Hormus: IRGC beschießt Tanker unter US-Luftschutz
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Hormus: IRGC beschießt Tanker unter US-Luftschutz

Der US-Luftschirm über der Straße von Hormus hat seinen ersten Test nicht bestanden: Die iranische Revolutionsgarde beschoss am frühen Freitagmorgen zwei Öltanker trotz amerikanischer Luftbegleitung und brachte sie zum Stillstand. Vier weitere Schiffe drehten um. Rohöl notiert erstmals über 100 Dollar pro Barrel.

Quellen (10)
  1. Washington Timeswashingtontimes.com
  2. Iran Internationaliranintl.com
  3. Times of Israeltimesofisrael.com
  4. IranWireiranwire.com
  5. Tasnim News Agencytasnimnews.ir
  6. Pravda Deutschland (29.7.)germany.news-pravda.com
  7. Free Malaysia Todayfreemalaysiatoday.com
  8. CNBCcnbc.com
  9. Euronewseuronews.com
  10. Lloyd's List Intelligencelloydslistintelligence.com
31. Juli 2026, 22:04 Uhr812 Wörter · 5 Min. Lesezeit

In der Straße von Hormus eskaliert der Streit um die Durchfahrtsrouten. Die iranische Revolutionsgarde (IRGC) hat am frühen Freitagmorgen zwei Öltanker beschossen, die auf der von den USA unterstützten südlichen Korridorroute durch die Meerenge fuhren und dabei unter amerikanischem Luftschutz standen. Vier weitere Tankschiffe drehten daraufhin sofort um. Es ist das erste Mal seit Kriegsbeginn, dass der Iran Schiffe direkt angreift, die von einer US-Lufteskorte begleitet wurden.

Zwei Routen durch das Nadelöhr der Weltwirtschaft

Seit dem Kriegsbeginn am 28. Februar 2026, als US-amerikanische und israelische Luftangriffe iranische Militäreinrichtungen trafen, hat die IRGC den Durchgang durch die Straße von Hormus unter ihre Kontrolle gestellt. Iran fordert von Schiffen eine Genehmigung und Transitgebühren, bevor sie die Meerenge passieren dürfen. Die erlaubte Route verläuft nahe an der iranischen Küste durch iranische Hoheitsgewässer.

Das US-Zentralkommando CENTCOM lehnt diese Kontrolle ab. Es besteht darauf, dass Iran die internationale Schifffahrtsroute nicht kontrolliert und unterstützt eine alternative Route entlang der Küste von Oman, den sogenannten südlichen Korridor. Seit dem 6. Juli begleiten US-Kriegsschiffe und Begleitflugzeuge Tanker auf dieser Route. Das US-Militär hat in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben zehn Nächte in Folge iranische Militärstellungen entlang des Persischen Golfs bombardiert, um die Drohkapazität des Iran einzuschränken.

Mindestens neun Schiffe wurden seit dem 6. Juli bei Durchfahrtsversuchen angegriffen. Viele Tanker schalten ihre Transponder ab, um ihre Route nicht preiszugeben. Doch der Ölmarkt reagiert trotzdem: Der Rohölpreis notiert über 100 Dollar pro Barrel.

Was in der Frühe des 31. Juli geschah

Zwei Öltanker befuhren in den frühen Morgenstunden die von CENTCOM unterstützte Strecke entlang der omanischen Küste. Laut einer Erklärung der IRGC fuhren die Schiffe auf „einer nicht genehmigten Route" und wurden dabei vom US-amerikanischen Zentralkommando „ermutigt" sowie durch eine US-Lufteskorte begleitet. Die IRGC beschoss beide Tanker und brachte sie zum Stillstand.

Vier weitere Schiffe, die sich ebenfalls im Bereich des südlichen Korridors befanden, drehten nach dem Beschuss sofort um und kehrten auf die von Iran autorisierte Strecke zurück, so die IRGC-Mitteilung. Angaben über Besatzungsmitglieder, Ladung oder den genauen Zustand der beschossenen Tanker lagen zunächst nicht vor. Bereits am 29. Juli hatte die IRGC nach eigenen Angaben drei weitere Tanker auf ähnlicher Route gestoppt.

Die erste direkte Herausforderung des US-Luftschirms

Der Angriff markiert eine qualitative Eskalation. Bislang hatte die IRGC Tanker angegriffen, die eigenständig und ohne Militärschutz die nicht autorisierte Route nutzten. Zum ersten Mal benennt der Iran Zielschiffe ausdrücklich als unter amerikanischem Luftschutz stehend und greift trotzdem an. Die Botschaft ist eindeutig: Die US-Lufteskorte schützt Tanker vor dem IRGC-Beschuss nicht.

CENTCOM hat öffentlich bislang nicht auf den heutigen Angriff reagiert. Das Kommando hat zuletzt betont, es stelle die Freiheit der Schifffahrt durch Hormus sicher und hat eigene Luftangriffe auf iranische Militärpositionen mit dem Schutz des Handelsverkehrs begründet. Ob der US-Luftschirm nach den heutigen Ereignissen ausgeweitet oder die Eskorttaktik verändert wird, ist offen.

Die International Crisis Group hatte in den vergangenen Wochen davor gewarnt, dass die direkte Konfrontation zwischen US-Militär und IRGC in Hormus das Eskalationsrisiko erheblich erhöht, wenn kein klarer Deeskalationskanal besteht. Einen solchen gibt es bislang nicht. Die Verhandlungen, die Trump Mitte Juli als „Meeting in Doha" angekündigt hatte, wurden von Teheran dementiert.

Öl über 100 Dollar, Alternativen im Aufbau

Durch die Straße von Hormus fließen nach Angaben der US-amerikanischen Energy Information Administration rund 20 Prozent der weltweiten täglichen Ölversorgung. Jedes Barrel, das nicht durch die Meerenge kommt, muss einen längeren und teureren Weg nehmen. Der Rohölpreis hat die 100-Dollar-Marke überschritten und liegt damit deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn.

Sieben oder mehr alternative Pipelineprojekte sind derzeit im Bau, in Planung oder in Diskussion, um Öllieferungen aus dem Persischen Golf ohne Hormus-Transit in die Exportmärkte zu bringen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate treiben Verbindungen über das Rote Meer und den Golf von Oman voran. Nach Schätzungen der Branche werden mindestens zwei bis drei Jahre vergehen, bis diese Kapazitäten einsatzbereit sind.

Oman hatte einen Zwei-Routen-Plan vorgeschlagen, um den Transitkonflikt zu entschärfen: Eine Route verlaufe vollständig durch iranische Gewässer, die Rückroute teilweise durch Omans Küstenbereich. Iran hat diesen Vorschlag bisher nicht akzeptiert. Eine Einigung auf neutrale Mechanismen zur Schifffahrtssicherheit liegt in weiter Ferne, solange CENTCOM die iranische Routenhoheit grundsätzlich ablehnt und der Iran jeden Durchgang ohne seine Genehmigung als illegal wertet.

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