Grönland, Dänemark und USA unterzeichnen Arktis-Abkommen
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Grönland, Dänemark und USA unterzeichnen Arktis-Abkommen

Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und US-Präsident Donald Trump haben am 22. September 2026 in New York ein Abkommen unterzeichnet, das die Sicherheit in der Arktis stärkt und den Verteidigungsvertrag von 1951 ändert. Es muss noch die parlamentarischen Verfahren in Dänemark und Grönland durchlaufen, bevor es in Kraft tritt.

Quellen (8)
  1. Aftale mellem Grønland, Danmark og USA - Statsministerietstm.dk
  2. Subject:stm.dk
  3. AGREEMENT BETWEEN THE GOVERNMENT OF THE UNITED STATES OF AMERICA AND THE GOVERNMENT OF THE KINGDOM OF DENMARK TOGETHER WITH THE GOVERNMENT OF GREENLAND – The White Housewhitehouse.gov
  4. Aftale om forsvar og sikkerhed mellem Grønland, Danmark og USA KORT OM AFTALEN • Aftalen bygger oven på 1951-forsvarsaftalen og indeholder både tilpasninger og naalakkersuisut.gl
  5. President Trump Inks Historic Arctic Security Agreement – The White Housewhitehouse.gov
  6. Mark Rutte auf X: „Great to see the deal signed by the United States, Denmark, and Greenland today. We know the threats we face, and greater security in the Arctic and North Atlantic is essential for x.com
  7. Kremlin calls Greenland deal ‘a matter for the countries involved’ - Russian Politics & Diplomacy - TASStass.com
  8. Talepunkter fra pressemødet d. 13. januar 2026 af Formanden for Naalakkersuisut - naalakkersuisut.glnaalakkersuisut.gl
29. September 2026, 9:40 Uhr1321 Wörter · 7 Min. Lesezeit

Am 22. September 2026 haben der Vorsitzende von Naalakkersuisut, Jens-Frederik Nielsen, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und US-Präsident Donald Trump im UN-Gebäude in New York ein Abkommen unterzeichnet, das die Sicherheit in der Arktis und im nordatlantischen Raum stärkt. Das Abkommen ändert und ergänzt den gesamten Verteidigungsvertragskomplex aus 1951 und soll den Parteien helfen, notwendige Schritte zur schnellen Erfüllung ihrer individuellen und gemeinsamen Aufgaben in Grönland zu unternehmen, unter anderem zur Verteidigung des nordatlantischen Vertragsgebiets, Grönlands und des amerikanischen Kontinents. Damit es tatsächlich gilt, muss es laut der Pressemitteilung des dänischen Statsministeriet noch die notwendigen parlamentarischen Verfahren durchlaufen.

USA, Dänemark und Grönland bewahren je ein unterschriebenes Exemplar auf, auf Englisch, Dänisch beziehungsweise Grönländisch. Bei Widersprüchen zwischen den Fassungen gilt die englische Fassung.

Modernisierte Pituffik-Basis und neue Verteidigungsgebiete

Laut dem Abkommen erhalten die USA die Erlaubnis, ihre Aktivitäten auf der Pituffik Space Base zu modernisieren und auszuweiten. Zusätzlich dürfen sie ein weiteres Verteidigungsgebiet bei Narsarsuaq und Mestersvig einrichten, nach Modalitäten und technischen Details, die die Parteien noch gegenseitig vereinbaren müssen. Weitere Verteidigungsgebiete sind möglich: Einigen sich die Parteien nicht innerhalb von 90 Tagen im Ständigen Ausschuss, geht die Diskussion zunächst auf Abteilungsleiterebene und danach auf Ministerebene über. US-Luftfahrzeuge erhalten Zugang zum Überflug und zur Landung an jedem Ort in Grönland einschließlich des Küstenmeeres, US-Schiffe Bewegungsfreiheit im Küstenmeer einschließlich unterseeischer Fahrt, ohne weitere Einschränkungen außer solchen, über die noch Einigkeit erzielt werden könnte. Die Präambel nennt als gemeinsames Interesse der Parteien, den USA militärischen Zugang zu grönländischem Territorium zu geben, soweit dies zur Verteidigung des nordatlantischen Vertragsgebiets, Grönlands und des amerikanischen Kontinents notwendig ist, unter anderem durch Errichtung eines Golden-Dome-Verteidigungssystems. Die Parteien unterstützen zudem ein stärkeres NATO-Engagement in der Arktis, unter anderem bei Planung, Präsenz, Übungen und gemeinsamer Aufklärung. Zudem hat Dänemark laut dem Abkommen seine militärische Präsenz in der Arktis bereits gestärkt und will diese durch einen umfassenden, multidomänen Ansatz mit Land-, See-, Luft- und Weltraumfähigkeiten weiter ausbauen.

