Merz bei 18 Prozent: AfD sieben Punkte vor der Union
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Merz bei 18 Prozent: AfD sieben Punkte vor der Union

Die aktuellen Sonntagsfragen zeigen eine dramatische Verschiebung: CDU/CSU liegt bei 21 bis 22 Prozent, die AfD bei 27 bis 29 Prozent. Für Bundeskanzler Friedrich Merz sind das beunruhigende Zahlen, sein Zufriedenheitswert liegt bei 18 Prozent und damit auf einem Tief seit Amtsantritt.

29. Juli 2026, 1:05 Uhr 792 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Nur 18 Prozent der Deutschen sind mit Bundeskanzler Friedrich Merz zufrieden, das ergibt der INSA-Sonntagstrend vom Juli 2026. In denselben Umfragen liegt die CDU/CSU bei 21 bis 22 Prozent, die AfD dagegen bei 27 bis 29 Prozent. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 war das Verhältnis umgekehrt: Die Union gewann 28,6 Prozent, die AfD 20,8 Prozent. In rund fünf Monaten hat sich der Abstand zwischen beiden Parteien von acht Punkten zugunsten der Union auf sieben Punkte zugunsten der AfD verkehrt.

Von 28,6 auf 21 Prozent in fünf Monaten

Die aktuelle Datenlage ist eindeutig: Ipsos hat in seiner Sonntagsfrage vom 4. bis 6. Juli unter 1.000 Wahlberechtigten die AfD bei 28 Prozent und die CDU/CSU bei 22 Prozent gemessen. Für Ipsos ist das der höchste je gemessene AfD-Wert. Der INSA-Sonntagstrend vom 6. bis 10. Juli, der regelmäßig für Bild am Sonntag durchgeführt wird, zeigt AfD 28 Prozent, CDU/CSU 22 Prozent, SPD 12 Prozent, Grüne 12 Prozent, Linke 11 Prozent. In einer zweiten INSA-Messung vom 18. Juli stieg die AfD auf 29 Prozent, die CDU/CSU fiel auf 21 Prozent. Der gewichtete Aggregat-Durchschnitt aus fünf Instituten für die Periode 17. bis 28. Juli setzt die AfD bei 27,3 Prozent, CDU/CSU bei 22,4 Prozent.

YouGov, das in Deutschland als Online-Institut die Union tendenziell zwei bis vier Punkte niedriger misst als telefonbasierte Institute, hatte im Juni 2026 sogar einen Wert von 20 Prozent für CDU/CSU gemessen. Das wäre ein Wert unterhalb des historischen Nachkriegs-Tiefs von 24,2 Prozent, das die Union bei der Bundestagswahl 2021 erreicht hatte. Selbst wenn man den YouGov-Wert methodisch korrigiert, bleibt die Richtung unmissverständlich: CDU/CSU hat seit dem Wahlsieg im Februar 2025 bis zu sieben Prozentpunkte verloren.

Zwei Verlustrichtungen gleichzeitig

Analysen von YouGov zu den Wanderungsbewegungen zeigen ein Muster, das für die CDU/CSU strukturell schwierig zu handhaben ist. Ältere Männer, insbesondere in strukturell benachteiligten Regionen, wandern zur AfD ab. Gleichzeitig kehren urban geprägte, höher gebildete Wählerinnen und Wähler zur Grünen und zur Linken zurück. Die CDU/CSU verliert also nicht an einer Front, sondern an zweien gleichzeitig, ohne dass ihr Koalitionspartner SPD ausgleichend wirkt: Die SPD liegt bei 12 bis 13 Prozent, schwächer als die oppositionelle Grünen-Fraktion mit 12 bis 14 Prozent.

DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hatte im Frühjahr 2026 beim DGB-Bundeskongress gewarnt, wer Reformen mit sozialem Härtefall verwechsle, werde die Gewerkschaften nicht als Partner finden. VdK-Präsidentin Verena Bentele erklärte parallel, Kürzungen bei Pflege und Rente träfen Menschen ohne Ausweichmöglichkeiten. Beide Kritiken haben bis Juli nichts an Aktualität verloren. Der INSA-Sonntagstrend zeigt, dass 74 Prozent der Deutschen mit der Arbeit von Kanzler Merz unzufrieden sind. Nur 18 Prozent sind zufrieden, ein Wert der im Juli 2026 unter den Werten für das gesamte erste Amtsjahr bleibt.

