Apple zeigt EU-Steuerdaten: 209 Mio. Vorsteuergewinn in Deutschland
Wirtschaft

Apple zeigt EU-Steuerdaten: 209 Mio. Vorsteuergewinn in Deutschland

Apple legt erstmals EU-weit offen, wie viel Gewinn und Steuern der Konzern in den einzelnen Ländern verbucht. In Deutschland: 2,72 Milliarden Dollar Umsatz, aber nur 209 Millionen Dollar ausgewiesener Gewinn vor Steuern.

Quellen (6)
  1. Nachrichten.at: Apple legt Steuern in Europa offennachrichten.at
  2. Onvista: Apple beziffert Steuerzahlungen in Deutschland und Europaonvista.de
  3. IT-Boltwise: Apple-Steuerreport Deutschland und Irlandit-boltwise.de
  4. Ariva: Apple beziffert Steuerzahlungen in Deutschland und Europaariva.de
  5. Netzwerk Steuergerechtigkeit: Studie zu Apples EU-Steuervermeidungnetzwerk-steuergerechtigkeit.de
  6. EU Richtlinie 2021/2101 Public CbCR (EUR-Lex)eur-lex.europa.eu
24. August 2026, 16:09 Uhr762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Apple erzielt weltweit eine Nettomarge (nach Steuern) von rund 27 Prozent. In Deutschland weist der Konzern für dasselbe Geschäftsjahr eine Vorsteuer-Gewinnmarge von nur 7,7 Prozent auf seinem Umsatz von 2,72 Milliarden Dollar aus, dazu 153,5 Millionen Dollar Steuern. Zum ersten Mal liegen diese Zahlen in einem öffentlichen Dokument: Apple hat für das Geschäftsjahr 2025 seinen ersten EU-Länderbericht nach der neuen Public Country-by-Country Reporting Richtlinie vorgelegt. Die Frage, warum die Marge so dünn ist, erklärt die Konzernstruktur.

Was die EU jetzt verlangt

Die Europäische Union hat mit der Richtlinie 2021/2101 ein Instrument geschaffen: eine gesetzliche Pflicht für multinationale Konzerne, ihre Ertragsteuerdaten länderbezogen öffentlich zu machen. Nicht mehr nur vertraulich an Finanzbehörden, sondern einsehbar für Bürger, Medien und Investoren. Das sogenannte Public Country-by-Country Reporting gilt für multinationale Konzerne mit Niederlassung in mindestens einem EU-Mitgliedstaat, die in den letzten zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren jeweils einen konsolidierten Umsatz von mehr als 750 Millionen Euro erzielt haben. Apple ist mit einem weltweiten Jahresumsatz von zuletzt über 415 Milliarden Dollar weit über dieser Schwelle.

Das Unternehmen hat jetzt für das Ende September 2025 abgeschlossene Geschäftsjahr erstmals einen solchen Bericht vorgelegt. Seit der Einführung vertraulicher Ländermeldepflichten im Jahr 2016 waren diese Daten nur Finanzbehörden zugänglich.

Was 7,7 Prozent Marge bedeuten

Die deutschen Zahlen sind der analytisch aufschlussreichste Teil des Berichts. 2,72 Milliarden Dollar Umsatz, aber nur 209 Millionen Dollar Vorsteuergewinn: Das ergibt eine Vorsteuer-Gewinnmarge von 7,7 Prozent. Apples globale Nettomarge (nach Steuern) liegt bei rund 27 Prozent. Ein iPhone kostet in Deutschland ähnlich wie in anderen Märkten. Die Preise sind vergleichbar, die ausgewiesene Marge in der offiziellen Buchführung nicht.

Der Grund liegt in der Konzernstruktur. Apples deutsche Tochtergesellschaft ist, wie für multinationale Konzerne bei solchen Konzernstrukturen typisch, als Vertriebsgesellschaft mit begrenztem Risiko (sog. Limited Risk Distributor) organisiert: Sie verkauft Produkte und erhält dafür eine vorab festgelegte Vergütung, die lokalen Kosten deckt plus eine dünne Marge. Die Rechte an Produkten, Marke und Software liegen in Irland. Lizenzgebühren für dieses geistige Eigentum entziehen der deutschen Einheit den Gewinn. 4.089 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland, davon mehr als 2.000 Ingenieure im European Silicon Design Center in München, erwirtschaften Umsatz. Den überwiegenden Teil der darauf entfallenden Gewinne bucht Apple anderswo.

