Verstappen verlängert bei Red Bull bis 2030
Gesellschaft

Verstappen verlängert bei Red Bull bis 2030

Max Verstappen verlängert seinen Formel-1-Vertrag bei Red Bull Racing bis 2030. Das überrascht: Der 28-jährige Vierfachweltmeister ist in der laufenden Saison sieglos, Red Bull liegt als Vierter in der Konstrukteurswertung weit hinter Mercedes und McLaren.

Quellen (8)
  1. ABC Newsabc.net.au
  2. WTOP / APwtop.com
  3. Washington Postwashingtonpost.com
  4. Bloombergbloomberg.com
  5. ESPN Dutch GP Previewespn.com
  6. Süddeutsche Zeitungsueddeutsche.de
  7. Die Weltwelt.de
  8. n-tvn-tv.de
22. August 2026, 6:49 Uhr736 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Näher am Rücktritt war Max Verstappen als an einem Teamwechsel. Das sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister in den vergangenen Wochen, als die Spekulationen um seine Zukunft tobten. Am Donnerstag, einen Tag vor dem letzten Holländischen Grand Prix der Geschichte, beendete der 28-Jährige die Diskussion: Er verlängert seinen Vertrag bei Red Bull Racing bis 2030. Was wie eine einfache Loyalitätsgeste klingt, ist bei genauerer Betrachtung eine riskante Wette auf die Zukunft eines Teams im Umbruch.

Ein Dominatorteam im Abseits

Die Zahlen der Saison 2026 lesen sich für Red Bull wie eine Abrechnung. Durch elf Grands Prix ist Verstappen sieglos geblieben, sein bestes Ergebnis in diesem Jahr war jeweils ein zweiter Platz in Österreich und Ungarn. In der Fahrerwertung steht er mit 109 Punkten auf Rang sechs, 110 Punkte hinter WM-Führendem Kimi Antonelli von Mercedes. Die Konstrukteurswertung zeigt Red Bull auf Platz vier.

Dieser Absturz hat strukturelle Ursachen. Die neue Fahrzeuggeneration 2026 setzt stärker auf elektrische Antriebskomponenten als jede frühere Formel-1-Ära. Red Bull hat diese Regulierungsänderung schlechter verarbeitet als Mercedes, McLaren und Ferrari. Verstappen kritisierte die neuen Boliden offen: Die Autos vermittelten kein echtes Formel-1-Fahrgefühl mehr, die Elektrochemie dominiere zu sehr das Handling. Hinzu kamen zwei Hinterflügel-Defekte, die bei hoher Geschwindigkeit zu Unfällen führten und Sicherheitsfragen aufwarfen.

Gleichzeitig hat Red Bull in den vergangenen zwölf Monaten seine prägendsten Köpfe verloren. Aerodynamik-Legende Adrian Newey, maßgeblich verantwortlich für die dominanten Titelvehikel der letzten Jahre, wechselte zu Aston Martin. Teamchef Christian Horner wurde im Juli 2025 von Red Bull entlassen. Sein Nachfolger Laurent Mekies, ehemaliger Racing Director bei Ferrari, leitet das Team seither.

Warum Verstappen fast aufgehört hätte

In dem Maß, wie Red Bulls Konkurrenzfähigkeit im Laufe der Saison sank, wuchs Verstappens Frust. Er sprach offen davon, mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu wollen. Er zweifelte laut an den neuen Regularien. Und er gab zu, grundsätzlich über die Formel 1 nachzudenken. "Kommt mir nicht mit Fragen über die Zukunft, ich weiß selbst nicht, ob ich bleiben will", sagte er bei einem Rennen. Und noch deutlicher: "Ich glaube, ich war dem Rücktritt näher als einem Teamwechsel."

Letztlich entschied er sich anders. Verstappen betonte in seiner Verlängerungsankündigung die emotionale Bindung: "Das Team ist wie eine zweite Familie für mich. Diesen Weg mit demselben Team fortzusetzen, bei dem ich meine gesamte Karriere verbracht habe, ist wirklich besonders." Laurent Mekies nannte es "großartige Neuigkeit für jeden bei Red Bull, den besten Fahrer im Feld zu behalten".

Ob Mekies' Einschätzung nach einer sieglosen Halbserie noch trägt, ist eine andere Frage. WM-Führender Antonelli (Mercedes) liegt mit 219 Punkten deutlich vor Lewis Hamilton (169 Punkte) und George Russell (160 Punkte). Verstappen ist mit 109 Punkten rechnerisch aus dem WM-Kampf.

Was McLaren und Mercedes verlieren

Für McLaren und Mercedes ist Verstappens Entscheidung eine teils unerwartete Enttäuschung. McLaren-Chef Zak Brown traf sich im Juni mit Verstappens Beratern; danach erklärte er, es gebe keine freie Position. Beide Teams hätten mit dem vierfachen Weltmeister ihre Zukunft anders planen können.

Stattdessen bleibt Verstappen in Milton Keynes. Die Verlängerung bis 2030 bedeutet: Wenn er durchhält, wird seine Partnerschaft mit Red Bull 15 Saisons umspannen und damit potenziell die längste Fahrer-Team-Beziehung in der modernen Formel-1-Geschichte darstellen. Er war seit seinem Red-Bull-Debüt 2016 in Barcelona bei keinem anderen Team. Mit Red Bull hat er 71 Grands Prix gewonnen und vier Weltmeistertitel geholt.

Kritisch betrachtet ist die Entscheidung nicht frei von Risiko. Red Bull müsste mit neuen Ingenieuren, neuer Führung und in einem für das Team ungünstigen Reglement wieder an die Weltspitze fahren. Das kann gelingen, es kann aber auch Jahre dauern. Verstappen setzt darauf, dass das Team die Kapazitäten hat, das zu schaffen. Ein externer Wechsel hätte ihm schneller einen konkurrenzfähigen Wagen geboten.

Zandvoort als letzter Rahmen

Die Wahl des Zeitpunkts für die Vertragsankündigung war kein Zufall. Donnerstag, 20. August, einen Tag vor dem Auftakt des Holländischen Grand Prix in Zandvoort. Es ist die letzte Ausgabe dieses Rennens im F1-Kalender: Zandvoort verliert nach dieser Saison seinen Platz im Rennprogramm. Für Verstappen, der als Kind im belgischen Maaseik aufwuchs und in Zandvoort seit 2021 eine der lautesten Heimkulissen in der Formel 1 hat, ist das ein emotional aufgeladener Rahmen.

Das Rennwochenende läuft im Sprint-Format: Freitagstraining und Sprint-Qualifying, Samstag Sprint und Qualifying, Sonntag der Grand Prix. Eine sportliche Auszeichnung am letzten Zandvoort-Rennen hätte für Verstappen eine Symbolik, die über Punkte hinausginge. Sein erster Saisonsieg hier, nach der Vertragsnachricht, wäre das deutlichste Signal, dass Red Bulls schwieriges Jahr noch eine zweite Hälfte hat.

Kommentare