Souveränität Dänemarks, Selbstbestimmung Grönlands

Die Präambel bekräftigt die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs Dänemark und erkennt an, dass das grönländische Volk nach Völkerrecht ein Volk mit Recht auf Selbstbestimmung ist. Grönlands Regierungschef Nielsen erklärte dazu: „Das Abkommen erkennt an, dass wir ein Volk mit Selbstbestimmungsrecht sind. Gleichzeitig werden wir als Teil unserer gemeinsamen Sicherheit in der Arktis anerkannt.“ Ministerpräsidentin Frederiksen sagte, das Abkommen stärke die gemeinsame Verteidigung und Sicherheit von Grönland, dem Königreich Dänemark und den USA sowie für NATO und Europa, sei tief im NATO-Bündnis verankert und respektiere die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs sowie das Selbstbestimmungsrecht der Grönländer. Das Verfahren für eine grönländische Unabhängigkeit ist laut der Präambel im grönländischen Selbstverwaltungsgesetz von 2009 in Paragraf 21 festgelegt. Übt Grönland dieses Recht aus und wird unabhängig, müssen die dänische Regierung und Naalakkersuisut gemeinsam sicherstellen, dass der unabhängige grönländische Staat zusagt, NATO-Mitglied zu bleiben, nötigenfalls durch Beitrittsantrag, und ab dem Tag der Unabhängigkeit alle Rechte und Pflichten Dänemarks aus diesem Abkommen übernimmt. Das Abkommen selbst hat kein Enddatum und kann nur mit gegenseitiger Zustimmung gemäß Artikel XIII des Verteidigungsvertrags von 1951 geändert werden.

Nicht-NATO-Staaten bleiben von Militärpräsenz und sensiblen Investitionen ausgeschlossen

Kein Staat, der nicht NATO-Mitglied ist, darf eigene bemannte oder unbemannte militärische Anlagen in Grönland errichten oder eine dauerhafte Präsenz militärischer Streitkräfte unterhalten, sofern die Parteien nichts anderes vereinbaren. Staaten oder Investoren aus Ländern, die weder NATO-Mitglied, NATO-Partner noch EU-Mitgliedstaat sind, dürfen in besonders sensiblen Sektoren oder Aktivitäten in grönländischem Hoheitsgebiet keine Kontrolle, keinen erheblichen Einfluss und keinen Zugang zu nicht-öffentlichen Informationen haben, die eine Bedrohung für die nationale Sicherheit oder öffentliche Ordnung darstellen könnten. Dieses Ziel soll Grönland in enger Zusammenarbeit mit den dänischen Behörden durch bestehende oder künftige Investitionsprüfungsgesetze sicherstellen. Die Parteien wollen zudem zusammenarbeiten, um Spionage in Grönland entgegenzuwirken; die zuständigen dänischen Behörden sollen engen Kontakt zu den zuständigen US-Behörden und weiteren Partnern halten. Für unbemannte militärische Anlagen außerhalb von Verteidigungsgebieten sollen Dänemark und Grönland Anträge nach beschleunigten behördlichen Genehmigungsverfahren behandeln, und die USA sollen im größtmöglichen Umfang Verträge über Waren und Dienstleistungen für Verteidigungsgebiete in Grönland an grönländische Anbieter vergeben.

Was Grönland aus der Vereinbarung für sich mitnimmt

Während kommerzielle Verträge in Bezug auf US-Verteidigungsbereiche früher an dänische oder grönländische Unternehmen gehen mussten, erhalten laut einer Zusammenfassung von naalakkersuisut.gl nun nur noch grönländische Unternehmen ein Vorrecht; diese Verpflichtung sei rechtlich bindend. Nur Investoren aus Grönlands verbündeten Ländern könnten wesentlichen Einfluss in sensiblen Sektoren erlangen, heißt es dort weiter; Grönlands künftiges Investitionsscreening-Gesetz solle das Abkommen umsetzen. Die Umweltauflagen aus dem Abkommen von 1991 und dem Igaliku-Abkommen von 2004 würden nun in einem rechtlich bindenden Text festgeschrieben und sollen für alle künftigen US-Verteidigungsbereiche und Militärinstallationen in Grönland gelten. Neue Verteidigungsbereiche benötigten die Zustimmung Grönlands und Dänemarks und müssten Rücksicht auf die grönländische Bevölkerung und Umwelt nehmen, wodurch sich etwa Zwangsumsiedlungen verhindern ließen, heißt es in der Zusammenfassung weiter.

