
Erster Monat: Wind und Solar global vor Gaskraftwerken
Quellen (8)
- Ember – Wind und Solar erstmals global vor Gas, April 2026ember-energy.org
- pv magazine – Solar und Wind erstmals global vor Gas (22. Mai 2026)pv-magazine.com
- pv magazine – Wind und Solar überholen Gas global (25. Mai 2026)pv-magazine.com
- Electrek – Wind und Solar global erstmals stärker als Gas (20. Mai 2026)electrek.co
- Ember – Global Electricity Review 2026ember-energy.org
- CEE Energy News – Wind und Solar überholen Gas globalceenergynews.com
- Sustainability Magazine – Wind und Solar überholen Gas (2026)sustainabilitymag.com
- GreentechLead – Wind und Solar überholen Gas April 2026greentechlead.com
Fünf Jahre veränderten die globale Stromerzeugung grundlegend. Im April 2026 übertrafen Wind und Solar erstmals die globale Gaserzeugung, mit 531 zu 477 Terawattstunden, wie das Londoner Energieinstitut Ember festgestellt hat. Noch 2021 war dieses Verhältnis nahezu umgekehrt.
Der April-Rekord in Zahlen
Der Abstand von 54 Terawattstunden entspricht etwa einem Zehntel des gesamten deutschen Jahresstromverbrauchs. Wind und Solar deckten im April 22 Prozent der weltweiten Stromerzeugung ab, Gaskraftwerke kamen auf 20 Prozent. Ember veröffentlichte die Zahlen in seinem monatlichen Elektrizitätsbericht Mitte Mai 2026.

Die kombinierte Wind-und-Solar-Erzeugung wuchs weltweit um 13 Prozent gegenüber April 2025. Großbritannien legte dabei mit einem Plus von 35 Prozent besonders stark zu, getrieben durch den Ausbau der Offshore-Windenergie und die verstärkte Abkehr von Gasimporten. Chile steigerte seine erneuerbare Erzeugung um 24 Prozent, Australien um 17 Prozent. China, bereits heute mit Abstand größter Erzeuger von Solar- und Windstrom, wuchs um 14 Prozent. Die Europäische Union legte um 13 Prozent zu, die USA um 8 Prozent, Brasilien um 4 Prozent.
Warum gerade der April?
Der April ist der Monat, in dem die Bedingungen für Wind und Solar weltweit besonders günstig zusammentreffen. Auf der Nordhalbkugel, wo der größte Teil der installierten Solar- und Windkapazität konzentriert ist, kombinieren sich im Frühjahr zwei Vorteile: Die Sonnenstunden steigen stark an, während die Winde noch kräftig sind. Im Hochsommer dreht sich dieses Verhältnis, wenn Hitze die Windgeschwindigkeiten dämpft und gleichzeitig die Stromnachfrage durch Klimaanlagen ansteigt.
Ember hält deshalb ausdrücklich fest: Wind und Solar haben Gas bislang nur in einem einzigen Monat übertroffen, nicht auf Jahresbasis. Das schränkt die Bedeutung des Meilensteins ein, hebt sie aber nicht auf. Noch 2021 hätte kein Energieanalyst erwartet, dass dieser Moment bereits 2026 eintreten würde.
Fünf Jahre, die alles umgekehrt haben
Im April 2021 lagen die Verhältnisse nahezu spiegelbildlich. Gas erzeugte 476 Terawattstunden, Wind und Solar zusammen kamen auf 245 Terawattstunden. Seitdem hat sich die kombinierte Wind-und-Solar-Erzeugung mehr als verdoppelt, während Gas praktisch auf demselben Niveau stagnierte.
Diese Asymmetrie ist das eigentliche Signal hinter den Zahlen. Nicht Gaskraftwerke wurden abgebaut, sondern Wind und Solar bauten massiv aus. Die globale Solarjahreserzeugung wuchs 2025 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2.778 Terawattstunden. Wind und Solar zusammen deckten 99 Prozent des gesamten Wachstums der globalen Stromnachfrage im Jahr 2025, ohne dass Gaskraftwerke mehr produzieren mussten.

Ähnliche Meilensteine, die ebenfalls zunächst als fern galten, liegen bereits hinter uns: Im Jahr 2025 überholten erneuerbare Energien erstmals seit mehr als hundert Jahren die Kohle im weltweiten Strommix, mit einem Anteil von 33,8 gegenüber 33,0 Prozent. In der Europäischen Union übertrafen Wind und Solar im selben Jahr alle fossilen Energieträger zusammen. Der April-2026-Rekord setzt diese Reihe fort und dehnt sie auf den globalen Gas-Vergleich aus.
Was das für Gaspreise bedeutet
Für Verbraucher in Deutschland hat dieser Meilenstein eine mittelbare Bedeutung. Gaskraftwerke wirken an vielen europäischen Strommärkten oft noch als Preis-Setzer, weil sie als teuerste zugeschaltete Erzeugungsquelle den Grenzpreis bestimmen. Je häufiger Wind und Solar ausreichend liefern, desto seltener springt Gas als Preissetzer an, was die Großhandelspreise drückt.
Das bedeutet nicht, dass Gaskraftwerke in naher Zukunft überflüssig werden. Sie übernehmen weiterhin die Rolle der gesicherten Leistung in wind- und sonnenarmen Phasen. Der strukturelle Unterschied zu früher: Gaskraftwerke laufen immer seltener und kürzer, was ihre Wirtschaftlichkeit unter Druck setzt und Investitionen in neue Anlagen unattraktiv macht. In Großbritannien hat dieser Mechanismus bereits dazu geführt, dass mehrere geplante Gaskraftwerke 2025 und 2026 keine Finanzierung mehr gefunden haben.
Bis zum jährlichen Meilenstein: wahrscheinlich 2028
Ember schätzt, dass Wind und Solar bei den aktuellen Ausbauraten den jährlichen Meilenstein, also Gas auch im Jahresdurchschnitt zu übertreffen, innerhalb von zwei bis drei Jahren erreichen könnten. Konkret: etwa 2028, wenn das Wachstumstempo von 13 Prozent jährlich anhält und sich keine strukturellen Bremsklötze auftun.
Bremsen könnten diesen Zeitplan vor allem Engpässe beim Netzausbau, der in vielen Ländern hinter dem Kapazitätszubau zurückbleibt und verzögerte Genehmigungsverfahren für Übertragungsleitungen. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte zuletzt, dass ohne beschleunigten Netzausbau bis 2030 weltweit mehr als 3.000 Gigawatt neu installierter Erneuerbarer Kapazität ungenutzt bleiben könnten.
Was der April 2026 zeigt: Das globale Stromsystem kippt strukturell, angetrieben nicht durch politische Dekrete, sondern weil Wind- und Solarstrom in den meisten Märkten inzwischen günstiger ist als Strom aus neuen Gaskraftwerken. Der erste Monat, in dem saubere Energie Gas global überholte, ist der bislang deutlichste Beleg dafür, dass dieser Kipppunkt nicht mehr nur theoretisch beschrieben wird, sondern sich in Terawattstunden ausdrückt.
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