20 Millionen Elektroautos: Jeder vierte Neuwagen elektrisch
China verkaufte 2025 fast so viele Elektroautos wie der Rest der Welt zusammen. Und das globale Bild war trotzdem eindeutig: Weltweit überstiegen die Verkäufe von Elektroautos und Plug-in-Hybriden erstmals die Marke von 20 Millionen, ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2024 und jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug hatte einen Steckeranschluss. Das ergibt der Global EV Outlook 2026 der Internationalen Energieagentur IEA. Während China und Europa die Wende anführen, sanken die EV-Verkäufe in den USA.
Fünf Jahre Wachstum mit System
Die 20-Millionen-Marke ist der bislang deutlichste Schritt einer langen Wachstumskurve. Seit 2021 legten die globalen EV-Verkäufe nach IEA-Daten in jedem Jahr um rund 3,5 Millionen Fahrzeuge zu, was die Agentur als fünften konsekutiven Anstieg in Folge beschreibt. 2015 wurden weltweit noch unter einer Million Elektrofahrzeuge verkauft. 2025 waren es mehr als 20 Millionen. Dieser Anstieg verlief schneller als die meisten IEA-Prognosen der vergangenen Jahre vorhergesagt hatten.

Die Dynamik begrenzt sich nicht mehr auf Pioniermärkte. Schwellenländer außerhalb Chinas verzeichneten 2025 ein Wachstum der EV-Verkäufe um 80 Prozent. In Indien wurden 2,3 Millionen Elektrofahrzeuge aller Kategorien zugelassen, 75 Prozent mehr als 2024. Vietnam, wo einheimische Hersteller erschwingliche Einstiegsmodelle produzieren, erreichte einen EV-Anteil von über 40 Prozent an den Neuzulassungen.
China dominiert, Europa holt auf, die USA fallen zurück
Das stärkste Kontrastbild liefert ein Vergleich der drei größten Märkte. In China wurden 2025 fast 13 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft, was einem Marktanteil von fast 55 Prozent entspricht. Jedes zweite in China neu zugelassene Auto hat einen Stecker. Auf chinesischen Straßen fahren inzwischen rund 44 Millionen Elektrofahrzeuge, 13 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands. Chinas Wachstumsrate verlangsamte sich geringfügig, unter anderem wegen einer vorübergehenden Aussetzung des staatlichen Tauschprämienprogramms. Die Grunddynamik blieb stabil.
Europa wuchs um mehr als 30 Prozent und erreichte einen Marktanteil von 28 Prozent. Deutschland legte nach einer langen Schwächephase um 50 Prozent zu, getrieben durch neue Kaufprämien und die verschärften EU-CO2-Flottengrenzwerte, die ab 2025 deutlich strenger gelten. Spanien und Italien entwickelten sich nach Neuauflage von Subventionsprogrammen ähnlich. In Großbritannien überstieg der EV-Anteil erstmals die Marke, ab der jedes dritte neu zugelassene Fahrzeug elektrisch ist.
Das Gegenbild sind die USA. Dort sanken die Verkäufe gegenüber 2024. Im vierten Quartal 2025 allein lagen sie 45 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum, laut Analyse von Rest of World auf Basis der IEA-Daten. Die Ursache ist eine politische Kehrtwende: Die Trump-Regierung hob das von Biden verankerte Ziel auf, bis 2030 den EV-Anteil an Neuzulassungen auf 56 Prozent zu steigern. Das sogenannte „One Big Beautiful Bill“-Gesetz schaffte den Steuervorteil beim EV-Kauf ab September 2025 ab. Zusätzlich soll eine jährliche Gebühr von 250 Dollar für EV-Besitzer eingeführt werden. Ende 2025 lag der US-EV-Marktanteil bei knapp unter zehn Prozent, weit unter dem globalen Durchschnitt von 25 Prozent.
Was der Solarpreis-Verfall lehrt
Die Wachstumskurve der Elektromobilität folgt einem Muster, das Energieökonomen aus anderen Technologietransitionen kennen. Als Referenzpunkt gilt die Solarbranche: 1976 kostete ein Watt Solarleistung noch rund 100 US-Dollar. 2024 lag der Preis laut Lazard Levelized Cost of Energy Analysis bei unter 0,30 Dollar, ein Rückgang von mehr als 99 Prozent in weniger als fünfzig Jahren. Solarstrom gilt heute in den meisten Regionen der Welt als die günstigste Stromerzeugungsform. Dänemark bezog in den 1980ern fast seinen gesamten Strom aus fossilen Quellen und liegt 2024 bei über 80 Prozent aus Wind und Sonne.
Bei Elektroautos befindet sich die Kostenkurve nach dieser Lesart noch in der mittleren Phase. Chinesische Hersteller bieten Einstiegsmodelle für unter 10.000 Euro an, ein Preisniveau, das in Europa bis vor kurzem als für batterieelektrische Fahrzeuge unerreichbar galt. In einzelnen Märkten Lateinamerikas und Südostasiens halten chinesische Marken bereits bis zu 85 Prozent des EV-Marktes, laut Angaben der IEA. Der EU-Zoll von 25 bis 35 Prozent auf chinesische Elektrofahrzeuge begrenzt diesen Effekt in Europa, schirmt aber auch heimische Hersteller vor dem stärksten Preisdruck ab.
23 Millionen für 2026 und was danach?
Die IEA prognostiziert für 2026 global 23 Millionen Elektroauto-Verkäufe, was einem Marktanteil von 28 Prozent entspräche. Der Sprung von 25 auf 28 Prozent innerhalb eines Jahres wäre der stärkste, den der Markt je erlebt hätte. Treiber sind die weiter verschärften Flottengrenzwerte in Europa und anhaltendes Wachstum in Schwellenländern.
Offen bleibt, ob das globale Wachstumstempo für die Klimaziele ausreicht. Auf der Welt fahren heute rund 1,5 Milliarden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ein neuer Pkw wird im Schnitt zwölf bis fünfzehn Jahre gefahren. Die 20 Millionen neuen Elektrofahrzeuge von 2025 entsprechen etwa 1,3 Prozent dieses Bestands. Die Wende hat begonnen, der globale Markt zeigt das deutlich. Wie schnell die alte Flotte tatsächlich erneuert wird, entscheidet über die reale Klimawirkung dieser Zahlen.
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