Graham-Beerdigung: Trump, Netanyahu und Selenskyj in Washington
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Graham-Beerdigung: Trump, Netanyahu und Selenskyj in Washington

Die Trauerfeier für Senator Lindsey Graham in der Washington National Cathedral war das diplomatisch dichteste Ereignis der Woche. Trump hielt eine 14-minütige Rede und nannte Graham einen Riesen des US-Senats. Netanyahu und Selenskyj saßen im Kirchenschiff. Beide kamen für Graham und blieben für Gespräche mit dem Präsidenten.

29. Juli 2026, 5:02 Uhr 786 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wenn die mächtigsten Politiker der Welt gemeinsam in einer Kirche sitzen, ist das selten Zufall. Die Trauerfeier für Senator Lindsey Graham in der Washington National Cathedral am Dienstag war das diplomatisch dichteste Ereignis der Woche: Neben Präsident Donald Trump, Vizepräsident JD Vance und Ex-Vizepräsident Mike Pence saßen Israels Premierminister Benjamin Netanyahu und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Beiden hatte Graham in seinen letzten Lebensjahren am meisten bedeutet. Beide kamen für die Beerdigung und blieben für separate Gespräche mit Trump.

Vom McCain-Vertrauten zum Trump-Verbündeten

Lindsey Graham saß seit 2003 im Senat und war damit einer der am längsten amtierenden Senatoren aus South Carolina. Jahrelang galt er als engster Weggefährte des 2018 verstorbenen Senator John McCain. Beide vertraten einen neokonservativen Interventionismus, der sie regelmäßig mit der Parteiführung kollidieren ließ. Gegenüber Trump gehörte Graham in den Jahren 2015 und 2016 zu den schärfsten innerparteilichen Kritikern.

Was danach folgte, zählt zu den bemerkenswertesten politischen Kehrtwenden der modernen amerikanischen Geschichte. Aus dem lautesten Kritiker wurde nach Trumps Wahlsieg einer seiner treuesten Verbündeten im Senat. Als 2024 die Senatsmehrheit zu den Republikanern wechselte, übernahm Graham den Vorsitz im Senatshaushaltsausschuss, eine Position, die ihm erheblichen Einfluss auf die Finanzierung der US-Außenpolitik gab, einschließlich der Militärhilfe für die Ukraine. Laut CBS News sicherte Graham in dieser Rolle Rekordmittel für das US-Militär. Dass er am 10. Juli 2026 noch Kyjiw besuchte, die SkyFall-Drohnenfabrik besichtigte und Selenskyj traf, bevor er am Folgetag in seinem Haus auf dem Capitol Hill zusammenbrach und starb, gilt vielen als symbolischer Abschluss seiner Karriere.

Trump spricht 14 Minuten, das Kirchenschiff lacht und schweigt

Trumps Trauerrede war 14 Minuten lang. Er nannte Graham einen "wahren amerikanischen Originalen" und einen "Riesen des US-Senats". Die Ansprache pendelte zwischen Ernsthaftigkeit und Humor, wie Graham es wohl nicht anders gewollt hätte. "Praktisch jeder, Republikaner oder Demokrat, mochte Lindsey", sagte Trump. Dann fügte er unter Gelächter im Kirchenschiff hinzu: "Nun, nicht wirklich jeder. Aber es klingt gut. Nicht jeder. Er war ein harter Typ."

Als Grahams "vielleicht schönste Stunde" bezeichnete Trump dessen leidenschaftliche Verteidigung des Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh bei den Anhörungen 2018. Kavanaugh war am Dienstag selbst anwesend. Trump erinnerte auch an den Bogen der Freundschaft: "Er war ein geliebter Freund, ein engagierter Bruder, ein geachteter Staatsmann und ein Mann, der Amerika ein Stück seines guten und mächtigen Herzens gegeben hat, bis dieses Herz selbst nachgab." Neben Trump sprachen Fox-News-Moderator Sean Hannity, der Graham persönlich kannte und Grahams Nichte Emillie Boggs Roberts. Graham wird nach dem Staatsbegräbnis in Washington in seiner Heimat South Carolina beigesetzt.

Was die Anwesenheit von Netanyahu und Selenskyj bedeutet

Selten treffen die Hauptakteure mehrerer simultaner Weltkrisen in einer einzigen Kathedrale zusammen. Netanyahu und Selenskyj kamen beide nach Washington, nicht um Politik zu machen, sondern um Graham zu ehren. Selenskyj ließ erklären, Graham habe nie aufgehört zu glauben, dass die Ukraine siegen kann. Die Reise aus Kyjiw war nicht selbstverständlich: Selenskyj führt ein Land im Krieg und reist selten.

Netanyahu, der seinen Besuch auch für das erste bilaterale Gespräch mit Trump seit Beginn des Irankriegs im Februar 2026 nutzte, saß im selben Kirchenschiff wie der ukrainische Präsident. Beide hatten in Graham einen wichtigen Fürsprecher verloren: für Israel die konsequente Unterstützung im Kongress, für die Ukraine jemanden, der Militärhilfe selbst gegen Widerstände in der eigenen Partei durchsetzte. The Hill beschrieb Grahams Beerdigung als "diplomatischen Wirbel": Treffen folgten auf Treffen, alles ausgelöst durch den Abschied eines Senators, der außenpolitisch mehr bewegt hatte als die meisten seiner Kollegen.

Graham war im US-Kongress eine institutionelle Ausnahme: republikanisch genug für Trump, außenpolitisch interventionistisch genug für McCain und pragmatisch genug, um beides zu verbinden. Diese Kombination lässt sich nicht einfach ersetzen. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die weit über South Carolina hinausgeht.

South Carolina wählt im November: Wer spricht künftig für Kyjiw?

Gouverneur Henry McMaster ernannte bereits einen kommissarischen Nachfolger für Grahams Senatssitz. Die Sonderwahl findet am 3. November 2026 zusammen mit den Midterm-Wahlen statt. South Carolina gilt als sicher republikanisch. Die Mehrheit von Trumps Koalition im Senat ist nicht gefährdet.

Die eigentliche Frage ist eine andere: Wer übernimmt Grahams Rolle als institutioneller Fürsprecher der Ukrainehilfe in einer Partei, die sich unter Trumps Einfluss zunehmend von dieser Position entfernt? Graham war die strukturelle Ausnahme, die Kongressmehrheit für Kyjiwunterstützung unter einer republikanischen Mehrheit möglich machte. Ein Nachfolger, der Trumps außenpolitischer Linie vollständig folgt, würde diese Ausnahme beenden. Dass Selenskyj persönlich nach Washington kam, lässt sich auch als stille Bestandsaufnahme lesen: Wer spricht im US-Kongress künftig noch für die Ukraine?

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