Uniper-Privatisierung: Acht Bieter um 10 Mrd. Euro
Wirtschaft

Uniper-Privatisierung: Acht Bieter um 10 Mrd. Euro

Vier Jahre nach der Notverstaatlichung in der Gaskrise sucht der Bund Käufer für seinen 99-Prozent-Anteil an Uniper. Mindestens acht Bieter haben sich gemeldet, darunter RWE, TotalEnergies und der Konzern des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. Der Verkauf könnte über zehn Milliarden Euro einbringen.

20. Juni 2026, 2:42 Uhr 700 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Europarechtlich hat der Bund keine Wahl: Seinen Anteil von 99,1 Prozent an Uniper muss er bis Ende 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Diese Vorgabe machte die EU-Kommission 2022 zur Bedingung, als sie die Rettungsaktion mit 13,5 Milliarden Euro Steuergeld genehmigte. Das Bieterverfahren, das Bundesfinanzministerium Mitte Mai 2026 eröffnet hat, trifft auf überraschend große Nachfrage. Nach Bloomberg-Angaben haben mehr als zehn Investorengruppen ihr Interesse signalisiert, darunter Energiekonzerne, Pensionsfonds und Finanzinvestoren.

Die Notrettung und ihr Preis

Im Herbst 2022 stand Uniper am Rand der Insolvenz. Der Konzern, zuvor Europas größter Gasimporteur, hatte langfristige Lieferverträge mit Russland abgeschlossen. Als Gazprom nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine die Gaslieferungen stoppte, musste Uniper das fehlende Gas zu massiv höheren Marktpreisen kaufen, ohne es zu entsprechenden Preisen weitergeben zu können. Die daraus entstehenden Verluste übertrafen binnen Wochen die Bilanzsubstanz des Konzerns.

Die Bundesregierung entschied sich für eine Verstaatlichung: 13,5 Milliarden Euro Kapitalspritze, kombiniert mit einer Aktienzuteilung, die den Bundesanteil auf 99,1 Prozent trieb. Die EU-Kommission genehmigte die Beihilfe unter der Bedingung, dass der Bund seinen Anteil bis Ende 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie reduziert.

Acht Bieter, womöglich mehr

Mitte Mai 2026 startete das Bundesfinanzministerium offiziell den Verkaufsprozess. Investoren konnten ihr Interesse bis Mitte Juni registrieren lassen. Nach Informationen der Nachrichtenagenturen haben mindestens acht, nach Bloomberg-Berichten sogar mehr als zehn Investoren ihr Interesse signalisiert.

Unter den Interessenten sind auf Seiten der Energieunternehmen RWE, TotalEnergies und der norwegische Staatskonzern Equinor sowie der schwedische Versorger Vattenfall und das finnische Fortum. Aus der Finanzwelt haben sich der kanadische Pensionsfonds CPPIB und der Finanzinvestor KKR gemeldet. Die größte Aufmerksamkeit erhält jedoch der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky, dessen Energiekonzern EPH ebenfalls bietet. Kretinsky hält bereits Anteile an deutschen Energieversorgern und gilt als strategischer Investor mit langfristigem Interesse an europäischer Infrastruktur.

Nach Analystenschätzungen könnte ein Paket von rund 74 Prozent der Uniper-Anteile mehr als zehn Milliarden Euro einbringen. Der Bund würde damit einen erheblichen Teil der Rettungskosten zurückgewinnen.

Was ver.di und der Betriebsrat fordern

Gewerkschaft ver.di und der Konzernbetriebsrat haben sich klar gegen einen außerbörslichen Direktverkauf positioniert. Sie bevorzugen einen Börsengang, bei dem der Bund eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent plus einer Aktie behält. Der Betriebsrat warnt, ein Direktverkauf an einen strategischen Investor könnte Restrukturierungen nach sich ziehen und die Arbeitnehmerrechte gefährden. „Ein Börsengang schützt die Rechte und Interessen der Mitarbeiter besser“, erklärte der Konzernbetriebsrat im Mai 2026.

Das Bundesfinanzministerium hat bislang keine Präferenz für eine Variante bekannt gegeben und hält sowohl einen Direktverkauf als auch einen Börsengang oder eine Kombination aus beiden für möglich. Aus Sicht des Bundes ist vor allem relevant, wer den höchsten Preis zahlt und die Versorgungssicherheit langfristig garantiert.

Die Debatte um Bayerns Kraftwerke

Besonderes Aufsehen erregt die Frage, was mit Unipers Wasserkraftanlagen in Bayern passiert. Das Unternehmen betreibt unter anderem das historische Walchenseekraftwerk sowie mehr als 90 Kraftwerke an Isar, Lech, Donau und Main. Diese Anlagen beeinflussen die Ökologie der Flüsse und liefern erneuerbare Energie für die Region.

Die bayerischen Bundestagsabgeordneten Lisa Badum und Karl Bär von den Grünen haben gefordert, diese Kraftwerke nicht im Gesamtpaket zu verkaufen. Sie warnen, ein internationaler Finanzinvestor werde primär auf Rendite setzen, nicht auf regionale Versorgungssicherheit oder ökologische Verträglichkeit. Badum erklärte auf ihrer Webseite: „Dieser Plan ist schlecht für Bayern.“

Verbindliche Angebote im Spätsommer

Das Bundesfinanzministerium erwartet verbindliche Angebote im Spätsommer 2026. Ein Abschluss der Transaktion gilt frühestens im vierten Quartal 2026 als realistisch. Der Bund muss bis Ende 2028 eine EU-konforme Beteiligungsstruktur vorweisen; der Zeitdruck kommt also nicht nur aus dem aktuellen Marktinteresse, sondern aus einer europarechtlichen Verpflichtung.

Für die Bundesregierung ist der Uniper-Erlös auch haushaltspolitisch willkommen. Angesichts einer strukturellen Lücke im Bundeshaushalt 2027 von rund 34 Milliarden Euro kämen zehn oder mehr Milliarden Euro aus dem Uniper-Verkauf als Einmalertrag gelegen. Ob der Erlös die vollständigen Rettungskosten von 13,5 Milliarden Euro decken wird, hängt davon ab, welche Bieter sich am Ende durchsetzen und zu welchem Kurs die Anteile bewertet werden.

Quellen (8)

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