FIFA: Infantinos Plan bricht, Gegner sammeln sich
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FIFA: Infantinos Plan bricht, Gegner sammeln sich

Infantinos Plan, externe Investoren an der WM-Vermarktung zu beteiligen, gilt nach Ablehnung durch UEFA, Asien und CONCACAF als gescheitert. Gleichzeitig nimmt erstmals eine mögliche Gegenkandidatur für die FIFA-Präsidentenwahl 2027 Gestalt an.

Quellen (13)
  1. Frankfurter Rundschaufr.de
  2. ZEIT Onlinezeit.de
  3. Deutschlandfunkdeutschlandfunk.de
  4. Berliner Zeitung FIFAberliner-zeitung.de
  5. ZDF Sport Cordeirozdfheute.de
  6. Sportschau CONCACAFsportschau.de
  7. ZDF Asien gegen Infantinozdfheute.de
  8. n-tv Trump/Infantinon-tv.de
  9. World Soccer Talkworldsoccertalk.com
  10. absolut fussballabsolutfussball.com
  11. Tagesspiegel (Lamour/Cordeiro)tagesspiegel.de
  12. SZ (Infantino Kritik)sueddeutsche.de
  13. FAZ (Infantino geschwächt)faz.net
1. August 2026, 15:42 Uhr735 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Carlos Cordeiro, FIFA-Senior-Berater und enger Mitarbeiter Infantinos, trat am Freitag zurück und begründete dies mit dem geplanten Einstieg externer Investoren in die WM-Vermarktung. Dieses Projekt gilt als faktisch gescheitert: UEFA, AFC und CONCACAF hatten es gemeinsam abgelehnt. Nun sondiert mit Victor Montagliani erstmals ein potenzieller Gegenkandidat eine Kandidatur für die Präsidentenwahl im März 2027.

Der Plan, der FIFA-Politik erschütterte

Infantinos zentrale wirtschaftliche Initiative für seine dritte Amtszeit hieß FIFA Forward Enterprise (FFE): eine neue Gesellschaft, die kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft und anderen FIFA-Wettbewerben bündeln sollte, mit der Möglichkeit für externe Investoren, Minderheitsbeteiligungen ohne Stimmrechte zu erwerben. Der Gesamtwert des Vorhabens wurde auf rund 20 Milliarden US-Dollar (rund 18 Milliarden Euro) geschätzt. Für Infantino war das FFE der Kern seiner Expansionsstrategie: mehr Entwicklungshilfe für kleinere Verbände, finanziert durch die Öffnung des WM-Produkts für Privatkapital.

Die Logik dahinter: Wer heute 10 Prozent an der WM-Vermarktung kauft, finanziert damit die nächste Generation von FIFA-Programmen. Kritiker sahen dagegen die strukturelle Gefahr, dass Dividendeninteressen externer Investoren künftig bei Entscheidungen über Spieltermine, Turniergröße und Ausrichtungsländer mitgedacht werden müssten.

Drei Kontinente gegen einen Plan

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin widersetzte sich dem Plan von Beginn an mit dem Argument, die Weltmeisterschaft dürfe nicht in die Hände privater Investoren geraten. Was Infantino als europäischen Sonderweg abtun konnte, wurde breiter: Nach UEFA erklärten auch die Asiatische Fußball-Konföderation (AFC) und die nordamerikanisch-karibische CONCACAF ihre Ablehnung. Carlos Cordeiro, bis vor Kurzem FIFA-Senior-Berater und enger Vertrauter Infantinos, trat zurück und begründete dies mit dem Investorenplan. Ohne Mehrheit im FIFA-Rat gilt das FFE-Vorhaben als faktisch gescheitert.

Montagliani sondiert Kandidatur

Gleichzeitig werden mögliche Herausforderer sichtbarer. Victor Montagliani, Präsident des CONCACAF-Verbandes, soll laut Berichten erste Sondierungen für eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl im März 2027 unternommen haben. Als weiterer möglicher Gegenkandidat wurde Nasser al-Khelaifi, Präsident von Paris Saint-Germain, gehandelt. Al-Khelaifi erklärte jedoch, keinerlei Ambitionen auf die FIFA-Präsidentschaft zu haben.

Infantino dürfte mit dem Organisationsvorteil aller bisherigen Amtsinhaber in den Wahlkampf gehen. Seit 2016 hat er den Kreis der Verbände, die regelmäßig Entwicklungshilfe aus FIFA-Fonds beziehen, systematisch ausgeweitet und damit eine breite Loyalitätsbasis in kleinen Verbänden aufgebaut, die durch den Widerstand europäischer Großverbände kaum gestört wird. Bei FIFA-Wahlen zählt jeder der 211 Mitgliedsverbände eine Stimme, unabhängig von Größe oder Reputation.

WM-Aufstockung als nächste Machtprobe

Die nächste Auseinandersetzung ist für den 14. August terminiert: Dann soll das FIFA-Council über eine Aufstockung der Weltmeisterschaft auf 64 Teams befinden. Das aktuelle Format mit 48 Teams wurde 2026 erstmals angewendet, das Turnier dauerte bereits sechs Wochen. Eine Erweiterung auf 64 würde den Turnierzeitraum weiter verlängern und die kommerziellen Erlöse steigern, jedoch auf Kosten der Qualität und der Spielerbelastung. UEFA und die großen Ligen haben sich klar dagegen ausgesprochen.

Das Muster ist dabei dasselbe wie beim Investorenplan: Infantino schlägt eine kommerzielle Maximalstrategie vor, Europa und die etablierten Verbände blocken, kleinere Verbände stimmen dafür. Wie die Abstimmung am 14. August ausgeht, hängt davon ab, ob die Allianz aus UEFA, CONCACAF und AFC bis dahin zusammenhält.

Was der Machtkampf für den Fußball bedeutet

Die strukturelle Frage hinter den laufenden Konflikten: Ist die FIFA ein globaler Regulator, der alle Verbände gleichbehandelt oder ein Unternehmen, das seine Erlöse maximiert? Infantinos Amtsführung hat diese Frage in Richtung Kommerzialisierung verschoben. Das Scheitern des Investorenplans und die mögliche Kandidatur Montaglianis zeigen, dass diese Verschiebung innerhalb der FIFA selbst umstritten ist. Ob sich die Koalition der Gegner bis zur Wahl 2027 hält, ist die entscheidende Frage.

Update 2. August, 04:09 Uhr: FIFA-Präsident Gianni Infantino hat das Investorenprojekt FIFA Forward Enterprise nun offiziell für beendet erklärt. "Das Vorhaben wird nicht weiterverfolgt", ließ er mitteilen. Damit ist das Projekt, das bis zu 20 Milliarden US-Dollar einbringen sollte, nicht mehr nur faktisch, sondern auch formal gescheitert. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour sprach von "Verachtung und Einschüchterung" gegenüber den Mitarbeitern und nannte das FFE "das Projekt eines einzigen Menschen". Carlos Cordeiro, der frühere US-Verbandspräsident und langjährige Infantino-Berater, begründete seinen Rücktritt öffentlich: Das FFE sei "schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitglieder, schlecht für den Fußball und schlecht für die langfristige Zukunft des Sports". Die UEFA bezeichnete die Verhandlungen als "Abkommen im Verborgenen, durchgeführt von gesichtslosen Unbekannten" und warf Infantino vor, "eigenmächtig, intransparent und letztlich unverantwortlich" gehandelt zu haben.

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