Claude Guillemot: Ubisoft-Mitgründer stirbt bei Absturz
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Claude Guillemot: Ubisoft-Mitgründer stirbt bei Absturz

Claude Guillemot, 69, einer der fünf Ubisoft-Gründer, starb am 19. Juni beim Flugzeugabsturz nahe La Baule. Sein Tod trifft einen Konzern, der ohnehin kämpft: 1,3 Milliarden Euro operativer Verlust, 85 Prozent Aktienrückgang.

21. Juni 2026, 22:40 Uhr 807 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Claude Guillemot war der Mann, der Ubisoft baute, ohne je im Rampenlicht zu stehen. Er koordinierte die Betriebsführung, leitete die Gründerfamilien-Holdings und hielt die operative Seite des Konzerns zusammen, während sein Bruder Yves die Pressekonferenzen hielt. Am Freitagabend, dem 19. Juni 2026, starb er mit 69 Jahren beim Absturz seiner Cessna 421 nahe La Baule an der Atlantikküste. Sein Tod stellt ein Unternehmen vor neue Fragen, das ohnehin unter dem schwersten Verlust seiner Geschichte leidet: 1,3 Milliarden Euro operativer Verlust, 85 Prozent Aktienrückgang, Teilverkauf an Tencent.

Fünf Brüder, ein Versandhandel, ein Weltkonzern

Die Geschichte beginnt 1986 im bretonischen Carentoir, einer Kleinstadt mit wenigen tausend Einwohnern. Claude, Michel, Yves, Gérard und Christian Guillemot gründeten dort zunächst einen Vertrieb für Spielsoftware, aus dem Ubisoft hervorging. Bereits 1984 hatten die Brüder mit einem Versandhandel für Videospiele angefangen, der ihnen die Branchenkontakte und das Kapital für den nächsten Schritt verschaffte. Was als Familienunternehmen in der Provinz begann, wuchs zu einem der größten Spielehersteller Europas: Assassin's Creed, Far Cry, Rainbow Six, Rayman.

Claude Guillemot übernahm dabei die operative Seite des Unternehmens. Als stellvertretender CEO saß er im Verwaltungsrat und verantwortete die Betriebsführung. Sein Bruder Yves übernahm das öffentliche Gesicht des Konzerns. Claude agierte lieber im Hintergrund. Bekannt unter Gaming-Enthusiasten ist sein Name vor allem durch die Guillemot Corporation, deren Vorsitzender er war: Hersteller der Peripheriemarken Hercules und Thrustmaster, die Joysticks, Lenkräder und Headsets für Flugsimulationen und Rennsport produzierten.

Cessna 421 beim Landeanflug abgestürzt

Am Freitagabend des 19. Juni 2026 war Guillemot zusammen mit einem Fluglehrer in einer Cessna 421 unterwegs. Das zweimotorige Propellerflugzeug stürzte beim Landeanflug auf den Flugplatz La Baule-Escoublac in einem Feld ab. Beide Insassen kamen ums Leben. La Baule liegt an der Atlantikküste im Département Loire-Atlantique und gilt als einer der größten Seebadeorte Frankreichs; Guillemot besaß dort ein Ferienhaus. Die Absturzursache war zunächst ungeklärt, die französischen Ermittlungsbehörden nahmen ihre Arbeit auf.

Ubisoft reagierte noch am selben Abend mit einer offiziellen Stellungnahme: "Ubisoft ist tief betroffen vom Tod von Claude Guillemot, Mitgründer des Unternehmens und Vorsitzender der Guillemot Corp. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen in dieser schweren Zeit."

Ubisoft in der schwersten Krise der Firmengeschichte

Der Tod von Claude Guillemot fällt in die dunkelste Phase der Unternehmensgeschichte. Im Geschäftsjahr 2025/26 meldete Ubisoft einen operativen Rekordverlust von 1,3 Milliarden Euro. Die Aktie des an der Euronext Paris notierten Konzerns notiert bei rund vier Euro, rund 85 Prozent unter dem Allzeithoch. In den vergangenen Monaten strich das Management sechs Spieleprojekte, verschob sieben weitere und schloss zwei Studios.

Im November 2025 versuchte Ubisoft, sich durch einen Teilverkauf zu stabilisieren: Der chinesische Technologiekonzern Tencent erhielt für 1,16 Milliarden Euro einen Anteil von rund 26 Prozent an der neu gegründeten Tochtergesellschaft Vantage Studios. Dort gebündelt sind Ubisofts wertvollste Marken: Assassin's Creed, Far Cry und Tom Clancy's Rainbow Six. Laut Bloomberg hält Tencent außerdem einen direkten Anteil von zehn Prozent an Ubisoft selbst und ist über weitere Vereinbarungen mit der Familienholding verbunden.

Was die Guillemots verlieren

Die Guillemot-Familie ist mit etwa 15 Prozent der Anteile der größte Einzelaktionär von Ubisoft. Ihre Kontrolle ruht nicht nur auf diesem Anteil, sondern auf einem Geflecht aus Familienholdings und Stimmrechten, das den Konzern bislang vor feindlichen Übernahmen schützte. Jeder der fünf Brüder hatte dabei ein eigenes Gewicht in den familieninternen Entscheidungen. Dieses Konstrukt ist nun um eine Stimme ärmer.

Mit dem Tencent-Deal vom November 2025 ist Tencent tief in die Eigentumsstruktur des Konzerns eingedrungen. Welche erbrechtlichen und gesellschaftsrechtlichen Konsequenzen Claudes Tod für die Verteilung der Stimmrechte innerhalb der Familie hat, ist öffentlich noch nicht bekannt. Klar ist: Ubisoft ist eines der wenigen europäischen Technologieunternehmen, das über Jahrzehnte auf Augenhöhe mit amerikanischen und japanischen Studios konkurrieren konnte. Ob die Gründerfamilie die Kontrolle nach dem Tod eines ihrer Mitglieder und mitten in der tiefsten Krise ihrer Geschichte behalten kann, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

Update 23. Juni, 19:05 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Saint-Nazaire hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet, wie die Behörden mitteilten. Das Flugzeug war am Freitagabend gegen 17:50 Uhr abgestürzt; es hatte zuvor von Rennes gestartet, wo Guillemot seinen Wohnsitz hatte. Die genaue Absturzursache bleibt weiterhin ungeklärt.

Quellen (10)

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