West-Nil-Virus: Griechenland schon schlimmer als ganz 2025
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West-Nil-Virus: Griechenland schon schlimmer als ganz 2025

Griechenland verzeichnet im laufenden Jahr 157 bestätigte West-Nil-Infektionen und 13 Tote, mehr als im gesamten Jahr 2025. Die Übertragungssaison ist noch nicht am Höhepunkt, der typischerweise Mitte August bis Anfang September liegt. Experten schätzen, dass auf jeden gemeldeten Fall rund 140 unentdeckte Infektionen kommen.

Quellen (9)
  1. Euronews: West Nile virus spread rises again in Greece (21.8.2026)euronews.com
  2. Euronews: West Nile virus surge in Greece, Attica epicentre (13.8.2026)euronews.com
  3. GreekReporter: Greece West Nile virus sharp risegreekreporter.com
  4. Athens Times: West Nile virus Loutraki Markopoulo Hotspotsathens-times.com
  5. The National Herald: Greek Health Service West Nile vigilancethenationalherald.com
  6. n-tv: Mehr als 150 Menschen in Griechenland am West-Nil-Virus erkranktn-tv.de
  7. ProtoThema: Greece Italy West Nile widest spread in Europeen.protothema.gr
  8. Mosticare/ECDC: West Nile virus Europe 2026 surveillancemosticare.org
  9. Outbreak News Today: West Nile virus in Greece to date 2026outbreaknewstoday.substack.com
21. August 2026, 19:11 Uhr740 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am 5. August lagen die gemeldeten West-Nil-Infektionen in Griechenland noch bei 65 Fällen. Zwei Wochen später hat sich die Zahl auf 157 bestätigte Fälle mehr als verdoppelt, 13 Menschen sind gestorben. Die nationale Gesundheitsbehörde EODY warnt: Der Höhepunkt der Übertragungssaison liegt typischerweise erst zwischen Mitte August und Anfang September, der schlimmste Teil steht also noch bevor. Bereits jetzt hat der Ausbruch 2026 das Gesamtergebnis des Jahres 2025 übertroffen, das bei 96 Fällen und 9 Todesfällen lag.

Was ist West-Nil-Virus?

Das West-Nil-Virus ist ein durch Stechmücken übertragener Erreger, der zunächst bei Vögeln zirkuliert. Mücken der Gattung Culex nehmen das Virus beim Saugen an infizierten Vögeln auf (darunter Krähen, Elstern und Eichelhäher) und übertragen es auf Menschen. Rund 80 Prozent der Infizierten bleiben symptomlos oder entwickeln nur milde Grippe-ähnliche Beschwerden. Bei den restlichen 20 Prozent kann es zu schweren neurologischen Erkrankungen kommen, darunter Enzephalitis (Hirnentzündung), Meningitis und akute schlaffe Lähmung.

Von den 157 bestätigten Fällen in Griechenland verliefen 116, also rund 74 Prozent, mit Beteiligung des Zentralnervensystems. Das ist ein ungewöhnlich hoher Anteil und deutet darauf hin, dass mildere Fälle systematisch untererfasst bleiben, weil nur schwer Erkrankte das Gesundheitssystem erreichen.

Warum der Sommer 2026 anders ist

Die Ausbreitung des West-Nil-Virus hängt direkt von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Je wärmer es ist, desto schneller repliziert sich das Virus in der Mücke und desto früher beginnt die Übertragungssaison. Der Extremsommer 2026 mit anhaltenden Temperaturen über 40 Grad Celsius in Südeuropa hat Mückenpopulationen und damit die Virusübertragung erheblich begünstigt.

Die griechische Gesundheitsbehörde hat das Epizentrum in der Region Attika identifiziert, konkret in den Gemeinden Spata-Artemida (16 Fälle) und Markopoulo Mesogaias (13 Fälle) östlich von Athen. Insgesamt sind fünf Regionen und 45 Gemeinden betroffen: neben Attika auch Thessalien, Zentralmakedonien, der Peloponnes und Mittelgriechenland. Zugleich breitet sich das Virus über Griechenland hinaus aus: Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldet lokal übertragene Fälle in Italien, Spanien, Rumänien und Nordmazedonien.

Das unterschätzte Ausmaß der Ausbreitung

Die offiziellen 157 Fälle sind nach Einschätzung griechischer Epidemiologen nur die Spitze des Eisbergs. Fachleute gehen davon aus, dass auf jeden bestätigten Fall mit Zentralnervensystem-Beteiligung rund 140 Menschen kommen, die entweder asymptomatisch infiziert sind oder nur milde Symptome entwickeln und deshalb nicht getestet werden. Auf Basis dieser Schätzung wären in Griechenland allein schon weit über 20.000 Menschen infiziert.

Verglichen mit dem Vorjahr ist die Lage eindeutig: Der Ausbruch des gesamten Jahres 2025 lag bei 96 gemeldeten Fällen und 9 Todesfällen. Der laufende Ausbruch hat diese Zahlen bereits bis Mitte August übertroffen. Aktuell sind 42 Patienten hospitalisiert, davon 23 auf Intensivstationen. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 82 Jahren, alle Todesfälle betrafen Menschen über 65.

Wer besonders gefährdet ist

Das Risiko einer schweren West-Nil-Infektion steigt drastisch ab dem 65. Lebensjahr. Immungeschwächte, Diabetiker und Menschen mit Nierenleiden sind ebenfalls überproportional betroffen. Für gesunde Erwachsene unter 50 ist das individuelle Risiko eines schweren Verlaufs gering, auch wenn das Virus in diesem Sommer in Griechenland flächendeckend zirkuliert.

Griechenland zählt zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen. Ältere Urlauber und Risikogruppen sollten in den Abend- und Dämmerungsstunden Stechmückenschutz konsequent anwenden: langärmlige Kleidung, DEET-haltige Repellents und Mückengitter. Das West-Nil-Virus ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, die Stechmücke ist der einzige Übertragungsweg. Die griechischen Blutspendeorganisationen haben zusätzliche Sicherheitsschleusen eingeführt, da das Virus theoretisch auch über Bluttransfusionen weitergegeben werden kann.

Bis Anfang September: die kritische Phase

Der saisonale Höhepunkt der West-Nil-Übertragung liegt in Südeuropa typischerweise zwischen Mitte August und Anfang September, wenn Mückenpopulationen ihr Maximum erreichen und gleichzeitig viele Vögel infiziert sind. Die EODY hat für Griechenland einen weiteren Anstieg der Fallzahlen in den kommenden Wochen angekündigt. In Ostattika führen Behörden tägliche Besprühungen und Hausbesuche zur Beseitigung stehender Gewässer durch, die als Brutstätten für Culex-Mücken dienen.

Der Ausbruch reiht sich in einen europäischen Trend ein. Das ECDC registriert seit Mitte Juli lokal übertragene Fälle in fünf EU-Ländern. Für Deutschland selbst ist eine Ausbreitung derzeit nicht relevant, da Culex-Mücken in Mitteleuropa das Virus noch nicht in der für eine Übertragung nötigen Konzentration aufnehmen. Ob das bei anhaltend höheren Sommertemperaturen langfristig so bleibt, ist unter Klimamedizinern umstritten. Das West-Nil-Virus hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von Nordafrika und dem Nahen Osten über den Mittelmeerraum bis in Teile Osteuropas ausgebreitet, dem Klima folgend, das seiner Vektormücke den nötigen Lebensraum verschafft.

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