39 Grad und Waldbrandstufe 5: Deutschland ohne Pause
Rund 6.800 hitzebedingte Todesfälle hat das Robert Koch-Institut allein für den Zeitraum von April bis zum 5. Juli geschätzt. Dieser Sommer ist noch lange nicht vorbei: Ab Mittwoch, dem 29. Juli, erwartet der Deutsche Wetterdienst Höchsttemperaturen von bis zu 39 Grad im Südwesten, getrieben von einer Heißluftmasse aus dem Süden Spaniens. In fünf Bundesländern gilt bereits die höchste Waldbrandwarnstufe 5, in Brandenburg und Baden-Württemberg lodern aktive Brände.
Heiße Luft aus Spanien, trockener Boden in Deutschland
Die Temperaturprognose des Deutschen Wetterdienstes ist eindeutig: Am Donnerstag, dem 30. Juli, werden am Oberrhein und in Franken Temperaturen von 38 bis 39 Grad erwartet, im Rhein-Main-Gebiet 37 Grad, am Freitag rückt der Schwerpunkt der Hitze nach Bayern mit Werten bis 36 Grad. Die Nordhälfte kommt mit 28 bis 34 Grad glimpflicher davon, bleibt aber ebenfalls ungewöhnlich warm. Quelle der Hitze ist eine Warmluftzufuhr aus dem Süden Spaniens, die nach Mitteleuropa transportiert wird.
Das eigentliche Problem ist nicht allein die Temperatur, sondern das Fundament, auf das diese Hitze trifft. Seit Monatsbeginn fielen im Südwesten Deutschlands stellenweise nur 1 bis 10 Liter pro Quadratmeter Regen, bei einem Julidurchschnitt von 50 bis 70 Litern. Der Frühling 2026 war laut Deutschem Wetterdienst außergewöhnlich trocken: Bundesweit fielen nur 126 Liter pro Quadratmeter, das entspricht 68 Prozent des langjährigen Mittels aus der Referenzperiode 1961 bis 1990. Rheinpegel und Donaupegel sind gegenüber dem saisonalen Mittel deutlich gesunken.
Das Waldbrandrisiko ist entsprechend hoch. Vom 26. bis 30. Juli gilt in Bayern, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gebietsweise die höchste Warnstufe 5 des Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes. Zwei Brände sind bereits ausgebrochen: In Oppenau in Baden-Württemberg legte Feuerwerk einen Waldbrand. Im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg, auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog West, weitete sich ein Feuer auf rund acht Hektar aus.
Die Löscharbeiten in Jüterbog sind besonders schwierig: Große Teile des ehemaligen Militärgeländes sind wegen Munitionsrückständen und ungezündeten Sprengkörpern nicht zugänglich. Direktes Vorgehen der Feuerwehr ist kaum möglich, der Einsatz muss über bestehende Waldbrandriegel und Feuerschneisen gesteuert werden. Anwohner des Ortsteils Altes Lager wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Lüftungsanlagen vorübergehend abzuschalten.
Rund 6.800 Hitzetote bis Anfang Juli
Die gesundheitlichen Folgen des bisherigen Hitzesommers 2026 sind erheblich. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass vom 1. April bis zum 5. Juli rund 6.800 Menschen in Deutschland hitzebedingt gestorben sind, mit einem Konfidenzintervall von 6.000 bis 7.700 Fällen. Die tödlichste Einzelwoche war die Woche vom 22. bis 28. Juni: Rund 4.300 Todesfälle ordnet das RKI dieser Periode zu, als die nationalen Durchschnittstemperaturen 26,4 Grad Celsius erreichten und an 46 Wetterstationen die 40-Grad-Marke überschritten wurde.
Die Betroffenen sind überwiegend ältere Menschen: Über 85-Jährige stellen mit rund 3.940 Todesfällen die größte Gruppe, gefolgt von 75- bis 84-Jährigen mit rund 1.720 Fällen. Unter 65-Jährige sind mit etwa 360 Toten deutlich seltener betroffen. Frauen sterben häufiger als Männer, was die demografische Zusammensetzung älterer Altersgruppen widerspiegelt. Mit der neuen Hitzewelle, die auf einen bereits gesundheitlich belasteten Sommer trifft, ist ein weiterer Anstieg der Übersterblichkeit zu erwarten.
Meteorologe Dominik Jung ordnete die Situation in einem Kommentar für wetter.com ein: „Das ist keine Hitzewelle zum Genießen, sondern eine, die man ernst nehmen muss.“
Ernteausfälle, sinkende Pegel, steigende Preise
Die Trockenheit hinterlässt auch in der Landwirtschaft und auf den Wasserstraßen erhebliche Spuren. Mais und Zuckerrüben gelten als besonders anfällig, weil sie während der Wachstumsphase große Wassermengen benötigen. Landwirt Matthias Augst aus dem rheinland-pfälzischen Helmenzen beschrieb die Situation als schlimmer als in den Dürrejahren 2003, 2018 und 2021: Die oberen Bodenschichten seien vollständig ausgetrocknet, Nachschub aus tieferen Schichten bleibe aus. Auf Sandböden, die weniger Wasser halten können, ist der Schaden besonders groß.
Der Deutsche Bauernverband warnt vor erhöhten Futterkosten durch ausgetrocknete Weiden und damit steigenden Preisen für Fleisch und Milchprodukte in den Herbstmonaten und Wintermonaten. Parallel dazu sinken die Wasserstände auf Rhein und Donau, was die Transportkapazität der Binnenschifffahrt einschränkt und die Logistikkosten für rohstoffintensive Branchen erhöht.
Das Copernicus-Klimadienst-Monitoring zeigt für weite Teile Süddeutschlands und Ostdeutschlands extreme Vegetationsstressindizes, die auf abgestorbene oder stark geschwächte Baumbestände hindeuten. Geschwächte Wälder sind anfälliger für Borkenkäferbefall, was langfristige Forstschäden wahrscheinlich macht.
Kein Regen bis Anfang August
Die Mittelfristprognose des Deutschen Wetterdienstes bietet wenig Entlastung. Nach Abklingen der Hitzewelle am Wochenende ist zwar ab dem 3. August eine gewisse Temperatursenkung zu erwarten, doch flächendeckender Regen bleibt in weiten Teilen des Landes aus. Das amerikanische NOAA-Wettermodell zeigt für den Südwesten Deutschlands anhaltende positive Temperaturanomalien von zwei bis drei Grad über dem saisonalen Mittel auch in der zweiten Augusthälfte. „Trockenheit und Waldbrandgefahr werden ein zentrales Thema bleiben“, schreibt der DWD in seiner Mittelfristprognose vom 25. Juli 2026.
Für die Böden bedeutet das: Eine merkliche Wiederbefeuchtung ist frühestens im Herbst realistisch. Der Sommer 2026 fügt sich damit in ein Muster ein, das Klimaforschende seit Jahren prognostizieren: Mitteleuropa erlebt häufigere und intensivere Dürreperioden mit kürzeren Erholungsphasen dazwischen. Die Kombination aus bereits verbrauchten Bodenwasserreserven und anhaltenden Hochdrucklagen macht jede weitere Hitzewelle gefährlicher als die vorherige.
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