche Kommissionen sind in der US-Geschichte bisher regelmäßig an politischen Kompromissblockaden gescheitert. Weder Demokraten noch Republikaner haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein strukturell schlüssiges Haushaltskonzept vorgelegt, das Ausgaben und Einnahmen dauerhaft in Einklang bringt.

Herbsthaushalt und die CBO-Rechnung für 2036

Das US-Fiskaljahr endet am 30. September 2026. Im Oktober beginnen die Haushaltsverhandlungen für 2027, die zeigen werden, ob Kongress und Regierung strukturell gegensteuern oder die Ausgabedynamik fortsetzen. Das CBO prognostiziert, dass die USA auf dem aktuellen Pfad bis 2036 eine Schuldenquote von 120 Prozent des BIP erreichen, vierzehn Prozentpunkte über dem bisherigen Nachkriegsrekord.

Zum Vergleich: Deutschland liegt mit einer Staatsverschuldung von rund 62 Prozent des BIP strukturell auf einem anderen Pfad. Das entlastet die europäische Wirtschaft kurzfristig nicht, im Gegenteil: Je höher der US-Zinssatz, desto teurer werden globale Kapitalmarktfinanzierungen insgesamt und desto stärker steigt der Dollar gegenüber dem Euro. Ein starker Dollar verteuert europäische Importe und schwächt die Exportposition der Eurozone gegenüber dem Rest der Welt.

Für die globale Wirtschaft ist das Entscheidende nicht der absolute Schuldenstand, sondern die Glaubwürdigkeit der USA als verlässlicher Schuldner. Solange keine Alternative zu US-Staatsanleihen als globalem Reservewährungsanker existiert, werden Japan, China und Europa weiter kaufen. Die Frage ist, zu welchem Zinspreis und wie lange diese Bereitschaft trägt, wenn sich 50 Prozent der US-Steuereinnahmen in Zinszahlungen verwandeln.

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