Chinas Elektrolyseure senken Wasserstoffpreise
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Chinas Elektrolyseure senken Wasserstoffpreise

Chinesische Elektrolyseurhersteller bieten ihre Anlagen für 200 bis 400 Dollar pro Kilowatt an, ein Bruchteil der westlichen Preise. Die Kostenkurve folgt der von Solarmodulen: In Regionen mit günstigem erneuerbaren Strom werden erste Projekte wirtschaftlich rentabel.

20. Juni 2026, 9:44 Uhr 791 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Was bei Solarmodulen über vier Jahrzehnte passierte, zeichnet sich bei Elektrolyseuren binnen weniger Jahre ab. Chinesische Hersteller bieten Alkalielektrolyseure bereits für 200 bis 400 Dollar pro Kilowatt an, während westliche Systeme noch immer 750 bis 1.300 Dollar kosten. In Regionen mit günstigem Solar- oder Windstrom bringt dieser Preisverfall grünen Wasserstoff erstmals in wirtschaftlich interessante Nähe zur fossilen Alternative.

Wie weit die Kosten in sechs Jahren gefallen sind

Ein Alkalielektrolyseur kostete nach IRENA-Daten im Jahr 2020 noch 1.200 bis 1.500 Dollar pro Kilowatt installierter Leistung. Seither haben sich die Preise in zwei Geschwindigkeiten entwickelt. Westliche PEM-Systeme (Proton-Exchange-Membrane) kamen auf 750 bis 1.300 Dollar, chinesische Alkalielektrolyseure auf 200 bis 400 Dollar. Auswertungen von internationalen Ausschreibungsdaten durch Hydrogen Insight zeigten, dass chinesische Maschinen bei Tenders zwei- bis fünfmal günstiger waren als westliche Konkurrenten.

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Peric Hydrogen, Chinas größter Elektrolyseurhersteller, produziert inzwischen mit einer Kapazität von 6,5 Gigawatt pro Jahr. Longi Green Energy, bekannt als zweitgrößter Solarmodulhersteller der Welt, stieg in die Elektrolyseurproduktion ein und baut dabei auf dieselben Fertigungslinien und Lieferketten. China kontrolliert nach Branchenangaben rund 60 Prozent der globalen Elektrolyseur-Fertigungskapazität. Das erzeugt dieselbe Kostendynamik, die das Land in der Solarbranche demonstriert hat.

Was das für die Produktionskosten bedeutet

Die Stromkosten bestimmen die Gesamtkosten für grünen Wasserstoff stärker als die Kapitalkosten der Anlage, oft zu 60 bis 70 Prozent. In Regionen mit sehr günstigem erneuerbaren Strom: dem Atacama-Hochplateau in Nordchile mit seinen mehr als 3.000 Sonnenstunden pro Jahr, Australiens Nordwestküste mit konstantem Wind oder Teilen Saudi-Arabiens und Omans mit billigem Solarstrom sinken die unsubventionierten Produktionskosten für grünen Wasserstoff nach Berechnungen von IRENA und Energieanalysten bereits auf rund 2,50 Dollar pro Kilogramm.

Das klingt noch weit entfernt von grauem Wasserstoff aus Erdgas, der 1,20 bis 1,80 Dollar pro Kilogramm kostet oder blauem Wasserstoff (Erdgas mit CO2-Abscheidung) bei 1,50 bis 2,50 Dollar. Aber die Lücke ist kleiner als noch vor fünf Jahren. IRENA prognostizierte bereits 2020, dass ambitionierter Elektrolyseur-Ausbau grünen Wasserstoff in Best-Resource-Regionen bis vor 2030 unter 2,50 Dollar bringen kann. In einzelnen Märkten ist das jetzt Realität.

