Lindsey Graham stirbt nach Ukrainereise
Er hatte gerade die Werkhallen der SkyFall-Drohnenfabrik in Kyjiw besichtigt, Wolodymyr Selenskyj getroffen und war nach Washington zurückgeflogen. Am Abend des 11. Juli brach er in seinem Büro im Kapitol zusammen. Lindsey Graham, 71 Jahre alt und seit 23 Jahren US-Senator aus South Carolina, war tot.
Von John McCain zu Donald Trump: eine Karriere im Umbruch
Graham saß seit 2003 im Senat und war damit nach dem 2003 verstorbenen Strom Thurmond der am längsten amtierende Senator aus South Carolina der jüngeren Geschichte. Politisch war seine Karriere von einem markanten Bruch geprägt: Jahrelang galt er als engster Vertrauter des 2018 verstorbenen Senators John McCain. Beide vertraten einen neokonservativen Interventionismus, der sie in Sicherheitsfragen oft mit der Parteiführung kollidieren ließ.
Nach Trumps Wahlsieg 2016 vollzog Graham eine bemerkenswerte Wendung. Aus einem der lautesten Trump-Kritiker im republikanischen Lager wurde einer seiner treuesten Verbündeten. Diese Treue verschaffte ihm 2024, nach dem Wechsel der Senatsmehrheit zu den Republikanern, den Vorsitz im Senatshaushaltausschuss. Als Ausschussvorsitzender hatte er erheblichen Einfluss auf die Finanzierung der US-Außenpolitik, einschließlich der Militärhilfe für die Ukraine.
Tod nach Kyjiw-Besuch: Was wir wissen
Am 10. Juli besuchte Graham Kyjiw. Er traf Selenskyj und besichtigte die SkyFall-Drohnenfabrik, die Kampfdrohnen für die ukrainische Front produziert. Am Samstagabend, zurück in Washington, telefonierte er noch mit Präsident Trump. Trump bestätigte später, Graham habe "etwas müde, aber gut" geklungen. Wenige Stunden danach brach er in seinem Büro im Kapitolgebäude zusammen, wo bereits jemand mit der Reanimation begonnen hatte. Rettungsversuche blieben erfolglos.
Als vorläufige Todesursache nannte der Leichenbeschauer des District of Columbia eine Aortendissektion aufgrund einer arteriosklerotischen Herzerkrankung, einer plötzlichen und häufig tödlichen Einreißung der Hauptschlagader. Trump schrieb auf Truth Social, Graham sei "einer der größten Menschen und Senatoren, die ich je kannte" und "ein echter amerikanischer Patriot". Er ordnete Halbmast an den US-Regierungsgebäuden an.
Forderung nach vollständiger Obduktion
Meaghan Mobbs, Tochter des früheren US-Ukrainegesandten General Keith Kellogg und Präsidentin der Hilfsorganisation R.T. Weatherman Foundation, die mehr als 150 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe in die Ukraine geliefert hat, forderte auf X eine vollständige forensische Obduktion. Die Angabe "Herzstillstand" sei eine unzureichende Erklärung. Sie verlangte toxikologische und histologische Untersuchungen sowie die Einbeziehung von Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendiensten.
Ungewöhnlich ist die Forderung nicht allein wegen ihres Inhalts, sondern wegen ihres Absenders. Mobbs ist eine prominente Ukrainefürbitterin im konservativ-republikanischen Lager und keine Kritikerin des Establishments. Senatsmehrheitsführer John Thune würdigte Graham überparteilich als "starken Fürsprecher der USA und der freiheitsliebenden Länder der Welt". Eine förmliche Obduktionsanordnung gibt es bisher nicht.
Wer Grahams Senatssitz wann übernimmt
Nach südkarolinischem Recht ernennt Gouverneur Henry McMaster umgehend einen kommissarischen Nachfolger für den vakanten Senatssitz. McMaster ist Republikaner und kündigte an, die Ernennung in den kommenden Tagen vorzunehmen. Die ernannte Person bleibt im Amt bis zum 3. Januar 2027, dem Beginn der neuen Senatsperiode nach der Wahl im Herbst.
Parallel läuft ein straffer Wahlkalender: Die Meldefrist für die Sonderwahl öffnet um den 21. Juli, die Sondervorwahl ist für den 11. August angesetzt, ein möglicher Stichentscheid für den 25. August. Am 3. November 2026 findet die eigentliche Hauptwahl statt. Die republikanische Abgeordnete Nancy Mace aus South Carolina wurde in ersten Medienberichten als mögliche Kandidatin genannt. South Carolina gilt als sicher republikanisch, sodass der Sitz für Trumps Senatskoalition kaum gefährdet ist. Die Frage ist, welche Fraktion der Republikanischen Partei sie besetzt.
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