18 Tote, 40 Grad: Hitzehoch Hartmut bricht Rekorde
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18 Tote, 40 Grad: Hitzehoch Hartmut bricht Rekorde

Das Hitzehoch Hartmut hält Westeuropa seit dem 22. Juni im Griff. In Frankreich starben 18 Menschen, darunter zwei Kleinkinder in einem überhitzten Auto. In Deutschland erwartet der DWD für das Wochenende bis zu 41 Grad: Der bundesweite Junirekord von 39,6 Grad dürfte fallen.

24. Juni 2026, 17:13 Uhr 1105 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Hitzewellen töten selten spektakulär. Meistens sterben alte Menschen allein in ihren Wohnungen, erschöpft, überhitzt, ohne dass es jemand rechtzeitig bemerkt. Manchmal sterben auch Kleinkinder in einem abgestellten Auto in der Sonne. Im provenzalischen Carpentras starben in der vergangenen Woche zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren auf diese Weise. In Frankreich zählen die Behörden bisher 18 Hitzetote. Die gefährlichste Phase von Hitzehoch Hartmut läuft für Deutschland noch: Für Samstag erwartet der Deutsche Wetterdienst bis zu 41 Grad in Südwestdeutschland und gibt an, das Fallen des bundesweiten Junirekords sei so gut wie sicher.

Von 38 auf 41 Grad: Warum Hartmut anders ist

Die zweite Hitzewelle des Jahres schien Mitte Juni ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Am 18. Juni registrierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) an der Station Saarbrücken-Burbach 35,6 Grad und gab die erste amtliche Hitzewarnung der Stufe Extrem in über hundert Landkreisen aus. Es stellte sich heraus: Das war erst der Anlauf. Seit dem 22. Juni, einen Tag nach der Sommersonnenwende, verstärkt das Hochdruckgebiet Hartmut seinen Griff. Die Temperaturen liegen laut Angaben des DWD derzeit 14 bis 18 Grad über dem Klimamittel für Ende Juni. Das ist nicht mehr nur eine ungewöhnliche Warmphase, sondern ein meteorologisches Extremereignis.

Bereits am 20. Juni, zwei Tage vor Beginn der eigentlichen Intensivierungsphase, maß die Station Saarbrücken-Burbach 37,5 Grad Celsius. Damit überbot sie den saarländischen Junirekord von 37,3 Grad aus dem Jahr 2019, aufgestellt an derselben Station. Für das Wochenende prognostiziert der DWD örtlich bis zu 41 Grad im Westen und Südwesten des Landes. Im Oberrheingraben zwischen Karlsruhe und Mainz könnte die Welle damit in historisches Terrain vordringen.

Frankreich in der Hitzefalle: Bordeaux mit fast 42 Grad

Frankreich trägt die schwerste Last. France24 berichtete am 22. Juni, die nationalen Behörden hätten 18 Hitzesterbefälle bestätigt, darunter die beiden Kleinkinder aus Carpentras. 54 der 101 Departements wurden unter die rote Hitzewarnstufe, die höchste Stufe des Plans Canicule, gestellt. Schulen blieben geschlossen, Zugverbindungen wurden eingestellt.

Die Messstationen lieferten Extremwerte: Bordeaux verzeichnete 41,9 Grad Celsius, Angers 40,9 Grad, Rennes 40,6 Grad. Der nationale Tagesdurchschnitt lag an einem der heißesten Tage bei 29,8 Grad Celsius. Nach Angaben der Wetterbehörde war das der höchste jemals im Juni gemessene landesweite Mittelwert. Über 20 weitere Personen starben bei Badeunfällen in Flüssen und Seen, oft in überhitzten Ortschaften ohne Schwimmbad.

Zum Vergleich: Die Hitzewelle von 2003 tötete in Frankreich rund 15.000 Menschen und führte zu einem tiefgreifenden Umbau der nationalen Warninfrastruktur. Der jetzt aktivierte Plan Canicule ist das direkte Ergebnis dieser Katastrophe.

Deutschland vor dem Junirekord

Für Deutschland läuft die gefährlichste Phase der Welle noch. Der DWD erwartet den Höhepunkt am Freitag und Samstag (27./28. Juni) mit 38 bis 41 Grad im Westen und Südwesten. Hochdruck Hartmut liegt über der Iberischen Halbinsel und pumpt kontinuierlich heiße Luftmassen aus Nordafrika über Westeuropa nach Norden. Das Wetterphänomen ist nach der Konvention des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin benannt.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder und Menschen mit Herzerkrankungen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, zwischen 11 und 18 Uhr geschlossene, abgedunkelte Räume aufzusuchen, mindestens zwei Liter täglich zu trinken und körperliche Anstrengung zu meiden. In Städten ohne ausreichenden Baumbestand fehlt der kühlende Effekt der Verdunstung. Der DWD hat den Zusammenhang zwischen schwindenden Stadtbäumen und steigenden Wärmeinseln in mehreren Berichten dokumentiert.

