Hitzedom über Europa: Hamburg sagt Halbmarathon ab
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Hitzedom über Europa: Hamburg sagt Halbmarathon ab

Wegen erwarteter 37 Grad am 28. Juni hat Hamburg den 32. Hella Halbmarathon erstmals in der Veranstaltungsgeschichte abgesagt. Das Hitzehoch Hartmut könnte am Wochenende den deutschen Junirekord von 39,6 Grad brechen. Frankreich meldet erste Hitzetote durch die Hitzewelle.

24. Juni 2026, 18:42 Uhr 860 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Am 28. Juni hätten 24.000 Läuferinnen und Läufer durch Hamburg gehetzt. Jetzt ist der 32. Hella Halbmarathon gestrichen, erstmals in der Geschichte des Laufs. Die Veranstalter können mit Sicherheit nicht ausschließen, dass Rettungsdienste und Notarztdienste durch erschöpfte Teilnehmer so stark beansprucht werden, dass die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung gefährdet wäre. Für das Wochenende prognostiziert der Deutsche Wetterdienst 37 Grad Celsius in der Hansestadt.

Was der DWD für das Wochenende vorhersagt

DWD-Meteorologe Helge Tuschy nannte den Zeitraum von Donnerstag, 25. Juni, bis Sonntag, 28. Juni, als Peak der aktuellen Hitzeperiode. Im Raum Rhein-Main und in Teilen Baden-Württembergs könnten regional Werte von 40 bis 41 Grad Celsius erreicht werden. Der bisherige bundesweite Allzeitrekord liegt bei 41,2 Grad, gemessen am 25. Juli 2019 im nordrhein-westfälischen Tönisvorst. Der Junirekord steht bei 39,6 Grad vom 30. Juni 2019 im sachsen-anhaltinischen Bernburg.

Der DWD erklärte, wenn am Freitag oder Samstag die 40-Grad-Marke erreicht werde, sei das bereits ein neuer Junirekord. Für Hamburg ist die Lage etwas moderater, aber ein einzelner Ausreißer nach oben bleibt möglich. Tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, sind für mehrere Nächte in Folge vorhergesagt. Für ältere Menschen und chronisch Kranke bedeutet das kumulativen Hitzestress ohne nächtliche Erholung.

Warum 24.000 Läufer ohne Wettbewerb bleiben

Die Organisatoren des Hella Hamburg Halbmarathons nannten die Absage "vermutlich die schwerste Entscheidung, die wir in der Geschichte dieser Veranstaltung treffen mussten". 24.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich angemeldet, die Startnummern waren ausgegeben. Das Problem liegt nicht in der Leistungsfähigkeit der Läufer, sondern in der Systemlogik der Notfallversorgung: Wenn an einem Hochhitzetag Tausende erschöpfte Sportler gleichzeitig ärztliche Hilfe benötigen, kollidiert das mit der regulären Versorgung der Bevölkerung.

Sportereignisse in extremer Hitze haben eine gut dokumentierte Einsatzstatistik. Bei einem Halbmarathon unter normalen Bedingungen benötigen typischerweise 0,5 bis 1 Prozent der Startteilnehmer medizinische Hilfe. Bei Temperaturen über 35 Grad kann diese Rate auf drei bis fünf Prozent steigen. Die Absage gilt als präventiv, nicht als reaktiv: Es gab keinen Zwischenfall, aber es gab genug historische Daten, um das Risiko als inakzeptabel einzustufen. Ein neuer Termin soll im Laufe des Jahres 2026 festgesetzt werden.

Der Hitzedom über Westeuropa

Das Phänomen hat in der Meteorologie einen eigenen Begriff: "Heat Dome" oder Hitzedom. Ein kräftiges Hochdruckgebiet, in der deutschen Nomenklatur als Hitzehoch "Hartmut" bezeichnet, sitzt wie eine Glocke über Westeuropa und hält heiße Luft aus dem nordafrikanischen Innern fest. Statt sich durch Aufwinde und Abwinde abzukühlen, akkumuliert die Luft tagelang Wärme.

Frankreich ist besonders hart betroffen. Bordeaux erreichte am 23. Juni 41,9 Grad Celsius. Das französische Gesundheitsministerium meldete mehrere Hitzetote durch die anhaltende Hitzewelle. Für die Region um Marseille und Lyon werden Höchstwerte von bis zu 45 Grad für das Wochenende erwartet. Die Bundesärztekammer wies auf die besondere Gefährdung älterer alleinlebender Menschen hin, denen im Notfall niemand hilft.

Abkühlung erst ab Anfang der Woche

DWD und Wetteronline prognostizieren eine erste Entspannung ab Sonntag, vollständige Normalisierung auf übliche Sommerwerte aber erst zu Beginn der neuen Woche. In Teilen Süddeutschlands könnte die Abkühlung durch heftige Gewitter eingeleitet werden, die bei Hitzeentladungen dieser Intensität typisch sind. Solche Gewitterfronten bergen ihrerseits Risiken: Überschwemmungen, Blitzeinschläge und umstürzende Bäume.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt für Extremhitzetage: In der kühlen Frühe lüften, Fenster und Rollläden tagsüber geschlossen halten, ausreichend lauwarme Flüssigkeit trinken und keine körperliche Anstrengung in der Mittagshitze. Für Städte wie Hamburg, die in der Innenstadt über wenig Baumkronenschatten verfügen, gelten diese Regeln unter den aktuellen Bedingungen als lebensnotwendig, nicht nur als Komfortempfehlung.

Update 25. Juni, 05:05 Uhr: Spanien hat am Montag und Dienstag (22. und 23. Juni) die heißesten Junitage seit Beginn vergleichbarer Messungen im Jahr 1950 registriert. Die landesweite Durchschnittstemperatur lag bei 28,08 Grad am Montag und 28,17 Grad am Dienstag und übertraf damit den bisherigen Junirekord von 28,01 Grad vom 30. Juni 2025. In 28 der 50 Provinzen wurden mindestens 40 Grad gemessen. Den Absolutrekord meldeten Meteorologen mit 45,1 Grad Celsius in den andalusischen Städten Andújar und Montoro. Im nordspanischen Tama in Kantabrien wurden 43,7 Grad gemessen, der höchste je in dieser Region erfasste Wert. Die Hitzewelle begann in Spanien und erstreckt sich über Frankreich bis nach Deutschland. Sie hat damit auch auf der Iberischen Halbinsel historische Dimensionen angenommen.

Quellen (10)

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