FIFA-Krise: Frankreich und Österreich gegen Infantino
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FIFA-Krise: Frankreich und Österreich gegen Infantino

Frankreich und Österreich haben Gianni Infantino die Unterstützung für die FIFA-Wahl im März 2027 entzogen. Rund zehn europäische Verbände stehen nun gegen den Präsidenten, die UEFA bereitet eine Strafanzeige vor.

Quellen (8)
  1. Euronews: Französischer Fußballverband entzieht Infantino Unterstützungde.euronews.com
  2. Sportschau: Frankreich gegen Wiederwahl von Infantinosportschau.de
  3. NW.de: Nächster Fußball-Verband wendet sich von Infantino ab (Österreich)nw.de
  4. Sport1: UEFA macht gegen Infantino ernst, Neuendorf kündigt Wegmarken ansport1.de
  5. Eurosport: Montagliani als Gegenkandidat gehandelteurosport.de
  6. Sportschau: Infantino kündigt Kandidatur in Vancouver ansportschau.de
  7. Deutschlandfunk: Nächster Fußball-Verband wendet sich von Infantino abdeutschlandfunk.de
  8. Neunzigplus: FIFA-Wahl 2027, UEFA sucht Gegenkandidatenneunzigplus.de
13. September 2026, 7:15 Uhr732 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Zehn europäische Fußballverbände stehen seit Anfang September 2026 gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino. Als jüngste haben Frankreich und Österreich ihre Unterstützung für seine Wiederwahl im März 2027 entzogen. Die UEFA eskaliert: Eine Strafanzeige in der Schweiz ist in Vorbereitung, im Oktober treffen sich in Berlin alle 55 europäischen Verbandsvertreter zur Strategieabstimmung. Trotzdem rechnet Infantino öffentlich mit seiner Wiederwahl und strukturell hat er eine Rechnung, die aufgeht.

Frankreich bricht mit zehn Jahren Infantino-Unterstützung

Am 11. September beschloss das Exekutivkomitee des Französischen Fußballverbandes (FFF), Infantino die Unterstützung zu entziehen. FFF-Präsident Philippe Diallo hatte Infantinos Kernprojekt, den FIFA Forward Enterprise-Deal (FFE), bereits im Sommer öffentlich kritisiert. Der Plan sah vor, 20 Prozent der Anteile an einer neuen kommerziellen FIFA-Tochtergesellschaft (FFE), die Wettbewerbsrechte bündeln sollte, für 4,2 Milliarden Dollar an private Investoren zu verkaufen. Infantino hatte das Vorhaben am 1. August unter dem Druck europäischer, asiatischer sowie nord-, mittel- und südamerikanischer Verbände gestoppt. Das FFF-Exekutivkomitee sprach von einem „Vertrauensbruch" und verwies auf Ereignisse, die im Widerspruch zu „grundlegenden Prinzipien guter Governance" stünden. Diallo kritisierte, der Vorschlag sei „ohne Konsultation und ohne jede Information" präsentiert worden. Damit endet mehr als ein Jahrzehnt französischer Unterstützung für Infantino.

Einen Tag später folgte Österreich. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) erklärte nach einer Präsidiumssitzung, eine erneute Kandidatur Infantinos nicht zu unterstützen. Die Begründung: „Die Vorwürfe wurden bislang weder glaubhaft aufgeklärt noch entkräftet." Der ÖFB stehe „vollinhaltlich und felsenfest hinter der gemeinsamen Linie der UEFA".

Die Koalition der Zehn

Frankreich und Österreich schließen sich einer wachsenden europäischen Front an. Vor ihnen hatten sich bereits Norwegen, England, Schweden, Wales, Serbien, Italien und die Niederlande von Infantino distanziert, mehrere hatten bereits ausgestellte Unterstützungsschreiben förmlich zurückgezogen. Insgesamt stehen damit rund zehn europäische Verbände gegen den Präsidenten, wie die Sportschau berichtet. Europa stellt 55 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände und ist als Bloc so geschlossen wie selten zuvor gegen einen amtierenden Präsidenten vereint.

