KI findet 10.000 neue Planeten in alten TESS-Daten
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KI findet 10.000 neue Planeten in alten TESS-Daten

Zwei KI-gestützte Analysen von NASA-TESS-Daten haben 10.091 neue Exoplanetenkandidaten entdeckt und 118 davon als echte Planeten bestätigt. Die Modelle durchsuchten Lichtkurven von bis zu 80 Millionen Sternen, die für Astronomen bislang nicht manuell auswertbar waren.

11. Mai 2026, 17:08 Uhr 590 Wörter · 3 Min. Lesezeit

In Datensätzen, die seit 2018 auf NASA-Servern lagen, haben zwei Forscherteams insgesamt 10.091 neue Exoplanetenkandidaten entdeckt; eine zweite Studie validierte unabhängig davon 118 weitere Kandidaten als echte Planeten. Die Studien, beide am 28. April 2026 im Astrophysical Journal Supplement Series veröffentlicht, zeigen wie künstliche Intelligenz die Planetensuche verändert: nicht indem sie Astronomen ersetzt, sondern weil sie Datenmengen auswertet, die für menschliche Analyse schlicht zu groß sind.

Wie die T16-Studie und RAVEN vorgingen

Die Princeton-Gruppe um das T16 Planet Hunt Team analysierte die Lichtkurven von rund 80 Millionen Sternen aus dem ersten Beobachtungsjahr des NASA-Teleskops TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite). Wenn ein Planet vor seinem Stern vorüberzieht, dimmt die Helligkeit des Sterns messbar, ein sogenannter Transit. In den Daten dieser 80 Millionen Sterne identifizierte die KI 10.091 Kandidaten, die zuvor niemand registriert hatte. Einen von ihnen, TIC 183374187 b, bestätigte das Magellan Clay Teleskop am Las Campanas Observatory in Chile als heißen Gasplaneten in der Masse des Jupiter.

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Eine zweite Studie mit dem Algorithmus RAVEN setzte auf einen anderen Datensatz: 2,26 Millionen sonnenähnliche Sterne aus den ersten vier Beobachtungsjahren von TESS (Sektoren 1 bis 55). RAVEN wurde an Hunderttausenden realistischer Simulationen trainiert und lieferte 118 neu validierte Planeten. Der entscheidende Vorteil gegenüber früheren Methoden laut Studienautoren: Die Unsicherheit bei der Planetencharakterisierung reduziert sich um bis zu den Faktor zehn im Vergleich zur Kepler-Ära.

Was die KI sieht, was Menschen übersahen

Das Problem bei manueller Analyse ist die schiere Datenmenge. TESS beobachtet kontinuierlich Sektoren des Himmels und erzeugt dabei Lichtkurven für Millionen von Sternen. Klassische Algorithmen wurden auf Sterne mittlerer Helligkeit optimiert und filterten schwächere Objekte als Rauschen heraus. Die neuen KI-Modelle erkennen auch schwache, unregelmäßige Transitsignale und Planeten die sehr nahe an ihren Sternen kreisen, Umlaufzeiten unter einem Tag inklusive. Diese ultraengen Orbits waren in früheren Katalogen systematisch unterrepräsentiert.

Für das T16-Team war das Ziel dabei explizit nicht, eine perfekte Kandidatenliste zu erstellen, sondern die Statistik der Planetenpopulation zu verbessern. Wenn bekannt ist wie häufig bestimmte Planetentypen sind und welche Sterntypen sie beherbergen, lassen sich Vorhersagen über die Häufigkeit erdähnlicher Planeten in bewohnbaren Zonen machen.

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Im Vergleich: Was frühere Missionen erreichten

Das Kepler-Weltraumteleskop hat zwischen 2009 und 2018 rund 2.662 Planeten bestätigt, die beste Einzelausbeute einer NASA-Mission bis dahin. TESS, das seit 2018 läuft, hat bis zum Start der neuen Studien bereits über 400 Planeten bestätigt und gilt als Keplers Nachfolger für den gesamten Himmel. Die Auswertung des ersten TESS-Beobachtungsjahres allein liefert nun 10.091 neue Kandidaten: Wenn auch nur ein Zehntel davon bestätigt wird, entspräche das rund 40 Prozent von Keplers Gesamtausbeute aus einem einzigen Jahr Rohdaten.

Zur Einordnung: Die Milchstraße enthält schätzungsweise 100 bis 400 Milliarden Sterne. Bisherige Studien legen nahe, dass statistisch jeder Stern im Durchschnitt mindestens einen Planeten besitzt. Die Frage ob unter diesen Milliarden von Planeten erdähnliche Welten in bewohnbaren Zonen existieren, ist damit keine philosophische mehr, sondern eine Frage der Messpräzision.

Wie aus 10.000 Kandidaten echte Planeten werden

Von Kandidat zu bestätigtem Planeten ist ein mehrjähriger Weg. Bodengebundene Teleskope müssen die Transitsignale bestätigen und durch Radialgeschwindigkeitsmessungen sicherstellen, dass die Verdunkelung tatsächlich von einem Planeten kommt und nicht von einem Begleitstern oder einem Instrumentenartefakt. Für die 10.091 neuen Kandidaten aus T16 hat das bislang nur bei TIC 183374187 b funktioniert. RAVEN hat 118 Kandidaten durch internes Cross-Matching und Simulationsvergleich als echt klassifiziert, Bodenbeobachtungen stehen noch aus. Das European Extremely Large Telescope (ELT) in Chile, dessen Betrieb 2028 beginnen soll, wird Spektralanalysen ermöglichen, die Atmosphären von erdgroßen Exoplaneten direkt messen können. Die 10.000 neuen Kandidaten aus TESS liefern das Reservoir an Zielen für die nächste Generation von Instrumenten.

Quellen (5)

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