Die Koalitionsarithmetik folgt einer eigenen Logik: CDU/CSU und SPD kommen gemeinsam auf rund 33 bis 35 Prozent. Bei der Bundestagswahl hatten beide Parteien zusammen 45 Prozent erzielt und damit eine komfortable Mehrheit. Würde heute gewählt, wäre eine Regierung aus Union und SPD auf weitere Koalitionspartner angewiesen. Grüne und Linke, beide als Oppositionsparteien mit zusammen gut 20 Prozent stärker als vor einem Jahr, kämen als mögliche Erweiterungspartner infrage, sofern die Union bereit wäre, ihre Politik entsprechend anzupassen.

Was die Zahlen über die Reformdynamik aussagen

Eine Koalition, die auf rund 33 Prozent schrumpft, hat ein Autoritätsproblem bei der Durchsetzung eigener Vorhaben. Das Reformpaket, das Merz als Kern seines Regierungsprogramms beschrieben hatte, umfasst Einkommensteuer, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau. Alle vier Bereiche sind in der Koalition umstritten. Je schwächer die SPD in den Umfragen, desto geringer ihr Anreiz, Kompromisse einzugehen, die sie als Juniorpartner politisch weiter beschädigen könnten.

Der Vertrauensverlust ist nicht linear auf ein einzelnes Thema zurückzuführen. Neben dem Wirtschaftsstagnation sind es Signaldebatten wie die Koalitionsverhandlungen über Rente und Mindestlohn, die bei Stammwählern beider Parteien Ernüchterung ausgelöst haben. Der Iran-Konflikt hat zwar kurzzeitig zu außenpolitischer Aufmerksamkeit für die Regierung geführt, ohne jedoch die innenpolitischen Umfragewerte zu verbessern. Eine Verknüpfung zwischen außenpolitischer Handlungsfähigkeit und innenpolitischer Zustimmung ist in den Daten nicht erkennbar.

Die Linke profitiert ebenfalls von der Umfragelage: Mit 10 bis 13 Prozent erreicht sie Werte, die sie seit Jahren nicht mehr gemessen hat. Das deutet darauf hin, dass ein Teil der SPD-Wählerschaft aus früheren Wahlperioden nicht in der CDU-geführten Koalition seinen Platz findet und sich weiter links neu verortet.

Sachsen-Anhalt im September als nächster Belastungstest

Die nächste konkrete Richtungsentscheidung steht in Sachsen-Anhalt an: Im September 2026 wählt das Bundesland einen neuen Landtag. In aktuellen Umfragen ist die AfD auch dort stärkste Kraft. Die CDU stellt seit 2021 den Ministerpräsidenten. Reiner Haseloff übergab das Amt im Januar 2026 an seinen Nachfolger Sven Schulze, der als CDU-Spitzenkandidat antritt. Ob es Schulze gelingt, das Ergebnis von 2021 (37 Prozent für die CDU) zu halten oder annähernd zu erreichen, dürfte als erstes Stimmungsbarometer für die bundespolitischen Entwicklungen gelesen werden.

Für die CDU/CSU ist die Situation mit einem doppelten Dilemma verbunden: Das Modell der Ausgrenzung der AfD ("Brandmauer") funktioniert in den Umfragen nicht als Mittel zur Rückgewinnung von Wählerinnen und Wählern. Und das Modell der Anpassung an AfD-Themen auf Feldern wie Migration oder Sicherheit enttäuscht bisher die verbliebenen moderaten Wählerinnen und Wähler, ohne AfD-Sympathisanten zurückzugewinnen. INSA-Chef Hermann Binkert beschrieb das strukturelle Problem gegenüber Medien bereits im Frühjahr als einen Mechanismus, bei dem die Union in einem Zielkonflikt gefangen ist, der sich nicht durch Rhetorik allein auflösen lässt.

Quellen (7)

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