
Bosch produziert ab 2027 humanoide Roboter in Bühl
Quellen (9)
- FAZfaz.net
- Handelsblatthandelsblatt.com
- Badische Neueste Nachrichtenbnn.de
- The Robot Reporttherobotreport.com
- The Next Webthenextweb.com
- EU Startupseu-startups.com
- Humanoid (Pressemitteilung Series A)thehumanoid.ai
- Humanoid (HMND 01 Spezifikationen)thehumanoid.ai
- Humanoid (Schaeffler Deal)thehumanoid.ai
Im badischen Bühl, zwischen Schwarzwald und Rheinebene, soll ab August 2027 etwas Ungewöhnliches entstehen: die erste Serienproduktion humanoider Roboter in Europa. Bosch fertigt dort künftig für das Londoner Startup Humanoid. Das Bühl-Werk ist heute bekannt für elektrische Antriebe. In zwei Jahren soll hier eine Technologie in die Serienproduktion gehen, die gerade erst aus der Forschungsphase tritt.
Das Startup hinter dem Projekt
Humanoid wurde 2024 in London von Artem Sokolov gegründet, der zuvor das Fertigungsunternehmen seiner Familie auf einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar geführt hatte. Im Juli 2026 schloss das Unternehmen eine Series-A-Runde über 152 Millionen Dollar ab, bei einer Bewertung von 1,35 Milliarden Dollar. Das macht Humanoid nach eigenen Angaben zum ersten europäischen reinen Humanoide-Robotikunternehmen mit Einhorn-Status.
Investoren der Runde sind Prime Movers Lab, Bosch, Schaeffler, Fubon Financial Holding Venture Capital und Aglaé Ventures. Für EU Startups ist die Runde ein Signal, dass europäisches Kapital beginnt, in Humanoide-Robotik zu fließen, einem Feld, das bisher von US-amerikanischen und chinesischen Akteuren dominiert wird.
Radbasiert, nicht zweibeinig: Was HMND 01 wirklich ist
Der Name des Startups führt in die Irre. Das HMND 01 Alpha Wheeled ist kein zweibeiniger Roboter wie aus Science-Fiction-Filmen, sondern eine radbasierte Maschine. Das Gerät ist 220 Zentimeter hoch, wiegt 300 Kilogramm und fährt mit einem omnidirektionalen Radantrieb mit bis zu 7,2 Kilometern pro Stunde. Es hat 29 aktive Freiheitsgrade, austauschbare Hände (Fünf-Finger-Hand oder Parallelgreifer) und eine Nutzlast von 15 Kilogramm in bis zu zwei Meter Höhe. Die Betriebsdauer beträgt bis zu vier Stunden.
An Bord: ein NVIDIA Jetson Thor als Rechner und KinetIQ, ein proprietärer vierschichtiger KI-Stack. Der Robot Report beschreibt das Konzept als "mobile manipulator": ein Roboter auf Rädern mit menschenähnlichem Oberkörper für die Arbeit in Fabriken und Lagerhäusern. In einem Pilotversuch im Bühl-Werk im März 2026 bewegte ein HMND 01 Kisten verschiedener Größen und Gewichte selbstständig zwischen Förderband und Wagen.
Schaeffler als erster Großkunde
Den bisher bedeutendsten Auftrag erhielt Humanoid im Mai 2026. Schaeffler, der fränkische Automobil- und Industriezulieferer, unterzeichnete eine bindende Rahmenvereinbarung für den Einsatz von Tausenden Robotern in deutschen Fertigungsstätten. Erste Geräte sollen noch vor Jahresende 2026 live gehen.
Schaeffler steckt selbst in einer schwierigen Transformation: Das Unternehmen baut Stellen ab und verlagert Kapazitäten. Die Investition in autonome Robotik ist insofern Teil einer Strategie, die Fertigungskosten langfristig durch Automatisierung zu senken. The Next Web beschreibt die Beziehung zwischen Bosch, Schaeffler und Humanoid als industrielles Ökosystem: Bosch fertigt, Schaeffler kauft, beide investieren.
Das Bühl-Werk und was Bosch riskiert
Das Bosch-Werk in Bühl beschäftigt rund 2.700 Menschen, soll aber bis 2030 rund 1.200 Stellen abbauen. Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten, dass die neue Roboterlinie anfangs nur wenige Dutzend Mitarbeiter beschäftigen wird. Bosch sieht darin trotzdem eine strategische Investition: erhebliche Kapazitätsreserven im Werk und das Ziel, Referenzhersteller für eine Zukunftstechnologie zu werden.
Für Bosch ist das Engagement durchaus ein Risiko. Als Auftragsfertiger für ein Startup mit noch keinem Produkt in Serienreife bindet der Konzern Kapazitäten an eine Technologie, deren Markterfolg ungewiss ist. Das Handelsblatt verweist auf Analysten, die den Industrierobotik-Markt als eines der stärksten Wachstumsfelder der nächsten Dekade sehen. Treiber: Fachkräftemangel, steigende Lohnkosten in Europa und Asien sowie die zunehmende Nachfrage nach flexiblen Automatisierungslösungen.
Wann Bühl zum Referenzstandort wird
Laut FAZ sieht der Produktionsfahrplan vor: Beta-Version Ende 2026, das Gamma-Modell in Bühl ab August 2027, Massenproduktion ab 2028. Das Bühl-Werk wäre damit weltweit der erste Bosch-Standort, an dem der Konzern eine Humanoid-Technologie industrialisiert.
Die Konkurrenz ist nicht gering: Boston Dynamics, Figure AI, Agility Robotics und Tesla mit dem Optimus-Roboter arbeiten an ähnlichen Konzepten, meist mit Schwerpunkt auf zweibeinigen Systemen. Humanoids Wette auf Räder statt Beine ist eine bewusste Designentscheidung: Räder sind stabiler, energieeffizienter und in Industrieumgebungen mit ebenen Böden praktischer. Ob sich dieser Ansatz gegenüber bipedalen Systemen langfristig durchsetzt, wird der Markt entscheiden. Der erste Serientest findet ab 2027 in Bühl statt.
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