Amazonas-Abholzung sinkt auf historisches Tief
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Amazonas-Abholzung sinkt auf historisches Tief

Im Jahr 2026 wurde im brasilianischen Amazonas so wenig Wald abgeholzt wie seit 2013 nicht mehr. Der Rückgang um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr geht maßgeblich auf gezielte Umweltdurchsetzung unter der Lula-Regierung zurück.

Quellen (10)
  1. Mongabay: DETER-Daten August 2025–Juli 2026news.mongabay.com
  2. Observatório do Clima: Bolsonaro-Bilanz +59,5%oc.eco.br
  3. Mongabay: PRODES 2024 auf Rekordkursnews.mongabay.com
  4. Al Jazeera: Lula vier Jahre, 41% Rückgangaljazeera.com
  5. India Gazette: IBAMA-Durchsetzung 2023indiagazette.com
  6. Weltbank: Costa Rica Waldschutzworldbank.org
  7. Phys.org: Brasilien Entwaldungstrendphys.org
  8. Mongabay: Gesetz gegen Satellitenverbotenews.mongabay.com
  9. Inside Climate News: Abholzung sinkt, Feuer steigeninsideclimatenews.org
  10. The Climate Watch: Historischer Tiefstwert 2026theclimatewatch.com
23. August 2026, 6:40 Uhr760 Wörter · 4 Min. Lesezeit

In der Bolsonaro-Ära verlor der Amazonas jedes Jahr mehr Wald als in der Dekade davor. 2021 wurden mehr als 13.000 Quadratkilometer abgeholzt, der höchste Wert seit 2006. Drei Jahre unter Präsident Lula haben die Kurve grundlegend gedreht: In den zwölf Monaten von August 2025 bis Juli 2026 verschwanden nur noch 2.874 Quadratkilometer, der niedrigste Wert seit 2013, 36 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und 55,6 Prozent unter dem Zehnjahres-Durchschnitt. Damit könnte Brasilien beim nächsten offiziellen PRODES-Jahresbericht seinen niedrigsten Waldverlust seit 38 Jahren ausweisen.

Vom Rekordverlust zur Trendwende

Wie weit Brasilien gekommen ist, zeigt die Zeitlinie. Das PRODES-System, das offizielle Satellitenmessinstrument des INPE, erfasste für das Jahr 2021 unter Präsident Jair Bolsonaro einen Waldverlust von 13.235 Quadratkilometern, dem höchsten Wert seit 2006. Das Observatório do Clima, ein brasilianisches Zivilgesellschaftsnetzwerk mit über 100 Mitgliedsorganisationen, bezifferte die Gesamtbilanz der Bolsonaro-Ära auf 59,5 Prozent mehr Abholzung gegenüber den vorangehenden vier Jahren.

Seit Lulas Amtsantritt im Januar 2023 dreht sich die Kurve. Das PRODES-System verzeichnete von August 2022 bis Juli 2023 noch 9.001 Quadratkilometer Waldverlust, von August 2023 bis Juli 2024 dann 6.288 Quadratkilometer, ein Rückgang um 30,6 Prozent und die stärkste prozentuale Reduktion seit 15 Jahren. Über Lulas erste dreieinhalb Amtsjahre summiert das DETER-System insgesamt 19.642 Quadratkilometer Waldalerts, 41 Prozent weniger als in den Bolsonaro-Jahren 2019 bis 2022.

Wie Brasilien die Kurve kriegt

Hinter den Zahlen steckt gezielte Politik. Die damalige Umweltministerin Marina Silva reaktivierte bei ihrem Amtsantritt 2023 den PPCDAm, den nationalen Aktionsplan gegen Abholzung im Amazonas. Die Umweltbehörde IBAMA verstärkte gleichzeitig ihre Kontrolltätigkeit erheblich. Im ersten Halbjahr 2023 stieg die Zahl der verhängten Geldstrafen für Umweltvergehen um 147 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Bolsonaro-Jahre 2019 bis 2022, die Gesamthöhe der Bußgelder um 167 Prozent. 2.086 Gebiete wurden mit Bewirtschaftungsverboten belegt, 111 Prozent mehr als zuvor.

Auf internationaler Ebene hat Brasilien das Ziel der illegalen Abholzungsrate null bis 2030 festgeschrieben. Ergänzend sollen bis zu diesem Zeitpunkt 12 Millionen Hektar degradierter Flächen renaturiert werden, eine Fläche etwa so groß wie Nordkorea.

Im Vergleich: Wo Wälder zurückkehren

Brasiliens Kehrtwende ist nicht ohne Vorläufer. Costa Rica gilt als das bekannteste Beispiel dafür, dass staatliche Politik einen Waldverlust dauerhaft umkehren kann. Noch in den 1980er Jahren bedeckte Wald nur 21 Prozent der costaricanischen Landesfläche, nach Jahrzehnten unkontrollierter Rodung für Rinderwirtschaft und Plantagenwirtschaft. Das Land führte daraufhin ein Programm ein, das Grundbesitzer für den Erhalt oder die Aufforstung ihres Waldes direkt vergütet. Seit 1997 sicherte das Programm mehr als 1,3 Millionen Hektar Waldbestand. Heute liegt die Waldbedeckung Costa Ricas bei rund 60 Prozent der Landesfläche, ein Anstieg um rund 39 Prozentpunkte in vier Jahrzehnten.

Brasilienweit zeigt der Vergleich mit dem Atlantischen Regenwald entlang der Atlantikküste eine ähnliche Tendenz. Dort erfasste die Umweltorganisation SOS Mata Atlântica für 2025 nur noch 8.658 Hektar Waldverlust, den niedrigsten Wert seit 40 Jahren. Beide brasilianischen Ökosysteme zeigen eine gemeinsame Richtungsänderung, die auf verstärkte Durchsetzung und Schutzgesetze zurückgeht.

Satellitenverbote und Feuer: Die offenen Risiken

Zwei Entwicklungen bereiten Naturschützern Sorge. Erstens: Im brasilianischen Kongress hat der Agrarier-Block (bancada ruralista) ein Gesetz durch die Abgeordnetenkammer gebracht, das dem Senat vorliegt und Fernverbote illegal gerodeter Flächen per Satellitendaten untersagen würde. Dieses Instrument erlaubt es IBAMA-Mitarbeitern, neue Rodungsflächen sofort mit Bewirtschaftungsverboten zu belegen, ohne den oft entlegenen Ort physisch aufzusuchen. Seine Abschaffung würde eine zentrale Säule des Durchsetzungssystems demontieren.

Zweitens ist Abholzung nur ein Teil des Problems. Walddegradierung, das schrittweise Ausdünnen bestehender Wälder durch Feuer, selektiven Holzeinschlag oder Klimastress ohne vollständige Vernichtung, ist ein separates Phänomen. Trotz sinkender Abholzungsraten hatte die Fläche degradierten Waldes im Amazonas zeitweise stark zugenommen. Nach brasilianischen Daten wurden allein im Jahr 2024 mehrere Millionen Hektar Amazonaswald neu als degradiert erfasst, formal noch Waldbestand, aber mit reduzierter Biodiversität und Kohlenstoffspeicherkapazität.

Die offizielle PRODES-Bestätigung des Rekordwertes steht noch aus und wird voraussichtlich im Herbst 2026 veröffentlicht.

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