Hamas-Chef al-Hayya: Irans Mann gegen Trumps Gazaplan
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Hamas-Chef al-Hayya: Irans Mann gegen Trumps Gazaplan

Am 20. Juli wählte Hamas Khalil al-Hayya im internen Runoff zum neuen Politbürochef. Er steht für eine Vertiefung der Iranbeziehungen statt eines Schwenks zu den Golfstaaten und lehnt die von Trump geforderte Entwaffnung ab.

22. Juli 2026, 9:04 Uhr 734 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Zwei Jahre nach der Tötung Yahya Sinwars hat die Hamas ihre Führungsfrage entschieden. Am 20. Juli setzte sich Khalil al-Hayya, 1960 in Gaza geboren und Mitgründer der Organisation, im internen Runoff gegen den langjährigen Exil-Chef Khaled Mashal durch. Das Ergebnis ist eindeutig: Hamas setzt weiter auf die Allianz mit dem Iran.

Vom Kollektivgremium zur Einzelführung

Als israelische Soldaten Yahya Sinwar im Oktober 2024 töteten, stand die Hamas vor einem Problem: Wer führt die Organisation weiter? Zwischen dem Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem Tod ihres Anführers lagen wenig mehr als ein Jahr. Ein fünfköpfiges Kollektivgremium übernahm die Führung. Al-Hayya war eines der fünf Mitglieder. Fast zwei Jahre ohne offizielle Einzelspitze. Am 20. Juli endete diese Phase mit dem internen Runoff.

Al-Hayya ist kein unbekanntes Gesicht. Seit 2017 diente er als stellvertretender Vorsitzender des Hamas-Politbüros in Gaza. Nach dem 7. Oktober 2023 lebte er überwiegend in Katar, wo die politische Auslandsführung der Organisation ihren Sitz hat. Er war der Chefunterhändler in den Waffenstillstandsgesprächen der vergangenen Jahre. Die Waffenruhe vom Oktober 2025, die Israel und Hamas vereinbarten, trägt wesentlich seine Handschrift.

Dass Israel an al-Hayyas Beseitigung interessiert war, belegt ein Bericht der Times of Israel: Im Jahr 2025 versuchte die israelische Armee, ihn zu töten. Israel betrachte ihn als "eine der verbleibenden Figuren im Entscheidungskreis hinter dem 7. Oktober", meldete die Zeitung. Der Anschlag scheiterte. Wenige Monate später ist al-Hayya Politbürochef.

Mashal oder al-Hayya: Ein Richtungsstreit

Gegenkandidat Khaled Mashal ist kein leichtes Kaliber. Von 1996 bis 2017 führte er das Hamas-Politbüro. Er überlebte 1997 einen israelischen Vergiftungsanschlag. In den Jahren nach dem 7. Oktober vertrat er eine andere strategische Linie als al-Hayya. Mashal plädierte für mehr Distanz zu Teheran und einen Schwenk zu den Golfstaaten, die eher auf Stabilisierung als auf Eskalation setzen. Al-Hayya stand für das Gegenteil: Vertiefung der Iranachse, Festhalten an Widerstandsrhetorik.

Al-Hayyas Sieg ist auch ein Sieg der Iranfraktion innerhalb der Hamas. Iran ist seit Jahrzehnten Hauptfinanzier und wichtigster Waffenlieferant der Organisation. Die Foundation for Defense of Democracies in Washington sprach von der "Wahl eines pro-iranischen Hardliners" und warnte, die Entscheidung erhöhe die Gefahr eines neuen Krieges in Gaza, weil Hamas ihre Weigerung zur Entwaffnung damit festige. Ein namentlich nicht genannter Hamas-Vertreter gegenüber Al Jazeera nach der Wahl: "Die Wahl von al-Hayya bedeutet, dass Hamas den Widerstand fortsetzen wird."

Der Richtungsstreit zwischen Mashal und al-Hayya spiegelt eine tiefere Spaltung innerhalb der Organisation. Teile der Diasporaführung, die in Katar, der Türkei und dem europäischen Ausland operiert, sahen in einer Annäherung an die Golfstaaten einen Weg zu größerer politischer Handlungsfähigkeit. Die Gaza-Hardliner, gestützt auf Teheran, betonten die militärische Unabhängigkeit. Am 20. Juli hat diese Fraktion gesiegt.

Die Entwaffnungsfrage als Scheideweg

Trumps Gazaplan, ausgehandelt von Sondergesandtem Steve Witkoff, verlangt als Kernbedingung die Entwaffnung der Hamas. Im Oktober 2025 akzeptierte Hamas Teile des Plans, namentlich die Freigabe aller Geiseln und den Rückzug aus der Regierungsverantwortung in Gaza. Die Entwaffnung blieb ausdrücklich ausgeklammert. Hamas machte dazu keine Aussage.

Al-Hayyas Wahl festigt diese Position. IBTimes UK beschrieb ihn als "ruhigen Verhandler", der gleichzeitig die Disarmamentforderungen konsequent ablehne. Seine Unterstützer hatten argumentiert, Gazas Führung müsse gegenüber dem Druck der USA und Israels standhaft bleiben. Wer al-Hayya wählt, wählt diesen Kurs.

Für Gazas Zivilbevölkerung ändert die Führungswahl nichts an der unmittelbaren Lage. Al Jazeera zitierte Bewohner des Streifens mit den Worten: "Wir wollen einfach nur leben." Nach UN-Angaben sind rund 90 Prozent der Vorkriegsbevölkerung intern vertrieben, weite Teile der Infrastruktur zerstört. Die Verhandlungen über Gazas Zukunft entscheiden darüber, ob und wann das anders wird.

Amtszeit bis 2027: Die Verhandlungsfenster schließen sich

Al-Hayya übernimmt das Amt für den Rest der laufenden Hamas-Amtszeit bis 2027. Wie lange das Verhandlungsfenster offen bleibt, ist unklar. Trump hat mehrfach mit der Wiederaufnahme militärischer Operationen gedroht, falls Hamas die Entwaffnung verweigert. Die Waffenruhe vom Oktober 2025 war an präzise Bedingungen geknüpft, die Hamas seitdem nicht vollständig erfüllt hat.

Gleichzeitig ist al-Hayya kein Agitator. Er ist Verhandler. Sein gesamtes politisches Profil ist das eines Mannes, der Hamas-Interessen in Gesprächen verteidigt, nicht nur auf dem Schlachtfeld. Ob er versuchen wird, neue Formeln zu finden, die Hamas in der Machtposition belassen, ohne die formale Entwaffnung zu akzeptieren, ist die entscheidende Frage der kommenden Monate.

Die Gespräche zwischen USA, Israel, Ägypten und Katar über Gazas Zukunft laufen in wechselnden Konstellationen. Al-Hayyas Amtsantritt setzt den Verhandlungsrahmen für mindestens die nächsten 18 Monate. Der Ausgang hängt auch davon ab, ob Teheran, al-Hayyas wichtigster Unterstützer, ein Interesse an Stabilisierung hat oder Eskalation bevorzugt.

Quellen (9)

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