304 Buckelwale beim Fressen: Weltrekord vor Südafrika
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304 Buckelwale beim Fressen: Weltrekord vor Südafrika

Am 30. Dezember 2025 fotografierte Naturfotograf Chris Fallows 304 Buckelwale beim gemeinsamen Fressen vor Dassen Island nahe Kapstadt und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Wissenschaftler sehen die Supergruppen als lebenden Beweis für den Erfolg des internationalen Walfangverbots von 1986.

24. Juni 2026, 16:41 Uhr 730 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Vor Dassen Island an der südafrikanischen Westküste war das Meer am 30. Dezember 2025 schwarz vor Walen. Naturfotograf Chris Fallows zählte 304 Buckelwale beim gemeinsamen Fressen, mehr als jemals zuvor bei einer solchen Sichtung dokumentiert wurden. Der bisherige Rekord lag bei rund 200 Tieren aus dem Jahr 2014. Dass solche Zahlen überhaupt möglich sind, ist einer politischen Entscheidung von 1986 zu verdanken.

1950er bis 1985: Die Jagd und der Beinahe-Kollaps

Buckelwale wurden in der modernen Walfangperiode massiv gejagt. Zwischen 1903 und 1973 töteten kommerzielle Walfänger nach Schätzungen allein in der Südlichen Hemisphäre rund 216.000 Buckelwale. Die östliche australische Population, die in den 1830er Jahren bei rund 27.000 Tieren lag, brach Mitte der 1960er Jahre auf knapp 100 Tiere ein. In manchen regionalen Populationen fielen die Bestände um mehr als 95 Prozent.

buckelwale

Die Internationale Walfangkommission (IWC) schützte Buckelwale bereits ab 1966 vor gezielter Bejagung. Doch der globale kommerzielle Walfang lief weiter. Das entscheidende Instrument kam 1986: Das IWC-Moratorium trat in Kraft und verbot die industrielle Jagd weltweit.

1986 bis 2011: Das Moratorium und die Rückkehr

Buckelwale brauchen Zeit zur Erholung. Weibchen werden erst mit 5 bis 7 Jahren geschlechtsreif und bekommen in der Regel alle zwei bis drei Jahre ein Kalb. Die Trendlinie nach dem Moratorium ist eindeutig: Die globale Buckelwalpopulation liegt heute laut IWC-Schätzungen bei bis zu 125.000 Tieren. NOAA Fisheries beziffert den Bestand auf rund 84.000 Individuen, abhängig von der Berechnungsmethode. Die östliche australische Population, die auf knapp 100 Tiere gesunken war, zählt heute über 50.000 Tiere.

Als die Populationen in der Südlichen Hemisphäre zunahmen, veränderte sich das beobachtete Verhalten. Buckelwale galten als Einzeltiere oder kleine Gruppen in Fütterungsgebieten. Ab 2011 dokumentierten Forscher vor der Westküste Südafrikas Ansammlungen, die dieses Bild nicht mehr passten.

Seit 2011: Supergruppen als neues Verhalten

Die Forscherin Ekaterina Seyboth und ihr Team werteten das Phänomen 2025 im Fachjournal Marine Mammal Science aus (DOI: 10.1111/mms.70018). Ihre Datenbank umfasst 239 dokumentierte Supergruppen-Ereignisse von Juli 2015 bis Juni 2022 an der südafrikanischen Westküste. Wissenschaftlich gilt eine Ansammlung ab 20 Tieren innerhalb von fünf Körperlängen Abstand als Supergruppe.

Den Rekord hielt bis Dezember 2025 eine Sichtung von rund 200 Tieren aus dem Jahr 2014 südwestlich von Dassen Island. Am 29. Dezember 2025 fotografierte Fallows 208 Buckelwale, am 30. Dezember 304. Die Identität der Individuen wurde über Happywhale bestätigt, eine Bürgerforschungsplattform mit KI-gestützter Flossenmustererkennung: Jeder Wal lässt sich anhand seiner einzigartigen Schwanzflosse identifizieren.

artenschutz

Seyboth et al. nennen zwei Hypothesen für das Auftreten von Supergruppen: Veränderte Krillvorkommen könnten neue Fressgründe attraktiver gemacht haben. Die aktuell besser gestützte Erklärung ist, dass wachsende Populationen Buckelwale in alternative Fressgründe drängen, wobei das produktive Benguela-Ökosystem an der südafrikanischen Westküste besonders viele Tiere anzieht.

Im Vergleich: Andere Walarten auf unterschiedlichen Wegen

Der Nordatlantische Glattwal zeigt, wie unterschiedlich Erholungsverläufe sein können: Trotz jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen zählt er heute rund 380 bis 384 Individuen; der Bestand gilt als kritisch gefährdet. Der Buckelwal profitierte von einem konsequent durchgesetzten globalen Moratorium und verteilten Wanderrouten. Beim Glattwal bestehen weiterhin Schiffsanfahrungen und Verstrickungen in Fischereiausrüstung als Hauptbedrohungen.

Der Iberische Luchs an Land bietet eine Parallele im Artenschutz: 2002 gab es weniger als 100 frei lebende Tiere in Spanien und Portugal. 2024 zählte die IUCN über 2.000 Individuen. Der Mechanismus war in beiden Fällen ähnlich: konsequente Reduktion der Hauptbedrohung, gesetzlich verankert und über Jahrzehnte durchgesetzt. Beim Luchs war es die Bejagung kombiniert mit Lebensraumverlust, beim Buckelwal die direkte Jagd.

Was den Erfolg der Buckelwale gefährdet

Seit 2016 gilt der Buckelwal auf der IUCN-Roten Liste als „nicht gefährdet“, was im Meeresschutz selten ist. Einige regionale Populationen, insbesondere im ozeanischen Raum, stehen weiterhin als gefährdet. WWF warnte 2026 anlässlich des vierzigjährigen Jubiläums des Walfangmoratoriums, dass der Klimawandel die Krillvorkommen der Antarktis, Hauptnahrung der Buckelwale, unter Druck setzt.

Das Moratorium selbst ist keine Garantie: Japan trat 2019 aus der IWC aus und nahm den kommerziellen Walfang in seinen Gewässern wieder auf. Norwegen und Island setzen das Moratorium ebenfalls nicht um. Weltweit werden jährlich noch rund 1.000 Wale aller Arten getötet. Für Buckelwale ist das numerisch kein existenzielles Problem, solange die großen Populationen weiter wachsen. Aber die Grundlage, auf der Wiederaufstieg beruht, das internationale Verbot, ist fragiler als die Zahlen es nahelegen.

Quellen (8)

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