
UN-Bericht: Welthunger sinkt zum dritten Mal
Quellen (8)
- FAO: SOFI 2026 - Hunger nicht unvermeidlichfao.org
- WFP: UN-Bericht globale Hungerlage 2026wfp.org
- WHO: UN-Bericht Ernährungssicherheit 2026who.int
- UN News: Globaler Hunger sinkt, Ungleichheiten bleibennews.un.org
- IFAD: Globale Hungerlage bessert sichifad.org
- WFP USA: SOFI 2026 Berichtwfpusa.org
- MercoPress: Brasilien verlässt FAO-Hungerliste 2025en.mercopress.com
- FAO: Weltweite Hunger-Statistiken und Trendsfao.org
Zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der hungernden Menschen weltweit gesunken. Im Jahr 2025 waren 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen, wie der gemeinsame Jahresbericht der fünf UN-Ernährungsagenturen FAO, IFAD, UNICEF, WFP und WHO vom 21. Juli 2026 zeigt. Das entspricht 7,8 Prozent der Weltbevölkerung und ist der niedrigste Stand seit dem Vorkrisenniveau vor der Corona-Pandemie. Der Fortschritt ist real, aber ungleich verteilt: Während Asien und Südamerika konsistente Verbesserungen zeigen, steigt die absolute Zahl hungernder Menschen in weiten Teilen Afrikas weiter an.
2022: Das Jahr mit 688 Millionen Hungernden
Der aktuelle Rückgang startete von einem historischen Tiefpunkt. Im Jahr 2022 erreichte der globale Hunger seinen höchsten Stand seit mindestens zwei Jahrzehnten: 688 Millionen Menschen, 8,6 Prozent der Weltbevölkerung, waren unterernährt. Als Ursachen identifizierten die UN-Agenturen ein Zusammentreffen außergewöhnlicher Schocks: wirtschaftliche Nachwirkungen der Corona-Pandemie, gestörte Lieferketten, explodierende Getreidepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und in Afrika anhaltende klimabedingte Dürren. FAO-Generaldirektor Qu Dongyu sprach damals von einem Wendepunkt in die falsche Richtung.

2023 bis 2025: Rückgang in drei Schritten
Der Umschwung begann 2023 und setzte sich seither fort. Laut SOFI 2026 sank die Rate Hungernder von 8,6 Prozent (2022) auf 8,1 Prozent (2024) und weiter auf 7,8 Prozent (2025). In absoluten Zahlen: von 688 auf rund 659 auf 645 Millionen. Die Verbesserungen konzentrierten sich auf Südasien, insbesondere Indien und Bangladesch, wo wirtschaftliches Wachstum mit gezielten staatlichen Nahrungsprogrammen zusammenkam, sowie auf Südamerika. In Brasilien zeigt die Neuauflage des Bolsa-Família-Programms unter Präsident Lula messbare Wirkung: Das Land verließ 2025 erneut die FAO-Hungerliste.
Auch ein breiterer Indikator verbesserte sich: Die Zahl der Menschen mit moderater oder schwerer Nahrungsmittelunsicherheit, also jener, die keine ausgewogene Ernährung sicherstellen können, sank 2025 auf rund 2,1 Milliarden. Das sind 86 Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Diese Kennzahl erfasst auch jene, die nicht hungern, aber keine gesunde Ernährung finanzieren können.
Was nicht stimmt: Afrika unter wachsendem Druck
Die positiven Gesamtzahlen verdecken eine regionale Krise. In weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara steigt die absolute Zahl hungernder Menschen weiter, auch wenn der Anteil an der wachsenden Bevölkerung teils sinkt. Rund 309 Millionen Menschen in Afrika sind derzeit von Hunger betroffen. Das Problem verstärkt sich selbst: Wenn die Bevölkerung schneller wächst als die Landwirtschaft expandieren kann, steigt die absolute Zahl Hungernder trotz sinkender Rate. Klimaextreme, politische Instabilität und fehlende Investitionen in Bewässerungsinfrastruktur begrenzen die Eigenversorgungskapazität vieler Länder.

Im Vergleich: Zwei Jahrzehnte Fortschritt und die Fragilität der Erfolge
Der aktuelle Rückgang schreibt eine längere Erfolgsgeschichte fort. In den zwei Jahrzehnten von 2000 bis 2020 sank der Anteil hungernder Menschen weltweit von 15 Prozent auf rund neun Prozent, obwohl die Weltbevölkerung gleichzeitig um fast zwei Milliarden wuchs. Die UN-Millenniumsziele, die bis 2015 den globalen Hunger halbieren wollten, wurden in den meisten Weltregionen erreicht oder nahezu erreicht. Die Jahre 2020 bis 2022 stellten dann den schärfsten Anstieg seit der Nahrungsmittelkrise 2007 bis 2008 dar.
Brasiliens Geschichte zeigt dabei, wie fragil Fortschritte sein können. Das Land verließ 2014 erstmals die FAO-Hungerliste, nachdem das Bolsa-Família-Programm seit 2003 rund 14 Millionen Familien monatliche Direkttransfers bereitgestellt hatte. Als das Programm zwischen 2019 und 2022 stark beschnitten wurde, kehrte Brasilien auf die Hungerliste zurück. Mit dem Wiederanlauf des Programms verließ es die Liste 2025 erneut. Das Beispiel zeigt: Sozialpolitik gegen Hunger ist keine einmalige Investition, sondern eine Daueraufgabe, die sofort zurückschlägt, wenn sie unterbrochen wird.
Drei Faktoren entscheiden, ob der Trend anhält
FAO-Generaldirektor Qu Dongyu formulierte es beim Bericht-Launch unmissverständlich: Hunger ist nicht unvermeidlich. Drei Bedingungen müssen aber zusammenkommen, damit der Rückgang anhält. Erstens politische Stabilität in den hungerbetroffenen Regionen: Die größten Rückschritte von 2020 bis 2022 gingen auf Konflikte und deren Lieferkettenstörungen zurück. Zweitens Klimaschutz und Anpassung der Landwirtschaft: FAO-Projektionen zeigen, dass ungebremste Erderwärmung bis 2050 weitere acht bis zehn Millionen Menschen in extreme Ernährungsunsicherheit treiben könnte. Drittens Kontinuität sozialer Sicherheitsnetze: Länder, die staatliche Direkttransfers und Nahrungsprogramme dauerhaft aufrechterhalten, zeigen messbar bessere Fortschritte als jene, die auf kurzfristige Hilfslieferungen setzen. Das brasilianische Bolsa-Família-Beispiel ist kein Einzelfall, sondern ein Muster.
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