Der Kontinent unter Druck: Spanien, UK, Schweiz

Hartmut trifft nicht nur Deutschland und Frankreich. Im spanischen Baskenland wurden bis zu 43 Grad Celsius gemessen, dem Wetterdienst AEMET zufolge die höchsten jemals im Norden der Iberischen Halbinsel gemessenen Juniwerte. Das Vereinigte Königreich erwartet für das kommende Wochenende erstmals seit 2022 wieder Temperaturen nahe 40 Grad, was den britischen Behörden ein National Emergency Level Amber eingebracht hat. Die Schweiz registrierte am Mittelland Temperaturen über 37 Grad.

Der EU-Klimawandeldienst Copernicus hatte bereits im Mai gewarnt, der Sommer 2026 könnte die Rekordmittelwerte von 2022 und 2023 übertreffen. Meteorologen verweisen auf ein verändertes Basisniveau: Jede Hitzewelle wirkt auf einer Grundtemperatur, die durch den Klimawandel strukturell höher liegt als noch vor zwanzig Jahren. Temperaturen von 40 Grad in Frankreich galten in den 1980er-Jahren als statistisch nahezu ausgeschlossen.

Ab Samstag Gewitter, aber keine Entspannung für die Saison

Das Ende der aktuellen Welle ist absehbar. Laut DWD sollen am Samstag (28. Juni) erste Hitzegewitter einsetzen und die Spitzenwerte brechen. Ab Anfang der kommenden Woche werden wieder Temperaturen deutlich unter 30 Grad erwartet. Das ist Entlastung, aber kein Zeichen für einen kühleren Sommer.

Der DWD hat dokumentiert, dass die Anzahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad in Deutschland seit den 1960er-Jahren deutlich zugenommen hat. Die Hitzeforscherin Friederike Otto vom Imperial College London betonte in diesem Zusammenhang, was auch auf Hartmut zutrifft: Jede Hitzewelle ist heute schwerer und heißer als ihr historisches Pendant, weil sie auf ein wärmeres Klimasystem trifft. Die 18 Hitzetoten in Frankreich dieser Woche sind keine Anomalie, sondern ein Vorgeschmack.

Update 24. Juni, 23:08 Uhr: Die neuesten Prognosen des Deutschen Wetterdienstes verschärfen das Bild: Für Freitag und Samstag werden im Saarland und entlang des Oberrheins nun Spitzenwerte von bis zu 42 Grad erwartet, die nicht nur den Junirekord von 39,6 Grad, sondern auch den deutschen Allzeitrekord von 41,2 Grad brechen könnten, aufgestellt im Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl. DWD-Meteorologe Kai-Uwe Nerding sprach gegenüber der dpa von einer 99-prozentigen Wahrscheinlichkeit für einen neuen Junirekord in Baden-Württemberg. Wegen der erwarteten Hitze bis 37 Grad am Sonntag sagten die Veranstalter den Hamburger Halbmarathon mit 24.000 angemeldeten Läuferinnen und Läufern ab: Eine erhöhte Inanspruchnahme von Rettungsdiensten sei nicht auszuschließen gewesen.

Update 25. Juni, 09:05 Uhr: Die Hitzewelle hat inzwischen europäisches Ausmaß. Im andalusischen Andújar und Montoro wurden am Montag 45,1 Grad gemessen, die höchsten Junitemperaturen in Spanien seit Beginn kontinuierlicher Messungen im Jahr 1950; landesweit 28 Provinzen verzeichneten Werte von mindestens 40 Grad. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Extremhitze gewinnt eine Analyse der Deutschen Umwelthilfe neue Dringlichkeit: Zwischen 2018 und 2025 verschwanden mehr als 900.000 Bäume aus den 195 untersuchten deutschen Großstädten mit mehr als 50.000 Einwohnern. Die DUH dokumentiert, dass Straßenoberflächen ohne Baumbestand sich bis zu 15 Grad stärker aufheizen als begrünte Flächen, was in dicht bebauten Stadtvierteln die Hitzebelastung drastisch verstärkt.

Update 25. Juni, 11:10 Uhr: Frankreich hat am 23. Juni einen nationalen Temperaturrekord aufgestellt: 44,3 Grad Celsius in Pissos im Département Landes. Das ist der höchste Wert, der in Frankreich seit Beginn flächendeckender Messungen registriert wurde. Zum Vergleich: Der im Artikel genannte Spitzenwert von 41,9 Grad in Bordeaux lag im gleichen Zeitraum, Pissos lag fast zweieinhalb Grad darüber. An Dienstag und Mittwoch wurden in Frankreich insgesamt über 135 Allzeitrekorde an einzelnen Messstationen gebrochen. Météo France hat die rote Warnstufe unterdessen von 54 auf 72 der 101 Departements ausgeweitet. In der Nacht zum Donnerstag sanken die Temperaturen in den betroffenen Regionen kaum unter 23 bis 26 Grad Celsius, was die nächtliche Körpererholung erheblich erschwert.

Quellen (20)

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