Die Steuerrate auf den in Deutschland ausgewiesenen dünnen Gewinn liegt mit 153,5 Millionen Dollar Steuern auf 209 Millionen Dollar Vorsteuergewinn bei 73 Prozent, weit über dem kombinierten deutschen Unternehmensteuersatz (Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer) von rund 30 bis 33 Prozent. Die genaue Ursache für die ungewöhnlich hohe effektive Steuerrate auf den ausgewiesenen Gewinn ist unklar.

Der Irland-Effekt: 17 Milliarden in einem Jahr

Die größte Einzelzahl im Apple-Bericht kommt aus Irland: 17,08 Milliarden Dollar an tatsächlich gezahlten Steuern für das Geschäftsjahr 2025. Diese Summe klingt nach Buße. Sie ist keines. Sie setzt sich im Wesentlichen aus der Auflösung eines Treuhandkontos zusammen, in das Apple nach dem EU-Kommissionsbeschluss 2016 einzahlen musste. Der EuGH hatte endgültig entschieden, dass Irland Apple zwischen 1991 und 2014 unzulässige Steuervorteile gewährt hatte. Der Konzern zahlte rund 13 Milliarden Euro plus Zinsen nach; hinzu kommen reguläre irische Unternehmenssteuern des Jahres 2025. Diese Summe verzerrt die irischen Steuerzahlen des Jahres 2025 erheblich. In einem Normaljahr wäre die irische Steuerlast deutlich niedriger, obwohl Apple dort weiterhin einen erheblichen Teil seiner globalen Gewinne verbucht.

Was die Richtlinie sichtbar macht, aber nicht löst

Das Netzwerk Steuergerechtigkeit hat in einer Studie im Auftrag der Linksfraktion des Europäischen Parlaments berechnet, dass Apple seinen effektiven EU-Steuersatz zwischen 2015 und 2017 auf 0,7 bis 8,8 Prozent drückte, während der EU-Durchschnitt bei 21 Prozent lag. Entgangene Steuerzahlungen in dieser Periode: zwischen vier und 21 Milliarden Euro. Die neue CbCR-Offenlegung gibt diesen Schätzungen erstmals offiziell gemeldete Zahlen an die Hand.

Was die Richtlinie nicht verändert: die Grundstruktur. Ein Limited Risk Distributor mit 7,7 Prozent Marge ist nach geltendem EU-Recht korrekt, solange die Verrechnungspreise zwischen den Konzernteilen dem Fremdvergleichsgrundsatz entsprechen. Ob sie das tun, prüfen Finanzbehörden, nicht die Öffentlichkeit. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit hat wiederholt gefordert, dass neben mehr Transparenz auch die Substanzregeln verschärft werden müssten: Gewinne müssten stärker dort besteuert werden, wo Wertschöpfung tatsächlich stattfindet, also dort, wo Kunden kaufen und Ingenieure arbeiten. Politisch ist das auf OECD-Ebene unter dem Stichwort Pillar 1 seit Jahren im Gespräch; der Kern, die Verlagerung von Besteuerungsrechten auf Marktländer (Amount A), ist noch ohne Einigung.

Wenn Google, Amazon und Meta folgen

Apple hat für das Ende September 2025 abgeschlossene Geschäftsjahr einen EU-Länderbericht nach der neuen CbCR-Pflicht öffentlich vorgelegt. Weitere Konzerne wie Google, Amazon und Meta werden in den kommenden Monaten vergleichbare Berichte vorlegen müssen. Das ermöglicht erstmals einen systematischen Vergleich: Wie dünn sind die Gewinnmargen von Tech-Konzernen in großen EU-Märkten? Wie viel landet in Niedrigsteuerländern?

Die Zahlen werden keine neuen Fakten schaffen. Die Strukturen bestehen seit Jahrzehnten. Aber die öffentliche Sichtbarkeit schafft eine neue Grundlage für die Öffentlichkeit, die nun erstmals öffentliche Vergleichsdaten hat und für Parlamente, die über Reformen entscheiden. Die CbCR-Richtlinie gilt als erster Schritt. Der nächste wäre die Einigung auf gemeinsame Mindeststandards zur Gewinnzuordnung. Kritiker sehen den fehlenden politischen Willen in wichtigen Staaten, darunter traditionell steuergünstigen EU-Ländern, als zentrales Hindernis.

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