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin führt die Opposition an. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, zugleich Mitglied des FIFA-Rats, kündigte an, die UEFA werde bei Sitzungen Mitte September und Anfang Oktober „weitere Wegmarken" setzen. Am 15. September tagen das UEFA-Exekutivkomitee und der FIFA-Rat in Thessaloniki. Am 8. und 9. Oktober treffen sich in Berlin alle Präsidenten und Generalsekretäre der 55 UEFA-Mitgliedsverbände, um die gemeinsame Strategie festzulegen. Neuendorf formulierte die Linie: „Die FIFA muss grundlegend und umfassend reformiert werden."

Für den deutschen Fußball ist die Debatte keine abstrakte Governancefrage. Der DFB spielt in FIFA-Wettbewerben, die Nationalmannschaft nimmt an der WM teil und deutsche Erstligaklubs tragen Spieler, die für Nationalteams aus allen Kontinenten eingesetzt werden. Wer die FIFA kontrolliert, entscheidet über Spielkalender, WM-Vergabe und Preisgelder. Die Kritik von FFF-Präsident Diallo, dass die Nationalmannschaften im Vergleich zur FIFA-Klub-WM drastisch niedrigere Preisgelder erhalten, trifft auch den DFB.

Strafanzeige und Gegenkandidatur: Der nächste Eskalationsschritt

Über symbolische Distanzierungen hinaus bereitet die UEFA eine Strafanzeige gegen Infantino in der Schweiz vor. Die UEFA hat angekündigt, Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsführung nach Artikel 158 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs einzureichen; einen konkreten Einreichungstermin nannte sie bisher nicht. Im August hatten britische Medien Vorwürfe aus Infantinos Zeit als UEFA-Generalsekretär veröffentlicht, die Infantino als „kategorisch unwahr" zurückwies.

Parallel dazu rückt ein Gegenkandidat in den Vordergrund. Als aussichtsreichster Name gilt Victor Montagliani, Präsident des nord- und zentralamerikanisch-karibischen Verbandes CONCACAF, der seit Wochen Sondierungsgespräche führt. UEFA, CONCACAF und der asiatische Verband AFC haben eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Drei der sechs FIFA-Konföderationen stehen damit öffentlich gegen Infantino. Die Nominierungsfrist für Präsidentschaftskandidaten läuft am 18. November 2026 ab.

Infantinos Rechnung: Die Mehrheit liegt jenseits Europas

Infantino hat seine Kandidatur am 30. April 2026 auf dem FIFA-Kongress in Vancouver offiziell angekündigt und äußert keine öffentlichen Zweifel an seiner Wiederwahl. Sein Kalkül beruht auf der Abstimmungsarithmetik: Bei FIFA-Wahlen zählt jeder der 211 Mitgliedsverbände eine Stimme, unabhängig von Größe oder wirtschaftlichem Gewicht. Die für eine Mehrheit benötigten 106 Stimmen lassen sich mathematisch ohne Europa erreichen: Der afrikanische CAF-Dachverband stellt 54 Verbände, CONMEBOL (Südamerika) 10, der AFC (Asien) 47, CONCACAF 35 und OFC (Ozeanien) 11.

Infantino hat in mehr als zehn Amtsjahren Förderprogramme für kleinere Verbände systematisch ausgebaut, die eine strukturelle Abhängigkeit von FIFA-Geldern erzeugen. Wer auf FIFA-Entwicklungshilfe angewiesen ist, stimmt historisch für denjenigen, der sie verwaltet. Ob diese Loyalitäten standhalten, wenn eine Strafanzeige im Raum steht, drei Konföderationen gemeinsam gegen ihn auftreten und der Berliner Gipfel am 8. Oktober die europäische Strategie schärft, wird die Nominierungsfrist am 18. November zeigen. Die FIFA-Wahl findet am 18. März 2027 in Rabat statt.

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