Im Vergleich: Was die Solarkurve zeigt

Chinas Rolle bei Elektrolyseuren ist kein Zufall. Dasselbe Muster zeichnete sich in der Fotovoltaik ab. 1976 kosteten Solarpanele nach Lazard-Daten rund 100 Dollar pro Watt; bis 2024 fiel der Preis auf unter 0,30 Dollar, ein Rückgang von mehr als 99 Prozent. Chinesische Hersteller spielten in den entscheidenden Skalierungsphasen zwischen 2008 und 2015 die Schlüsselrolle, als Preise jährlich um 30 bis 40 Prozent fielen und zahlreiche westliche Wettbewerber den Markt verließen.

Bei Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge verzeichnete Bloomberg NEF zwischen 2010 und 2024 einen Preisrückgang von mehr als 90 Prozent pro Kilowattstunde. Elektrolyseure befinden sich laut Experten noch im frühen Teil dieser Kurve. IRENA prognostiziert langfristig Potenzial für weitere 80 Prozent Kostenreduktion gegenüber 2020. Was bei Solar und Batterien Jahrzehnte brauchte, könnte sich bei Elektrolyseuren durch bewusste Skalierungspolitik in einem kürzeren Zeitraum vollziehen.

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Worauf Kritiker hinweisen

Der Preis des Elektrolyseurs ist nicht das entscheidende Problem für die Klimabilanz von Wasserstoff. Es ist der Strom, der hineinfließt. Grüner Wasserstoff ist nur dann tatsächlich klimaneutral, wenn er aus Stromerzeugungsanlagen betrieben wird, die zusätzlich zur bestehenden Kapazität gebaut wurden und nicht aus dem normalen Stromnetz entnommen werden. Diese Addizionalitätspflicht ist in der Praxis schwer durchzusetzen.

Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) und die Naturschutzorganisation NRDC hatten im Streit um das US-amerikanische IRA-Steuergutschriftprogramm (45V) gewarnt, dass ohne strenge Addizionalitätsanforderungen Projekte staatliche Subventionen kassieren könnten, die de facto mehr CO2 erzeugen als herkömmlicher Erdgaswasserstoff. Die USA haben dieses Kapitel inzwischen weitgehend abgeschlossen: Der One Big Beautiful Bill Act von 2025 beendete die 45V-Förderung fünf Jahre früher als geplant, bis Ende 2027.

Das dämpft die unmittelbaren US-Investitionsaussichten, ändert aber nichts an der globalen Technologiekostenkurve. Europa und Australien entwickeln eigene Zertifizierungsrahmen. Die EU hat Delegierte Verordnungen zu erneuerbarem Wasserstoff verabschiedet, die Addizionalität und stündliche Nachweispflichten verlangen. Das Ergebnis ist ein regulatorisch fragmentierter Markt: technologisch gereift, aber auf der Nachfrageseite noch nicht konsolidiert.

2030 als erster Prüfstein ohne Subventionen

Das US-Energieministerium hatte mit dem „Hydrogen Shot“ das Ziel von 1 Dollar pro Kilogramm bis 2031 ausgerufen, ohne Subventionen, in Bestfall-Regionen. Ob dieses Ziel erreichbar ist, hängt von zwei Faktoren ab. Erstens müssen günstige Erneuerbaren-Projekte weltweit schnell genug gebaut werden, die ausreichend Strom für dedizierte Elektrolyseuranlagen liefern, ohne bestehende Abnehmer zu verdrängen. Zweitens braucht es langfristige Abnahmeverträge: Chile, Australien und mehrere Golfstaaten haben Exportprojekte angekündigt, aber Verträge für feste Wasserstofflieferungen nach Europa und Japan sind noch selten.

Für Europa ist die Frage nicht hypothetisch. Stahl, Chemie und schwerer Schiffsverkehr haben keinen anderen technisch realistischen Dekarbonisierungspfad als Wasserstoff. Wenn die Kosten bis 2030 weiter fallen und die Zertifizierungsfragen gelöst sind, ist das ein anderes Fundament als heute. Grüner Wasserstoff müsste nicht billig sein. Er müsste nur billiger werden als fossiler Wasserstoff mit CO2-Bepreisung. Eine Schwelle, die in Europa bereits näher rückt.

Quellen (10)

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