Präsident Trump erklärte laut Weißem Haus, das Abkommen gebe den USA dauerhafte Kontrolle über Sicherheit und alle anderen Bedürfnisse auf diesem Territorium, und die USA würden über die vollständige Fähigkeit verfügen, den amerikanischen Kontinent zu verteidigen. Das Weiße Haus selbst beschrieb die Vereinbarung als Abkommen ohne Kosten für die amerikanischen Steuerzahler, das dauerhaft die Fähigkeit der USA garantiere, den Kontinent zu verteidigen, dauerhafte Stationierungsrechte enthalte und jedem US-Gegner ohne Zustimmung der USA eine Basis, militärische Präsenz oder sensible Investition untersage. US-Außenminister Marco Rubio erklärte, das Abkommen garantiere dauerhaft die US-Sicherheitsinteressen in der Arktis ohne Kosten für die amerikanischen Steuerzahler, und Grönland werde für immer Teil des strategischen Verteidigungsgebiets Nordamerikas sein. NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte auf X, größere Sicherheit in der Arktis und im Nordatlantik sei essenziell für Europa und Nordamerika, und das Abkommen stärke zusammen mit der wachsenden Rolle der NATO in der Region die kollektive Sicherheit. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte das Abkommen und verwies auf ihren Grönland-Besuch im selben Monat, der die strategische Bedeutung der Region unterstrichen habe. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen erklärte, das Abkommen sei unter voller Achtung der Souveränität und territorialen Integrität des Königreichs Dänemark sowie des Selbstbestimmungsrechts des grönländischen Volkes geschlossen worden. Zurückhaltender äußerte sich der Kreml: Präsidialsprecher Dmitry Peskow erklärte, die mögliche Unterzeichnung von Dokumenten zu Grönland durch die Führung der Insel, die USA und Dänemark sei eine Angelegenheit, die die beteiligten Parteien selbst entscheiden müssten.

Von „Grönland ist nicht zum Verkauf“ bis zur Unterschrift

Trump hatte bereits während seiner ersten Präsidentschaft vorgeschlagen, die Insel zu kaufen, und wiederholt argumentiert, die Kontrolle der USA über Grönland sei für die nationale Sicherheit notwendig. Im März 2025 äußerte er sich zuversichtlich, dass Grönland letztlich Teil der Vereinigten Staaten werden könne, und drohte Kopenhagen mit Zöllen, falls Dänemark sich weigere. Am 13. Januar 2026 erklärte der Vorsitzende von Naalakkersuisut auf einer Pressekonferenz: „Grönland ist nicht zum Verkauf.“ Er sagte damals, Grönland werde nicht von den USA besessen, nicht von den USA regiert werden und nicht Teil der USA sein; man wähle das Grönland, das man heute kenne und das Teil des Königreichs Dänemark sei. Müsse man zwischen den USA und Dänemark wählen, wähle man Dänemark, die NATO und die EU, erklärte er damals. Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen hatte Trumps zuvor erklärte Absicht, die Kontrolle über das Gebiet zu erlangen, zurückgewiesen. Nach einem Besuch der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt und des dänischen Außenministers Løkke Rasmussen in Washington im Januar wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller drei Parteien eingerichtet, um Fragen im Zusammenhang mit Grönland zu erörtern.

Die diplomatische Note entscheidet über das Inkrafttreten

Das Abkommen tritt erst an dem Tag in Kraft, an dem eine diplomatische Note den Vereinigten Staaten mitteilt, dass die erforderlichen parlamentarischen Verfahren im Königreich Dänemark zusammen mit Grönland abgeschlossen sind. Bis dahin muss es laut der Pressemitteilung des dänischen Statsministeriet die notwendigen parlamentarischen Verfahren durchlaufen.

Wie weit die vereinbarten Rechte der USA reichen, wird von den Beteiligten unterschiedlich akzentuiert: Trump sprach laut Weißem Haus von „dauerhafter Kontrolle über Sicherheit und alle anderen Bedürfnisse auf diesem Territorium“, während es in der Zusammenfassung von naalakkersuisut.gl heißt, das Abkommen respektiere die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs Dänemark voll und gebe weder Territorium noch Souveränität ab.

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