WM 2026: Katar stoppt Schweiz in letzter Minute
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WM 2026: Katar stoppt Schweiz in letzter Minute

Boualem Khoukhi rettete Katar in der 94. Minute mit einem Kopfball das 1:1 gegen die Schweiz. Die Katarer holten damit den ersten Weltmeisterschaftspunkt ihrer Geschichte, nachdem sie die WM 2022 als erstes Gastgeberland ohne einen einzigen Punkt verlassen hatten.

14. Juni 2026, 4:40 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Bei der WM 2022, die Katar als Gastgeber ausrichtete, schied das Team in der Gruppenphase aus, ohne einen einzigen Punkt zu holen: Niederlagen gegen Ecuador (0:2), Senegal (1:3) und die Niederlande (0:2), sieben Gegentore, ein erzieltes Tor. Die Katarer wurden zum ersten Gastgeberland in der Geschichte der Weltmeisterschaft, das alle drei Gruppenspiele verlor. Am Samstag, in Santa Clara, holte Kapitän Boualem Khoukhi mit einem Kopfball in der 94. Minute das 1:1 gegen die Schweiz und sicherte Katar seinen ersten Weltmeisterschaftspunkt überhaupt. Die Schweiz hatte zuvor 26 Torschüsse abgegeben, mehr als in jedem WM-Spiel seit Aufzeichnungsbeginn 1966. Es half nicht.

Eine Stunde Dominanz ohne Ertrag

Breel Embolo verwandelte in der 17. Minute einen Elfmeter, nachdem Katars Torhüter Mahmoud Abunada den Schweizer Mittelfeldspieler Remo Freuler gefoult hatte. Was folgte, waren 77 Minuten, in denen die Schweiz Katar in dessen eigener Hälfte einschnürte, aber keinen zweiten Treffer erzielte. Granit Xhaka schoss aus der Distanz knapp über die Latte. Embolo traf nach einem Alleingang nur den Pfosten. Mittelfeldakteur Dan Ndoye scheiterte aus kurzer Distanz am Torhüter.

Das Analyseunternehmen Opta berechnete für die Schweiz einen erwarteten Torwert (xG) von 3,24. Das bedeutet: Gewichtet man die 26 Abschlüsse nach Lage und Güte der Chance, hätte die Schweizer Offensive statistisch mehr als drei Tore erzielen sollen. Es blieb bei einem, der vom Elfmeterpunkt fiel.

Kapitän Granit Xhaka sagte nach dem Abpfiff: „Jedes Unentschieden fühlt sich an wie eine Niederlage.“ Trainer Murat Yakin sprach von einer „inakzeptablen Chancenverwertung“. Die Schweiz hatte in der Qualifikation zur WM 2026 eine Tordifferenz von plus 14 in acht Spielen erzielt und gilt als eines der stabilsten Teams in der Gruppe.

Khoukhi und eine einzige Chance

Das katarische Team spielte über weite Strecken in einer tiefen Defensive. Die Abwehrkette um Khoukhi stand kompakt, ließ die Schweizer auf Distanz schießen und wartete auf einen Fehler. In der 90. Minute zeigte der Schiedsrichter vier Minuten Nachspielzeit an. Ahmed Al-Ganehi flankte von rechts in den Strafraum. Khoukhi, 35 Jahre alt und seit Jahren Stammkapitän der katarischen Nationalmannschaft, ließ seinen Bewacher hinter sich, stieg hoch und köpfte in die linke Ecke. Es war Katars einzige echte Torchance im gesamten Spiel.

Khoukhi stand auch im Kader der WM 2022, als Katar die Gruppenphase im eigenen Land ohne Punkt verließ. Damals blieb ihm persönlich kein Treffer, kein Assist, kein positives Turnierergebnis. Am Samstag in Santa Clara war er derjenige, der mit einem einzigen Kopfball das Ergebnis umkehrte und die statistisch folgerichtige Schweizer Führung zunichtemachte.

Vier Teams, vier Punkte, kein Gruppenführer

Gruppe B besteht neben Schweiz und Katar aus Kanada und Bosnien-Herzegowina. Im zweiten Gruppenspiel des Tages erzielte Kanadas Stürmer Cyle Larin in der 78. Minute das Ausgleichstor zum 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina. Auch Kanada hatte seine beiden früheren WM-Teilnahmen (1986 und 2022) ohne einen einzigen Punkt beendet. Am 13. Juni holten sowohl Katar als auch Kanada ihren historisch ersten WM-Punkt überhaupt.

Nach dem ersten Spieltag stehen alle vier Mannschaften bei einem Punkt. Die FIFA-Weltrangliste weist die Schweiz auf Platz 15 aus, Kanada auf Platz 31, Katar auf Platz 56 und Bosnien-Herzegowina auf Platz 63. Diese Zahlen beschreiben die Ausgangslage, nicht das Bild nach dem ersten Spieltag. Faktisch ist die Gruppe nach den Ergebnissen des Samstags vollständig offen. Jede der vier Mannschaften kann die nächste Runde erreichen oder ausscheiden.

Die Schweiz war von Prognosemodellen wie dem Opta-Supercomputer als Gruppenführer mit einer Weiterkommenwahrscheinlichkeit von über 85 Prozent eingestuft worden. Das Unentschieden gegen Katar verringert diesen Puffer spürbar. Das neue WM-Format mit 48 Teams und 12 Gruppen lässt die acht besten Drittplatzierten weiter. Für die Schweiz als nominellen Favoriten ist Gruppendritter allerdings kein realistisches Ziel.

Donnerstag in Los Angeles: Pflichtaufgabe Bosnien

Die Schweiz trifft am Donnerstag in Los Angeles auf Bosnien-Herzegowina. Ein Sieg ist nach dem Punktverlust nahezu obligatorisch, will das Team die Gruppenphase kontrolliert beenden. Katar spielt am selben Tag in Vancouver gegen Gastgeber Kanada. Bosnien-Herzegowina hat mit Stürmer Edin Džeko einen der erfahrensten Spieler des Turniers im Kader und hatte gegen Kanada zeitweise geführt, ehe Larin ausglich.

Trainer Yakin muss in zwei Tagen eine Antwort auf das Effizienzproblem finden. Die Schweiz hat genug Qualität, um die Gruppe zu überstehen. Die 26 Schüsse gegen Katar sind der klarste Beleg dafür. Dass daraus nur ein Tor wurde, ist gleichzeitig die offenste Schwachstelle, die Bosnien-Herzegowina am Donnerstag ausnutzen kann.

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